Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Außergewöhnliches Hubschrauberexperiment geglückt

21.01.2008
Erstmals gelingt der Flug von drei gekoppelten Modellhubschraubern, die vollständig rechnergesteuert sind

TU-Wissenschaftler sehen Anwendungen bei der Installation von Sensornetzwerken in Katastrophenregionen und halten die Übertragung der Erkenntnisse auf große Transporthubschrauber für möglich

Wissenschaftlern der TU Berlin ist es gelungen, eine Last mit drei autonom gesteuerten Hubschraubern zu transportieren. "Nach unserem Wissen wurde ein Flug mit drei gekoppelten Hubschraubern noch nie zuvor demonstriert", sagt Dr. Konstantin Kondak, der das Projekt an der TU Berlin leitet. Weder ist ein solcher gekoppelter Flug mit einem Lastentransport bisher mit mehreren bemannten noch mit ferngesteuerten Hubschraubern gelungen. Autonom bedeutet, dass die Hubschrauber ausschließlich über einen Rechner gesteuert werden.

Konstantin Kondak und Markus Bernard sowie deren Team, die am TU-Institut für Technische Informatik und Mikroelektronik auf dem Gebiet der Robotik forschen, haben das Flugexperiment auf einem Flugfeld in Schönerlinde bei Berlin jüngst erfolgreich durchgeführt. Zuvor war bereits der Lastentransport mit nur einem autonom gesteuerten Hubschrauber erfolgreich getestet worden.

Für das Experiment wurden drei Modellhubschrauber jeweils mit einem Rotordurchmesser von zwei Metern in einem gleichseitigen Dreieck aufgestellt. Die drei Hubschrauber sollten eine Bleikugel transportieren, die durch jeweils ein Seil mit den drei Hubschraubern verbunden war. Dafür war es notwendig, die drei Helikopter unter sich stark ändernden Bedingungen - beim Anheben der Last, beim Transport sowie beim Absetzen - synchron zueinander fliegen zu lassen. "Die wissenschaftliche Herausforderung lag darin, es zu verstehen, wie ein derart kompliziertes System wie die mit einer Last gekoppelten Hubschrauber sich unter realen Bedingungen genau verhalten und dieses Wissen in ein real funktionierendes Steuerungssystem umzusetzen", sagt Konstantin Kondak.

Die Forschungen begannen vor vier Jahren. "In der bemannten Luftfahrt werden Hubschrauber zwar seit langer Zeit schon zum Lastentransport eingesetzt, aber da die Traglast eines solchen Hubschraubers begrenzt ist - die größten Hubschrauber können bis zu 20 Tonnen transportieren - verhindert das viele mögliche Anwendungen wie zum Beispiel den Transport von großen sperrigen Gegenständen in schwer zugänglichen Regionen", erzählt Konstantin Kondak. "Das hat uns bewogen zu untersuchen, ob es nicht möglich ist, mehrere Hubschrauber zu koppeln, um somit größere Gegenstände transportieren zu können."

Konstantin Kondaks und Markus Bernards Recherchen hatten ergeben, dass der Lastentransport mit zwei gekoppelten, manuell gesteuerten und bemannten Hubschraubern wenigstens in zwei Studien in England und den USA durch das Militär bereits untersucht worden war. Das Ergebnis war jedoch ernüchternd: Aufgrund der enormen Belastung der Piloten war der Transport von Lasten mit zwei gekoppelten Hubschraubern für den praktischen Einsatz nicht geeignet. "So haben wir begonnen, ein System für die automatische Steuerung von mehreren gekoppelten Hubschraubern zu erarbeiten." Von 2004 bis 2006 wurde das Projekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert, ab dem Jahr 2006 von der EU innerhalb des Projektes "AWARE".

Die Experimente an der TU Berlin haben erst einmal gezeigt, dass die automatische Steuerung eines und mehrerer gekoppelter Hubschrauber für den Lastentransport grundsätzlich möglich ist. Die Übertragung der gewonnenen Ergebnisse und Erkenntnisse auf große Transporthubschrauber sieht Konstantin Kondak als einen möglichen nächsten Schritt.

"Doch auch wenn die im Experiment eingesetzten Modellhubschrauber mit einem Rotordurchmesser von zwei Metern relativ klein sind und die Kugel auch nur vier Kilogramm wog, gibt es auch für diese kleineren Helikopter viele praktische Anwendungen", sagt Konstantin Kondak. So arbeiten er und sein Team zusammen mit internationalen Partnern in dem EU-Projekt "AWARE" an der automatischen Installation und Reparatur von drahtlosen Sensornetzwerken in schwer zugänglichen Regionen oder in Katastrophengebieten. Das entwickelte Hochleistungssteuerungssystem kann auch für koordinierte autonome Flüge von einem oder mehreren ungekoppelten Hubschraubern eingesetzt werden, um zum Beispiel Foto- und Filmaufnahmen zu machen oder Messungen aus der Luft durchzuführen.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Dr. Konstantin Kondak, Institut für Technische Informatik und Mikroelektronik, Einsteinufer 17, 10587 Berlin, Telefon: 030/314-73113, Fax: -21116, E-Mail: kondak@cs.tu-berlin.de, http://pdv.cs.tu-berlin.de

Hinweis: Dieser Beitrag ist das "Thema der Woche" - EIN-Blicke für Journalisten - im TUB-newsportal. Sie finden dort neben dem Beitrag einen Expertendienst sowie weiterführende Links wie zum Beispiel zu zwei Videos zu den Flugexperimenten: www.pressestelle.tu-berlin.de/newsportal

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://pdv.cs.tu-berlin.de
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/newsportal
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/

Weitere Berichte zu: Hubschrauber Lastentransport Steuerung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Virtual Reality hilft bei Beurteilung der Mobilität von übermorgen
13.07.2020 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Erster Test für neues Roboter-Umweltmonitoring-System der TU Bergakademie Freiberg
10.07.2020 | Technische Universität Bergakademie Freiberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kryoelektronenmikroskopie: Hochauflösende Bilder mit günstiger Technik

Mit einem Standard-Kryoelektronenmikroskop erzielen Biochemiker der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) erstaunlich gute Aufnahmen, die mit denen weit teurerer Geräte mithalten können. Es ist ihnen gelungen, die Struktur eines Eisenspeicherproteins fast bis auf Atomebene aufzuklären. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "PLOS One" veröffentlicht.

Kryoelektronenmikroskopie hat in den vergangenen Jahren entscheidend an Bedeutung gewonnen, besonders um die Struktur von Proteinen aufzuklären. Die Entwickler...

Im Focus: Electron cryo-microscopy: Using inexpensive technology to produce high-resolution images

Biochemists at Martin Luther University Halle-Wittenberg (MLU) have used a standard electron cryo-microscope to achieve surprisingly good images that are on par with those taken by far more sophisticated equipment. They have succeeded in determining the structure of ferritin almost at the atomic level. Their results were published in the journal "PLOS ONE".

Electron cryo-microscopy has become increasingly important in recent years, especially in shedding light on protein structures. The developers of the new...

Im Focus: Neue Schlankheitstipps für Computerchips

Lange Zeit hat man in der Elektronik etwas Wichtiges vernachlässigt: Wenn man elektronische Bauteile immer kleiner machen will, braucht man dafür auch die passenden Isolator-Materialien.

Immer kleiner und immer kompakter – das ist die Richtung, in die sich Computerchips getrieben von der Industrie entwickeln. Daher gelten sogenannte...

Im Focus: Elektrische Spannung aus Elektronenspin – Batterie der Zukunft?

Forschern der Technischen Universität Ilmenau ist es gelungen, sich den Eigendrehimpuls von Elektronen – den sogenannten Elektronenspin, kurz: Spin – zunutze zu machen, um elektrische Spannung zu erzeugen. Noch sind die gemessenen Spannungen winzig klein, doch hoffen die Wissenschaftler, auf der Basis ihrer Arbeiten hochleistungsfähige Batterien der Zukunft möglich zu machen. Die Forschungsarbeiten des Teams um Prof. Christian Cierpka und Prof. Jörg Schumacher vom Institut für Thermo- und Fluiddynamik wurden soeben im renommierten Journal Physical Review Applied veröffentlicht.

Laptop- und Handyspeicher der neuesten Generation nutzen Erkenntnisse eines der jüngsten Forschungsgebiete der Nanoelektronik: der Spintronik. Die heutige...

Im Focus: Neue Erkenntnisse über Flüssigkeiten, die ohne Widerstand fließen

Verlustfreie Stromleitung bei Raumtemperatur? Ein Material, das diese Eigenschaft aufweist, also bei Raumtemperatur supraleitend ist, könnte die Energieversorgung revolutionieren. Wissenschaftlern vom Exzellenzcluster „CUI: Advanced Imaging of Matter“ an der Universität Hamburg ist es nun erstmals gelungen, starke Hinweise auf Suprafluidität in einer zweidimensionalen Gaswolke zu beobachten. Sie berichten im renommierten Magazin „Science“ über ihre Experimente, in denen zentrale Aspekte der Supraleitung in einem Modellsystem untersucht werden können.

Es gibt Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten. So kann z. B. Wasser nicht durch die Glaswand von einem Glas in ein anderes fließen. Erstaunlicherweise...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

08.07.2020 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kryoelektronenmikroskopie: Hochauflösende Bilder mit günstiger Technik

13.07.2020 | Biowissenschaften Chemie

Gesucht: Die nächste Superbatterie

13.07.2020 | Energie und Elektrotechnik

Virtual Reality hilft bei Beurteilung der Mobilität von übermorgen

13.07.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics