Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Burn-Out-Prävention in kleinen Unternehmen

13.09.2012
Das Forschungsprojekt BeFunt unter Federführung des Instituts A.U.G.E. (Institut für Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Gesundheitsförderung und Effizienz) der Hochschule Niederrhein beschäftigte sich mit einem Tabu-Thema: Burn-Out-Prävention in kleinen Unternehmen. In Zusammenarbeit mit den Unternehmen wurden zudem Lösungswege erarbeitet.

Marten Mey vergleicht die Arbeit des Forschungsprojekts BeFunt gerne mit einem Luftballon: Wenn dieser beim Aufpumpen zu platzen drohe, würde man ja schließlich auch die Luftzufuhr drosseln und damit den Druck herausnehmen.

Wenn dagegen Mitarbeiter eines Unternehmens psychisch erkrankten, suchten Arbeitgeber die Ursache dafür stets beim Mitarbeiter und nicht bei den Unternehmen. Dabei müsse man bei den Unternehmen ansetzen, um den Druck auf die Mitarbeiter zu verringern, sagt Marten Mey, der wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Forschungsinstitut A.U.G.E. der Hochschule Niederrhein ist.

Genau das hat das Forschungsprojekt BeFunt in den vergangenen zwei Jahren geleistet. Das vom A.U.G.E. Institut geleitete Forschungsprojekt fragte nach den Ursachen für Stress, Arbeitsüberlastung und daraus resultierende psychische Erkrankungen in Klein- und Kleinstunternehmen und erarbeitete gemeinsam mit den Unternehmen Lösungen, um die psychische Gesundheit der Mitarbeiter zu erhalten.

„Die Zahlen der Krankenkassen belegen, dass Fragen der psychischen Gesundheit für die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit der Menschen immer wichtiger werden“, sagt Prof. Dr. Lutz Packebusch, Leiter des A.U.G.E-Instituts und Projektleiter.

So hat in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der durch psychische Belastungen verursachten Krankheitstage erheblich zugenommen: bei Männern um 42 Prozent, bei Frauen sogar um 63 Prozent. Psychische Erkrankungen sind Ursache Nummer eins für gesundheitsbedingte Frühverrentungen. „In manchen Unternehmen bekommen die Mitarbeiter reihenweise einen Burn-out, aber die Unternehmer kümmern sich erst darum, wenn ihre Mitarbeiter krankheitsbedingt ausfallen“, kritisiert Marten Mey den in der Praxis überwiegenden Umgang mit psychischen Erkrankungen.

Das Projekt BeFunt hat es sich zum Ziel gesetzt, die Gesundheit der Beschäftigten in Klein- und Kleinstbetrieben in Nordrhein-Westfalen zu erhalten und zu fördern. Projektpartner waren die Prospektiv GmbH, das DGB-Bildungswerk, die IKK classic, die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe, die Berufsgenossenschaften Holz und Metall , Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege und der Arbeitsmedizinisch-Sicherheitstechnische Dienst der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft, die Psychotherapeutenkammer NRW und Innungen.

Die Wissenschaftler des A.U.G.E-Instituts und der Prospektiv GmbH arbeiteten dafür mit zehn Kleinbetrieben mit vier bis 45 Mitarbeitern zusammen und klopften die Arbeitsprozesse in den Unternehmen nach möglichen „Krankmachern“ ab.

Sie unterteilten die Arbeitsprozesse in einzelne Abschnitte und fragten nach den spezifischen Belastungen, die sich bei jedem einzelnen Arbeitsschritt ergeben. „So konnten wir passgenau die Überlastungen herausfiltern“, sagt Prof. Dr. Thomas Langhoff vom A.U.G.E. Institut. Ein Ergebnis der Untersuchung: Stress ergibt sich häufig aus den Mängeln bei einzelnen Arbeitsabläufen.

Die Wissenschaftler erstellten außerdem einen Leitfaden, um psychische Belastungen bei der Arbeit zu reduzieren und Gesundheits-Ressourcen bereit zu stellen. Auf der Basis von Bonus- oder Prämiensystemen wurden nachhaltige Präventionssysteme weiterentwickelt. Außerdem wurde eine Fallbeispielsammlung zum betrieblichen Eingliederungsmanagement bei psychischen Erkrankungen verfasst und es wurde ein Hinweiskatalog erstellt, der hilft, frühzeitig die Symptome arbeitsbedingter psychischer Beeinträchtigungen zu erkennen. Die Ergebnisse können ab Ende September auf der Projekthomepage unter www.befunt.de abgerufen werden.

Das Forschungsprojekt „Erhalt und Förderung psychischer Gesundheit besonders belasteter Berufs- und Funktionsgruppen in Klein- und Kleinstunternehmen“ (BeFunt) wurde von der EU/Europäischer Sozialfonds und dem Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Das Forschungsinstitut A.U.G.E. ist am Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule Niederrhein angesiedelt.

Weitere Informationen erteilt Dr. Christian Sonntag, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 02151 822-3610; Email: christian.sonntag@hs-niederrhein.de

Dr. Christian Sonntag | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-niederrhein.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Ohne Berufsausbildung fünfmal so hohe Arbeitslosenquote
15.10.2019 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht Mittelstädte wachsen nicht nur im Süden
15.10.2019 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bis zu 30 Prozent mehr Kapazität für Lithium-Ionen-Akkus

Durch Untersuchungen struktureller Veränderungen während der Synthese von Kathodenmaterialen für zukünftige Hochenergie-Lithium-Ionen-Akkus haben Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und kooperierender Einrichtungen neue und wesentliche Erkenntnisse über Degradationsmechanismen gewonnen. Diese könnten zur Entwicklung von Akkus mit deutlich erhöhter Kapazität beitragen, die etwa bei Elektrofahrzeugen eine größere Reichweite möglich machen. Über die Ergebnisse berichtet das Team in der Zeitschrift Nature Communications. (DOI 10.1038/s41467-019-13240-z)

Ein Durchbruch der Elektromobilität wird bislang unter anderem durch ungenügende Reichweiten der Fahrzeuge behindert. Helfen könnten Lithium-Ionen-Akkus mit...

Im Focus: Neue Klimadaten dank kompaktem Alexandritlaser

Höhere Atmosphärenschichten werden für Klimaforscher immer interessanter. Bereiche oberhalb von 40 km sind allerdings nur mit Höhenforschungsraketen direkt zugänglich. Ein LIDAR-System (Light Detection and Ranging) mit einem diodengepumpten Alexandritlaser schafft jetzt neue Möglichkeiten. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik (IAP) und des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT entwickeln ein System, das leicht zu transportieren ist und autark arbeitet. Damit kann in Zukunft ein LIDAR-Netzwerk kontinuierlich und weiträumig Daten aus der Atmosphäre liefern.

Der Klimawandel ist in diesen Tagen ein heißes Thema. Eine wichtige wissenschaftliche Grundlage zum Verständnis der Phänomene sind valide Modelle zur...

Im Focus: Auxetische Membranen - Paradoxes Ersatzgewebe für die Medizin

Ein Material, das dicker wird, wenn man daran zieht, scheint den Gesetzen der Physik zu widersprechen. Der sogenannte auxetische Effekt, der auch in der Natur vorkommt, ist jedoch für eine Vielzahl von Anwendungen interessant. Eine neue, vor kurzem im Fachblatt «Nature Communications» veröffentlichte Studie der Empa zeigt nun, wie sich das erstaunliche Materialverhalten weiter steigern lässt – und sogar für die Behandlung von Verletzungen und Gewebeschäden genutzt werden kann.

Die Natur macht es vor: Ein Kälbchen, das am Euter der Mutterkuh Milch saugt, nutzt eine faszinierende physikalische Eigenschaft der Kuhzitze: Diese besteht...

Im Focus: Meteoritengestein ist "bessere Diät"

Archaeon kann Meteoritengestein aufnehmen – und sich davon ernähren

Das Archaeon Metallosphaera sedula kann außerirdisches Material aufnehmen und verarbeiten. Das zeigt ein internationales Team um Astrobiologin Tetyana...

Im Focus: The coldest reaction

With ultracold chemistry, researchers get a first look at exactly what happens during a chemical reaction

The coldest chemical reaction in the known universe took place in what appears to be a chaotic mess of lasers. The appearance deceives: Deep within that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Was gehört auf die Trendliste für 2020?

05.12.2019 | Unternehmensmeldung

Bis zu 30 Prozent mehr Kapazität für Lithium-Ionen-Akkus

05.12.2019 | Energie und Elektrotechnik

Schweizer Weltraumteleskop CHEOPS: Raketenstart voraussichtlich am 17. Dezember 2019

05.12.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics