Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gravierende Folgen des Fernsehkonsums von Schülern

26.09.2000


Freiburger Studie untersucht erstmals unter Alltagsbedingungen körperlich-emotionale Auswirkungen von Fernsehen auf Schüler

Für viele Kinder und Jugendliche ist Fernsehen die wichtigste Freizeitbeschäftigung. Manche viel Seher unter ihnen verbringen fast ein Drittel der Freizeit vor der "Glotze". Ein übermäßiger Fernsehkonsum ist oft nicht ohne psychische und körperliche Folgen. Allerdings ist darüber heute kaum etwas Genaues bekannt. Freiburger Psychologen haben daher erstmals unter Alltagsbedingungen an 200 Schülern eine psycho-physiologische Untersuchung durchgeführt und stießen dabei auf überraschende und erschreckende Ergebnisse.

Zu viel Fernsehen schwächt bei Jugendlichen emotionale Reaktionen auf die Sendungen ab. Das ist eines der Ergebnisse dieser neuen Studie der Forschungsgruppe Psychophysiologie unter Leitung von Professor Dr. Michael Myrtek am Psychologischen Institut der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. In einer Untersuchung testeten die Wissenschaftler erstmals die körperlichen Auswirkungen von Fernsehkonsum und konnten nachweisen, dassviel Seher nicht nur emotional schwächer auf das Fernsehen reagieren als Wenigseher, sondern auch schlechtere Schulleistungen erbringen, vor allem im Fach Deutsch. Unter dem "Dauerglotzen" leidet weiterhin die Kommunikation zu Freunden und Familienmitgliedern.

In nahezu allen Haushalten der Bundesrepublik befindet sich ein Fernseher. In jedem fünften Haus ist sogar ein Gerät im Kinderzimmer aufgestellt. Kinder und Jugendliche verbringen etwa ein Drittel ihrer Freizeit vor der "Kiste" - im Durchschnitt, das sind bis zu zwei Stunden täglich. Bei viel Sehern ist es oft das Doppelte. Der übermäßige Fernsehkonsum kann daher nicht ohne gravierende psychische und körperliche Folgen bleiben.

In der Freiburger Studie wurden nun erstmals die körperlich-emotionalen Auswirkungen von Fernsehkonsum bei 11-und 15 jährigen Schülern untersucht. Dazu trugen die Schüler über einen Zeitraum von 23 Stunden ein tragbares Datenerfassungsgerät mit sich. Über Messelektroden wurde bei ihnen in Schule und Freizeit die Veränderung der Herzfrequenz und Bewegungsaktivität gemessen. Mit diesen Biosignalen konnte die körperliche, emotionale und mentaler Beanspruchung errechnet werden. Zudem wurden die Schüler etwa alle 15 Minuten aufgefordert, ihr momentanes Befinden und Verhalten per Knopfdruck in das Gerät einzugeben.

Die Messungen zeigen überraschende Ergebnisse: Im Vergleich zur Schulzeit ist die Freizeit emotional stärker beanspruchend, wobei dem Fernsehen eine zentrale Rolle zukommt. Als wichtiges Ergebnis zeigt sich hier, dass die viel Seher den Fernsehinhalten gegenüber jedoch stärker "abstumpfen", als es bei den Wenigsehern der Fall ist. Im Gegensatz dazu haben die viel Seher in der Schule aber mehr "Stress" als die Wenig-Gucker- und schlechtere Noten: Besonders im Fach Deutsch sind die Leistungen schwächer. Als Erklärung bieten sich hier die mangelnde Kommunikation und das seltenere Lesen an.

viel Seher sind weniger oft unterwegs als Wenigseher. Sie führen seltener Gespräche und lernen seltener ein Musikinstrument. Auch die körperliche Belastung ist durch das viele Sitzen stark reduziert. Und auch für den Kontakt zu Freunden bleibt nur wenig Zeit.

Die Forscher um Professor Myrtek haben angesichts des Fernseh-Einflusses auf emotionale Reaktionen eine klare Botschaft: Eltern sollten den Fernsehkonsum ihrer Kinder rigoros kontrollieren und unter einer Stunde pro Tag halten.


Literaturhinweis:

... mehr zu:
»Fernsehkonsum

Michael Myrtek; Christian Scharff: Fernsehen, Schule und Verhalten: Untersuchungen zur emotionalen Beanspruchung von Schülern. Verlag Hans Huber, Bern 2000, 69 Mark.


Kontakt:
Prof. Dr. Michael Myrtek


Psychologisches Institut
der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Forschungsgruppe Psychophysiologie
Belfortstraße 20
79085 Freiburg
Tel:0761/203-3024
Fax:0761/203-3023

Leiter Kommunikation und Presse Rudolf-Werner Dreier | idw

Weitere Berichte zu: Fernsehkonsum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Auch ländliche Kreise wachsen
13.06.2019 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht Arbeiten von zu Hause aus oder von unterwegs: Jeder vierte Betrieb ermöglicht mobiles Arbeiten
11.06.2019 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Partielle Mondfinsternis am 16./17. Juli 2019

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Wie im letzten Jahr findet auch 2019 eine in den späten Abendstunden in einer lauen Sommernacht gut zu beobachtende Mondfinsternis statt, und zwar in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli. Die Finsternis ist zwar nur partiell - der Mond tritt also nicht vollständig in den Erdschatten ein - es ist aber für die nächsten Jahre die einzige gut sichtbare Mondfinsternis im deutschen Sprachraum.

Am Dienstagabend, den 16. Juli, wird ein kosmisches Schauspiel zu sehen sein: Der Vollmond taucht zu einem großen Teil in den Schatten der Erde ein, es findet...

Im Focus: Fraunhofer IDMT zeigt akustische Qualitätskontrolle auf der Fachmesse für Messtechnik »Sensor + Test 2019«

Das Ilmenauer Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT präsentiert vom 25. bis 27. Juni 2019 am Gemeinschaftsstand der Fraunhofer-Gesellschaft (Stand 5-248) seine neue Lösung zur berührungslosen, akustischen Qualitätskontrolle von Werkstücken und Bauteilen. Da die Prüfung zerstörungsfrei funktioniert, kann teurer Prüfschrott vermieden werden. Das Prüfverfahren wird derzeit gemeinsam mit verschiedenen Industriepartnern im praktischen Einsatz erfolgreich getestet und hat das Technology Readiness Level (TRL) 6 erreicht.

Maschinenausfälle, Fertigungsfehler und teuren Prüfschrott reduzieren

Im Focus: Fraunhofer IDMT demonstrates its method for acoustic quality inspection at »Sensor+Test 2019« in Nürnberg

From June 25th to 27th 2019, the Fraunhofer Institute for Digital Media Technology IDMT in Ilmenau (Germany) will be presenting a new solution for acoustic quality inspection allowing contact-free, non-destructive testing of manufactured parts and components. The method which has reached Technology Readiness Level 6 already, is currently being successfully tested in practical use together with a number of industrial partners.

Reducing machine downtime, manufacturing defects, and excessive scrap

Im Focus: Erfolgreiche Praxiserprobung: Bidirektionale Sensorik optimiert das Laserauftragschweißen

Die Qualität generativ gefertigter Bauteile steht und fällt nicht nur mit dem Fertigungsverfahren, sondern auch mit der Inline-Prozessregelung. Die Prozessregelung sorgt für einen sicheren Beschichtungsprozess, denn Abweichungen von der Soll-Geometrie werden sofort erkannt. Wie gut das mit einer bidirektionalen Sensorik bereits beim Laserauftragschweißen im Zusammenspiel mit einer kommerziellen Optik gelingt, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT auf der LASER World of PHOTONICS 2019 auf dem Messestand A2.431.

Das Fraunhofer ILT entwickelt optische Sensorik seit rund 10 Jahren gezielt für die Fertigungsmesstechnik. Dabei hat sich insbesondere die Sensorik mit der...

Im Focus: Successfully Tested in Praxis: Bidirectional Sensor Technology Optimizes Laser Material Deposition

The quality of additively manufactured components depends not only on the manufacturing process, but also on the inline process control. The process control ensures a reliable coating process because it detects deviations from the target geometry immediately. At LASER World of PHOTONICS 2019, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be demonstrating how well bi-directional sensor technology can already be used for Laser Material Deposition (LMD) in combination with commercial optics at booth A2.431.

Fraunhofer ILT has been developing optical sensor technology specifically for production measurement technology for around 10 years. In particular, its »bd-1«...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Meeresleuchten, Klimawandel, Küstenmeere Afrikas – Spannende Vielfalt bei „Warnemünder Abenden 2019“

24.06.2019 | Veranstaltungen

Plastik: Mehr Kreislauf gegen die Krise gefordert

21.06.2019 | Veranstaltungen

Rittal und Innovo Cloud sind auf Supercomputing-Konferenz in Frankfurt vertreten

18.06.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Molekulare Schere stabilisiert das Zell-Zytoskelett

24.06.2019 | Biowissenschaften Chemie

Neues „Intelligent Edge Data Center“ bringt Smart Industries auf nächstes Level

24.06.2019 | Unternehmensmeldung

Meeresleuchten, Klimawandel, Küstenmeere Afrikas – Spannende Vielfalt bei „Warnemünder Abenden 2019“

24.06.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics