Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gletscherschmelze lässt das Meer steigen

02.12.2008
Polrückgang und Wassererwärmung als weitere Faktoren

Das rasche Schmelzen der Gletscher trägt seit 2003 die Hauptverantwortung für den Anstieg des Meeresspiegels. Das berechneten Forscher am Forschungslabor für Geophysik und räumliche Ozeanografie in Toulouse aufgrund exakter Satelliten- und Bojenmessdaten.

Demnach hat das schmelzende Eis am Festland derzeit größere Auswirkungen als der Eisrückgang an den Polen und die zusätzliche Ausdehnung des Wassers aufgrund seiner Erwärmung. Diese Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Global and Planetary Change" veröffentlicht.

Der Meeresspiegel der Ozeane, der in den letzten Jahrtausenden um insgesamt nur etwa 20 Zentimeter geschwankt ist (pressetext berichtete: http://pressetext.de/pte.mc?pte=080416025 ), steigt seit dem 19. Jahrhundert mit zunehmender Geschwindigkeit. Ein Höhepunkt bildete dabei die Zeitspanne zwischen 1993 und 2003, in der ein jährlicher Anstieg um durchschnittlich drei Millimeter zu beobachten war. Eine Hälfte dieses Effekts ging in diesem Zeitraum auf die temperaturbedingte Volumserhöhung des Wassers zurück, die andere auf die Eisschmelze in den Polarregionen und auf den Gletschern.

Im Beobachtungszeitraum seit 2003 erfolgte eine Umkehrung der Situation. Zwar ging der jährliche Anstieg auf etwa 2,5 Millimeter leicht zurück, der durch Erwärmung der Ozeane verschuldete Anteil davon beträgt jedoch nur mehr etwa 0,4 Millimeter pro Jahr und scheint damit vorläufig einen Höhepunkt überschritten zu haben. Satellitenmessungen der Eisvolumen an den Polen zeigten, dass die schmelzenden Eisberge die Meere allein um bereits einen Millimeter jährlich steigen lassen. Noch überboten wird dieser Wert allerdings von der Gletscherschmelze verursachte Anstieg, der laut neuesten Berechnungen 1,1 Millimeter pro Jahr beträgt.

Geht man von einem Fortdauern des schnellen Schmelzens von Gletscher und Polen aus und steigt auch die wärmeverschuldete Ausdehnung der Meere wieder auf Werte wie in den 90er Jahren, wäre sogar ein jährlicher Anstieg von vier Millimetern möglich. Aktuelle Berechnungen des UN-Klimarats IPPC sehen den Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts um 18 bis 59 Zentimeter steigen, die Umweltstiftung WWF hält auch 120 Zentimeter für möglich. Beide Szenarien hätten auch für die Küsten Europas katastrophale Folgen.

"Den größten Rückgang von Gletschern gibt es in Europa in Skandinavien", verdeutlicht der Klimaforscher Wolfgang Schöner von der Wiener Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) im pressetext-Interview. Der Einfluss der Gletscher auf die Wassermenge der Flüsse sei im Alpenraum allgemein gering. "In besonders heißen und trockenen Sommern wie zuletzt 2003 kann ihr Beitrag jedoch bis zu siebzig Prozent des gesamten Abflusses betragen", so der Gletscherexperte. Relevanz für das Klima besäßen Gletscher in mehrerer Hinsicht. "Ihr Süßwasserbeitrag wirkt sich auf die Meeresströmungen aus. Außerdem haben sie einen kühlenden Effekt, da ihre Oberfläche nie über Null Grad beträgt", betont Schöner.

Für den Alpenraum prognostiziert Schöner bis 2050 das völlige Verschwinden kleinerer Gletscher oder ihre Reduzierung auf kleine Reste. Diese Entwicklung betreffe besonders die vergleichsweise niederen Lagen der Ostalpen. "In den Westalpen verzögert sich der Effekt etwas, da sich Gletscher teilweise in höhere Lagen zurückziehen können." Reflektierende Folienabdeckungen, die einige Pistenbetreiber für ihre Schigebiete anwenden, würden den betroffenen Gletschern zwar gewissen Schutz bieten. "Durchgeführt werden diese Maßnahmen jedoch nur an sehr wenigen Orten", so der Klimaexperte abschließend.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.legos.obs-mip.fr
http://www.zamg.ac.at
http://www.ipcc.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Biber verändern das Gesicht der Arktis
16.07.2018 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Drohnen zählen Tiere in Afrika
11.07.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics