Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäischer Satellit auf Wassermission – LMU-Team unterstützt Vermessung von Klimafaktoren

07.05.2010
Der Wassergehalt des Bodens ist nicht nur essenziell für das Pflanzenwachstum, sondern auch für den Austausch von Wasser und Energie mit der Atmosphäre.

Als Teil ihrer Serie der „Earth Explorer“-Satelliten startete die Europäische Weltraumagentur (ESA) im November 2009 den innovativen Umweltforschungssatelliten SMOS („Soil Moisture and Ocean Salinity“). Er liefert weltweit Informationen über die Bodenfeuchte der Landoberflächen und den Salzgehalt der Ozeane – die damit erstmals aus dem All gemessen werden.

Umfangreiche Geländekampagnen liefern ergänzende Daten, mit deren Hilfe das Messgerät an Bord des Satelliten kalibriert und validiert wird. Eine der größten europäischen Kampagnen wird von einem Forscherteam der Geographie der LMU in Zusammenarbeit mit der ESA und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) von Mitte Mai bis Mitte Juni in Süddeutschland durchgeführt. „Alle Ergebnisse sollen in ozeanographische, hydrologische und meteorologische Modelle eingespeist werden“, sagt Professor Wolfram Mauser, der Leiter des LMU-Teams. „Auf diesem Weg wollen wir Vorhersagen und globale Klimaprognosen verbessern.“

Der Wassergehalt des Bodens ist nicht nur essenziell für das Pflanzenwachstum, sondern auch für den Austausch von Wasser und Energie mit der Atmosphäre. Ist wenig Wasser im Boden, nimmt die Verdunstung ab, und die verfügbare solare Energie führt zu einer Erwärmung der bodennahen Luftschichten und einer deutlichen Temperaturzunahme. „Auch die Hitzewelle 2003 wurde durch sehr geringe Bodenfeuchte verstärkt“, berichtet der LMU-Geograph Professor Wolfram Mauser. „Der Wassergehalt regelt aber auch, wieviel Niederschlag in den Boden eindringen kann. Ist der Boden bereits gesättigt, kann es schneller zu Hochwasser und Überflutung kommen.“ Für eine bessere Vorhersage des Wetters und Klimas ist die Wissenschaft auf genauere Daten über den Wasseraustausch zwischen den Ozeanen, den Landflächen und der Atmosphäre angewiesen.

Diese Informationen soll nun der europäische Umweltforschungssatellit SMOS liefern. Dank einer neuen Technologie können die wichtigen Klimaparameter Bodenfeuchte und Salzgehalt der Ozeane erstmals weltweit aus dem All gemessen werden. Herzstück der Mission ist der Mikrowellensensor MIRAS, der die natürliche Ausstrahlung der Erde bei 1,4 Gigahertz misst. In mehreren Ländern laufen Projekte, um die Zuverlässigkeit und Genauigkeit der SMOS-Daten zu prüfen und ihre schnelle Anwendung zu ermöglichen. Hierzu werden Simulationen, Daten aus Messstationen und flugzeuggestützte Vergleichsdaten herangezogen. Eine der größten dieser sogenannten cal/val Kampagnen in Europa wird von Forschern der LMU in Süddeutschland durchgeführt. Dabei wird ein Team von etwa 20 Wissenschaftlern an mehreren Tagen in Ostbayern umfangreiche Geländemessungen durchführen. Die gewonnenen Daten können dann mit Satellitendaten, Flugzeugmessdaten und Simulationen verglichen werden, um die Genauigkeit des Satelliten zu analysieren.

Ergänzt werden die Messungen von einem Forschungsflugzeug der Technischen Universität Helsinki, das an acht Tagen zwischen Mitte Mai und Mitte Juni vom Flughafen Oberpfaffenhofen aus Messflüge in Bayern durchführen wird. Die Messgeräte arbeiten nach dem gleichen Prinzip wie das Messgerät auf dem Satelliten. Die Erwartungen der Wissenschaftler an die neuen Satellitendaten sind hoch, und die Aktivitäten und internationalen Beteiligungen im Zusammenhang mit der sogenannten „Wassermission“ entsprechend umfangreich. Schließlich versprechen die Messungen Einblicke in den globalen Wasserkreislauf, also den Wasseraustausch zwischen Erde, Ozean und Atmosphäre – und einen maßgeblichen Faktor des Wetters und Klimas. „Alle Daten sollen in ozeanographische, hydrologische und meteorologische Modelle eingespeist werden“, sagt Professor Wolfram Mauser. „Auf diesem Weg wollen wir Vorhersagen und globale Klimaprognosen verbessern.“ (suwe)

Die Untersuchungen der LMU-Wissenschaftler finden im Rahmen des Projektes SMOSHYD statt, das vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) gefördert wird.

Weitere Informationen:
LMU Geographie, Projekt SMOSHYD
www.geographie.uni-muenhen.de/department/fiona/forschung/projekte/index.php?projekt_id=103
Deutsches SMOS-Projektbüro
www.smos.zmaw.de/
ESA
www.esa.int/esaCP/SEMB4L4AD1G_Germany_0.html
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Wolfram Mauser
Tel.: 089 / 2180 - 6674
E-Mail: w.mauser@lmu.de

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.lmu.de
http://www.esa.int/esaCP/SEMB4L4AD1G_Germany_0.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Was unter dem Yellowstone-Vulkan passiert
17.10.2019 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

nachricht Eine Festung aus Eis und Schnee
04.10.2019 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

VR-/AR-Technologien aus der Nische holen

18.10.2019 | Veranstaltungen

Ein Marktplatz zur digitalen Transformation

18.10.2019 | Veranstaltungen

Wenn der Mensch auf Künstliche Intelligenz trifft

17.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Insekten teilen den gleichen Signalweg zur dreidimensionalen Entwicklung ihres Körpers

18.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Volle Wertschöpfungskette in der Mikrosystemtechnik – vom Chip bis zum Prototyp

18.10.2019 | Physik Astronomie

Innovative Datenanalyse von Fraunhofer Austria

18.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics