Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kometenstaub auf dem Weg nach Mainz

18.01.2006


Sauerstoff-Isotopenzusammensetzung in einem Gebiet von 9 x 9 Quadratmikrometern im Acfer 094-Meteoriten. Der Sternenstaub zeigt eine markante Erhöhung des sehr seltenen Isotops mit der Massenzahl 17. © Max-Planck-Institut für Chemie


Sauerstoff-Isotopenbild einer 100 Nanometer dicken Scheibe eines Meteoritenpartikels mit einem Durchmesser von etwa 25 Mikrometern, das aus einem Aerogelblock herausgelöst wurde. © Max-Planck-Institut für Chemie


Auch am Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie wurde die erfolgreiche Landung des "Stardust"-Staubkollektors mit Erleichterung und großer Begeisterung aufgenommen, wird doch die Forschungsgruppe von Dr. Peter Hoppe maßgeblich an den Untersuchungen der Proben vom Kometen "Wild 2" beteiligt sein. Ziel der Mainzer Forscher ist es, mithilfe ihrer Ionenmikrosonde Sternenstaub im Kometenmaterial zu identifizieren. Sternenstaub war ein wichtiger Bestandteil des solaren Nebels, aus dem unser Sonnensystem vor etwa 4,6 Milliarden Jahren entstanden ist.


Am 15. Januar war es endlich soweit: Nach fast siebenjähriger Reise, bei der die Raumsonde "Stardust" mehr als 4 Milliarden Kilometer durch unser Sonnensystem zurückgelegt hat, konnte die wertvolle Fracht über der Wüste im US-Bundesstaat Utah abgeworfen werden. Höhepunkt dieser Reise war das Rendezvous mit dem Kometen "Wild 2" im Januar 2004. Der Durchgang der Raumsonde durch den Schweif erfolgte in einem Abstand zum Kometen von etwa 240 Kilometern, wobei Tausende, wenn nicht Hunderttausende von Staubpartikeln eingefangen werden konnten. Neben dem Kometenmaterial sammelte "Stardust" im Verlaufe der langen Reise durch den weitestgehend leeren interplanetaren Raum auch interstellaren Staub. Aufgrund der sehr geringen Partikeldichte im interplanetaren Raum geht man aber davon aus, dass nur sehr wenige interstellare Teilchen mit einer Größe von mehr als einem Tausendstel Millimeter eingefangen werden konnten.

In einer ersten, etwa sechs Monate dauernden Phase wird ein internationales Expertenteam eine erste Charakterisierung des Kometenmaterials vornehmen. Das Expertenteam besteht aus sechs Arbeitsgruppen, die sich den Bereichen Mineralogie/Petrographie, chemische Zusammensetzung, optische Eigenschaften, Isotopen, organische Materie und Einschlagskratern widmen werden. Teil dieses Teams ist die Forschungsgruppe von Dr. Peter Hoppe aus der Abteilung Partikelchemie des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie. Wenn alles wie geplant läuft, so sollten die ersten Kometenproben Ende Januar auf die Reise nach Mainz gehen. Für Peter Hoppe, einen Schüler des Schweizer Astronomen Paul Wild, dem Entdecker des Kometen "Wild 2", bedeutet dies einen Höhepunkt in der Sternenstaubforschung, die er seit vielen Jahren betreibt. Bis jetzt war man bei den Untersuchungen von Sternenstaub auf Meteorite beschränkt, die diese Relikte ferner, verstorbener Sterne in sehr geringen Mengen enthalten. Kometen repräsentieren das ursprünglichste Material in unserem Sonnensystem. Entsprechend groß ist die Hoffnung, in den "Stardust"-Proben deutlich größere Mengen an Sternenstaub wie auch bis jetzt noch nicht identifizierte Sternenstaubminerale zu finden, um damit ein wesentlich detailliertes Bild von der Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems zu zeichnen.


Als Werkzeug für ihre Untersuchungen stehen den Mainzer Forschern ein hochauflösendes Elektronenmikroskop sowie eine NanoSIMS-Ionenmikrosonde zur Verfügung. Die NanoSIMS ist ein so genanntes Sekundärionenmassenspektrometer und repräsentiert die Schlüsseltechnologie zum Auffinden des häufig nur 100 Millionstel Millimeter großen Sternenstaubs, lässt sich dieser doch anhand spezifischer Isotopenhäufigkeitsanomalien aufspüren (Abb. 1). In den vergangenen Monaten haben die Max-Planck-Forscher in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der NASA und der Universität Kalifornien in Berkeley umfangreiche Testmessungen durchgeführt. Mit der NanoSIMS-Ionenmikrosonde untersuchten sie dabei Partikel des Allende-Meteoriten, die mit einer Geschwindigkeit von 6,1 km/s in Aluminumfolien und Aerogel - den beiden bei "Stardust" verwendeten Targets - geschossen wurden (Abb. 2). "Wir sind bereit", so Hoppe, "und hoffen, mit unserer NanoSIMS dem Sternenstaub weitere Geheimnisse zu entlocken."

Weitere Informationen erhalten sie von:

Dr. Peter Hoppe
Max-Planck-Institut für Chemie, Mainz
Tel.: 06131 305-244/231
E-Mail: hoppe@mpch-mainz.mpg.de

Dr. Wolfgang Huisl | idw
Weitere Informationen:
http://www.mpch-mainz.mpg.de/

Weitere Berichte zu: Komet Kometenmaterial Sonnensystem Sternenstaub

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Eisberge als Nährstoffquelle - Führt der Klimawandel zu mehr Eisendüngung im Ozean?
20.11.2019 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Erste Großschmetterlings-Raupe im Baltischen Bernstein entdeckt
20.11.2019 | Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neuartiges Antibiotikum gegen Problemkeime in Sicht

Internationales Forscherteam mit Beteiligung der Universität Gießen entdeckt neuen Wirkstoff gegen gramnegative Bakterien – Darobactin attackiert die Erreger an einem bislang unbekannten Wirkort

Immer mehr bakterielle Erreger von Infektionskrankheiten entwickeln Resistenzen gegen die marktüblichen Antibiotika. Typische Krankenhauskeime wie Escherichia...

Im Focus: Machine learning microscope adapts lighting to improve diagnosis

Prototype microscope teaches itself the best illumination settings for diagnosing malaria

Engineers at Duke University have developed a microscope that adapts its lighting angles, colors and patterns while teaching itself the optimal...

Im Focus: Kleine Teilchen, große Wirkung: Wie Nanoteilchen aus Graphen die Auflösung von Mikroskopen verbessern

Konventionelle Lichtmikroskope können Strukturen nicht mehr abbilden, wenn diese einen Abstand haben, der kleiner als etwa die Lichtwellenlänge ist. Mit „Super-resolution Microscopy“, entwickelt seit den 80er Jahren, kann man diese Einschränkung jedoch umgehen, indem fluoreszierende Materialien eingesetzt werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Polymerforschung haben nun entdeckt, dass aus Graphen bestehende Nano-Moleküle genutzt werden können, um diese Mikroskopie-Technik zu verbessern. Diese Nano-Moleküle bieten eine Reihe essentieller Vorteile gegenüber den bisher verwendeten Materialien, die die Mikroskopie-Technik noch vielfältiger einsetzbar machen.

Mikroskopie ist eine wichtige Untersuchungsmethode in der Physik, Biologie, Medizin und vielen anderen Wissenschaften. Sie hat jedoch einen Nachteil: Ihre...

Im Focus: Small particles, big effects: How graphene nanoparticles improve the resolution of microscopes

Conventional light microscopes cannot distinguish structures when they are separated by a distance smaller than, roughly, the wavelength of light. Superresolution microscopy, developed since the 1980s, lifts this limitation, using fluorescent moieties. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research have now discovered that graphene nano-molecules can be used to improve this microscopy technique. These graphene nano-molecules offer a number of substantial advantages over the materials previously used, making superresolution microscopy even more versatile.

Microscopy is an important investigation method, in physics, biology, medicine, and many other sciences. However, it has one disadvantage: its resolution is...

Im Focus: Mit künstlicher Intelligenz zum besseren Holzprodukt

Der Empa-Wissenschaftler Mark Schubert und sein Team nutzen die vielfältigen Möglichkeiten des maschinellen Lernens für holztechnische Anwendungen. Zusammen mit Swiss Wood Solutions entwickelt Schubert eine digitale Holzauswahl- und Verarbeitungsstrategie unter Verwendung künstlicher Intelligenz.

Holz ist ein Naturprodukt und ein Leichtbauwerkstoff mit exzellenten physikalischen Eigenschaften und daher ein ausgezeichnetes Konstruktionsmaterial – etwa...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage 2020: „Mach es einfach!“

18.11.2019 | Veranstaltungen

Humanoide Roboter in Aktion erleben

18.11.2019 | Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Sichere Datenübertragung mit Ultraschall am Handy: neue Methode zur Nahfeldkommunikation

21.11.2019 | Kommunikation Medien

Rasante Entstehung von Antibiotikaresistenzen im Behandlungsalltag

21.11.2019 | Medizin Gesundheit

Gesundheits-App als Fitness-Coach für Familien

21.11.2019 | Kommunikation Medien

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics