Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was Zahnärzte über HIV-Patienten wissen sollten...

22.09.2008
Zahnärzte-Stiftung Apollonia zeichnet Arzt der Universität Witten/Herdecke für Grundlagenforschung zur Behandlung von HIV-Patienten aus

Am Samstag, den 20. September 2008 wurde Dr. Rainer A. Jordan mit dem Förderpreis der Apollonia zu Münster, der Stiftung der Zahnärzte in Westfalen-Lippe, ausgezeichnet.

Der Oberarzt an der Zahnklinik der Universität Witten/Herdecke erhält den Nachwuchspreis für seine Grundlagenarbeit zur zahnärztlichen Behandlung von HIV-Patienten. "Durch die Vermittlung einer zeitgemäßen Übersicht zahnmedizinisch-relevanter Aspekte der chronischen HIV-Infektion leistet Kollege Jordan einen erheblichen Beitrag zur Optimierung der (zahn)ärztlichen Versorgung dieser Bevölkerungsgruppe", erläutert der Stiftungsvorsitzende und Präsident der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Walter Dieckhoff.

In mehreren wissenschaftlichen Veröffentlichungen hat der Oberarzt der Wittener Universitätszahnklinik seine Forschungen für den praktisch tätigen Zahnarzt zugänglich gemacht. Darin betont Jordan vor allem: "Den medikamentös gut eingestellten HIV-Patienten kann der niedergelassene Zahnarzt gut versorgen, überwiegend sogar wie jeden anderen Patienten; man muss allerdings die möglichen Wechselwirkungen mit den HIV-Medikamenten berücksichtigen." Denn die Immunschwäche wird seit Mitte der 90er Jahre mit einem Mix aus unterschiedlichen Medikamenten behandelt.

Diese sog. antiretroviralen Medikamente unterdrücken die ansonsten tödlich verlaufende Infektion. "Für den Zahnarzt ist wichtig, dass diese Medikamente bei HIV-Patienten auch die typischen, in der Regel hochakuten Veränderungen in der Mundhöhle beeinflussen und in eher chronische Verlaufsformen verwandeln. Erkrankungen des Zahnhalteapparates, überhaupt Probleme mit dem Zahnfleisch können häufig wie bei nicht-infizierten Patienten behandelt werden. Aber der Zahnarzt kann am Zahnfleisch seiner HIV-Patienten erkennen, wenn die Medikamente beginnen zu versagen, wann sich eine Resistenz anbahnt. Spätestens dann ist es Zeit, beratenden Kontakt zum HIV-Spezialisten aufzunehmen", erklärt Jordan die Ergebnisse seiner Forschung.

Außerdem gibt es immer noch Menschen, die von ihrer Infektion nichts wissen. Wenn der Zahnarzt die HIV-typischen Veränderungen feststellt, sollte er behutsam das Gespräch mit dem Patienten suchen. "Dies ist eine sensible Situation im Arzt-Patienten-Verhältnis, und der Zahnarzt muss mit dem Patienten weitere Untersuchungen durch einen HIV-Spezialisten beraten", nimmt Jordan die Zahnärzte in die Pflicht.

Die auf den Patienten abgestimmte Kombinationstherapie aus mehreren HIV-Medikamenten erzeugt aber auch unerwünschte Arzneimittelwirkungen in der Mundhöhle und schlecht vorhersagbare Wechselwirkungen mit den Medikamenten, die ein Zahnarzt verwendet. Die Auswirkungen auf die Mundhöhle umfassen Geschmacksveränderungen, Taubheitsgefühl und Schleimhautwucherungen. Bei Angst-Patienten werden Beruhigungsmittel verwendet, die in der Wechselwirkung lebensgefährlich sein können. Pilz- oder andere Infektionen werden häufig mit Medikamenten behandelt, die die Wirkung der HIV-Medikamente verändern können.

Auch starke Unverträglichkeitsreaktionen können vorkommen. Schließlich kommen in der Zahnmedizin kortisonhaltige Medikamente zum Einsatz: Die können bei HIV-Patienten die typischen allgemeinen Symptome einer Kortisonbehandlung auslösen, die als Cushing-Syndrom bekannt sind. "Das sind Besonderheiten in der Betreuung von HIV-positiven Patienten, die der Zahnarzt bei der Behandlung einplanen sollte. Eine gute Abstimmung mit dem behandelnden Arzt ist ohnehin eine Voraussetzung, um den Therapieerfolg zu sichern", macht Jordan den Niedergelassenen Mut.

Weitere Informationen bei
Dr. Rainer A. Jordan,
02302/92-6626, andreas.jordan@uni-wh.de
Die drei Fachveröffentlichungen sind hier erschienen:
Jordan RA, Raetzke P, Gängler P
Prävalenz oraler Manifestationen bei HIV-seropositiven Patienten unter dem Einfluss der hochaktiven antiretroviralen Therapie

Dtsch Zahnärztl Z 2007; 62: 376-385

Jordan RA, Gängler P, Jöhren HP
Parodontalbehandlung bei HIV-seropositiven Patienten unter dem Einfluss der antiretroviralen Therapie

Parodontologie 2007; 18: 365-374

Jordan RA
Implikationen der antiretroviralen Therapie in der Oralmedizin - Eine Literaturübersicht

Schweiz Monatsschr Zahnmed 2007; 20: 1210-1222

Bernd Frye | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de
http://www.zahnheilkunde.de/beitragpdf/pdf_4980.pdf
http://www.uni-wh.de/presse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Schönheit der organischen Form in 3D
12.07.2018 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

nachricht Infektionen und Krebs: Welche Rolle spielen spezielle weiße Blutkörperchen?
06.07.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics