Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Toxikologie im Wandel – Fraunhofer ITEM beteiligt sich an europäischem Forschungsprojekt EU-ToxRisk

13.01.2016

Das groß angelegte EU-Projekt »EU-ToxRisk« soll für den Paradigmenwechsel in der Toxikologie – hin zu einer effizienteren und tierversuchsfreien Sicherheitsbewertung von Chemikalien – neue Grundlagen erarbeiten. An dem mit 30 Millionen Euro geförderten Projekt sind insgesamt 39 Partner aus Wissenschaft, Industrie und europäischen Regulierungsbehörden beteiligt. Das Fraunhofer-Institut für Toxikologie und experimentelle Medizin ITEM bringt seine Expertise mit Fokus auf die Inhalationstoxikologie ein. EU-ToxRisk beginnt mit einer Auftaktveranstaltung Mitte Januar 2016 in Egmont aan Zee in den Niederlanden und ist auf sechs Jahre angelegt.

Die Europäische Kommission fördert das Großforschungsprojekt »EU-ToxRisk« im Rahmen ihres Forschungsprogramms »Horizon 2020«. Ziel ist es, dass die Erkenntnisse aus dem Projekt in die zukünftige Sicherheitsbewertung von Chemikalien und in die Risikobewertung einfließen und dass neue Bewertungskonzepte etabliert werden – nicht nur in Europa, sondern weltweit.


Mit dem Fraunhofer-Expositionssystem P.R.I.T. ®-ExpoCube® werden luftgetragene Substanzen an Zellen oder intakten Geweben des Respirationstrakts direkt an der der Luft-Flüssigkeitsgrenze untersucht.

Foto: R. Meier / Fraunhofer ITEM

Zu diesen neuen Konzepten zählen hochmoderne, human-relevante, tierversuchsfreie In-vitro-Methoden ebenso wie In-silico-Technologien mit computergestützten Modellen. Damit soll das molekular-mechanistische toxikologische Verständnis in die Strategien zur Sicherheitsbewertung von Chemikalien übertragen werden.

»In der Toxikologie gehen wir neue Wege in Richtung einer Mechanismus-basierten toxikologischen Bewertung. Bei diesem Paradigmenwechsel spielen In-vitro-Methoden, insbesondere solche, die humanrelevant sind, und In-silico-Methoden eine entscheidende Rolle. Heutzutage sind In-silico-Ansätze nicht mehr darauf beschränkt, die Toxizität eines Stoffes nur ausgehend von seiner Struktur abzuleiten, vielmehr umfassen sie auch Toxizitäts- und Effektprofile«, sagt Dr. Annette Bitsch, Leiterin des Bereichs Chemikalienbewertung am Fraunhofer ITEM in Hannover. Sie wird sich mit ihren Wissenschaftlern insbesondere mit ihrem Know-how auf dem Gebiet der Inhalationstoxikologie in das EU-Projekt einbringen, dem Spezialgebiet der Fraunhofer-Forscher.

Die Wissenschaftler werden hier ihre Erfahrungen mit alternativen Methoden zur Bestimmung der inhalativen Toxizität einbringen. Beispielsweise können sie mit dem am Fraunhofer ITEM entwickelten Expositionssystem P.R.I.T. ®-ExpoCube® luftgetragene Substanzen untersuchen, indem sie Zellen oder intakte Gewebe des Respirationstrakts direkt an der der Luft-Flüssigkeitsgrenze exponieren. Als In-vitro- bzw. Ex-vivo-Modelle bieten sich Kulturen aus Zellen des Atemtraktes oder vitales Lungengewebe humanen oder tierischen Ursprungs an, insbesondere vitale Präzisionslungenschnitte (PCLS).

Das Fraunhofer ITEM kann mit seinem großen Erfahrungsschatz, gewonnen durch die Entwicklung und Nutzung von toxikologischen Datenbanken, sowie durch die Verwendung von »Read-Across«-Verfahren im regulatorischen Bereich einen wichtigen Beitrag zum EU-ToxRisk-Projekt leisten, insbesondere mit der Entwicklung von In-silico-Verfahren.

EU-ToxRisk wird von Bob van de Water, Professor für Toxikologie an der Universität Leiden (Niederlande), koordiniert und soll Europas Flaggschiff für die tierversuchsfreie Sicherheitsbewertung von Chemikalien werden. Es verknüpft neueste Erkenntnisse aus der Zellbiologie, den sogenannten »Omik-Technologien«, der Systembiologie und der Bioinformatik, um die komplexe Ereigniskette zu analysieren, die von der Exposition gegenüber einer Chemikalie bis zum Eintreten eines toxischen Effekts abläuft. Der Forschungsverbund will den Machbarkeitsnachweis für eine neue Strategie zur Sicherheitsbewertung von Chemikalien auf der Grundlage ihres Wirkmechanismus‘ erbringen.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf systemischer Toxizität nach wiederholter Exposition sowie auf der Entwicklungs- und Reproduktionstoxizität. Ein wichtiger Punkt ist, dass die neuen »mechanistischen« Testverfahren in geeignete Testbatterien integriert werden sollen, die den gesetzlichen Richtlinien entsprechen und auf eine industrielle Umsetzung ausgerichtet sind.

Im Rahmen von EU-ToxRisk werden neue Verfahren zur quantitativen Risikobewertung entwickelt, die auf dem Konzept der sogenannten »Adverse Outcome Pathways« (AOP) basieren und alle öffentlich verfügbaren mechanistischen Toxizitätsdaten einbeziehen. Darüber hinaus wird das Projekt eine rasche Verbesserung der sogenannten »Read-Across«-Verfahren ermöglichen, um Datenlücken mit alternativen Methoden zu schließen.

Kontakt
Fraunhofer ITEM
Dr. Annette Bitsch; +49 511 5350-302
annette.bitsch@item.fraunhofer.de

Pressekontakt
Fraunhofer ITEM
Dr. Cathrin Nastevska; +49 511 5350-225
cathrin.nastevska@item.fraunhofer.de

Weitere Informationen:

Sie finden den Text der Pressemitteilung auf unserer Homepage unter
http://www.item.fraunhofer.de/de/presse-medien/latest-news/pm-toxikologie-im-wan...

Presse Institute Kommunikation | Fraunhofer-Gesellschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Preisgekröntes Projektmanagement
09.04.2020 | time4you GmbH

nachricht Der bundesweite Bewerbungsprozess für den Corporate Health Award 2020 startet ab sofort
02.04.2020 | Corporate Health Initiative

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Breites Spektrum: Neuartiges Hybridmaterial erweist sich als effizienter Fotodetektor

Digitalkameras, aber auch viele andere elektronische Anwendungen benötigen lichtempfindliche Sensoren. Um den steigenden Bedarf an solchen optoelektronischen Bauteilen zu decken, sucht die Industrie nach neuen Halbleitermaterialien. Diese sollten nicht nur einen möglichst breiten Wellenlängenbereich erfassen, sondern auch preisgünstig sein. Ein in Dresden entwickeltes Hybridmaterial erfüllt beide Anforderungen. Himani Arora, Physik-Doktorandin am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR), wies nach, dass sich eine metallorganische Verbindung als Breitband-Fotodetektor verwenden lässt. Da es keine teuren Rohstoffe enthält, kann es in großen Mengen preisgünstig produziert werden.

Metallorganische Gerüste (Metal-Organic Frameworks, MOFs) haben sich in den vergangenen zwanzig Jahren zu einem gefragten Materialsystem entwickelt. Die...

Im Focus: Broad spectrum: Novel hybrid material proves an efficient photodetector

Digital cameras as well as many other electronic devices need light-sensitive sensors. In order to cater for the increasing demand for optoelectronic components of this kind, industry is searching for new semiconductor materials. They are not only supposed to cover a broad range of wavelengths but should also be inexpensive.

A hybrid material, developed in Dresden, fulfils both these requirements. Himani Arora, a physics PhD student at Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR),...

Im Focus: Langlebigere Satelliten, weniger Weltraumschrott

Forschende der Universität Stuttgart nehmen innovatives induktives Plasmatriebwerk auf Helicon-Basis in Betrieb

Erdbeobachtungssatelliten für niedrige Flughöhen, kleiner, leichter und billiger als herkömmliche Modelle: Das sind die Ziele des EU- Projekts „DISCOVERER“, an...

Im Focus: X-ray vision through the water window

The development of the first high-repetition-rate laser source that produces coherent soft x-rays spanning the entire 'water window' heralds the beginning of a new generation of attosecond technology

The ability to generate light pulses of sub-femtosecond duration, first demonstrated some 20 years ago, has given rise to an entirely new field: attosecond...

Im Focus: Innovative Technologien für Satelliten

Er kommt ohne Verkabelung aus und seine tragende Struktur ist gleichzeitig ein Akku: An einem derart raffiniert gebauten Kleinsatelliten arbeiten Forschungsteams aus Braunschweig und Würzburg. Für 2023 ist das Testen des Kleinsatelliten im Orbit geplant.

Manche Satelliten sind nur wenig größer als eine Milchtüte. Dieser Bautypus soll jetzt eine weiter vereinfachte Architektur bekommen und dadurch noch leichter...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium AWK’21 findet am 10. und 11. Juni 2021 statt

06.04.2020 | Veranstaltungen

Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren

03.04.2020 | Veranstaltungen

13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!

02.04.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Preisgekröntes Projektmanagement

09.04.2020 | Förderungen Preise

Breites Spektrum: Neuartiges Hybridmaterial erweist sich als effizienter Fotodetektor

09.04.2020 | Materialwissenschaften

Bayreuther Genetiker entdecken Regulationsmechanismus der Chromosomen-Vererbung

09.04.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics