Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spitzenforschung gegen die wachsende Antibiotika- Resistenz von Bakterien

13.10.2015

Eine Forschungsgruppe um Prof. Dr. Paul Rösch an der Universität Bayreuth wird in den nächsten Jahren die Mechanismen untersuchen, mit denen sich Bakterien vor antibiotischen Wirkstoffen schützen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt mit mehr als 500.000 Euro.

„Die Antibiotika gehen uns aus!“ – schon seit geraumer Zeit warnen Ärzte und Wissenschaftler vor dieser Entwicklung. Immer häufiger kommt es in Krankenhäusern zu Infektionen, weil die Möglichkeiten zur Bekämpfung von Mikroben nicht ausreichen.

Weltweit wächst die Zahl der Patienten, die Bakterien schutzlos ausgeliefert sind, weil es keine Behandlungsmöglichkeiten mit wirksamen Antibiotika gibt. Ein Grund hierfür ist der häufige Gebrauch dieser Mittel. Er führt dazu, dass Bakterien sich an diese Substanzen gewöhnen und deren antibiotische Wirkung abschwächen oder vermeiden können.

Indem Bakterien ihre zelluläre Zusammensetzung und ihre Lebenszyklen ändern, gelingt es ihnen, selbst hohe Dosierungen antibiotischer Wirkstoffe zu überleben. Das Ergebnis sind multiresistente Bakterienstämme, gegen die bisherige Antibiotika wirkungslos sind.

„Das Übel an der Wurzel packen“

An dieser Stelle setzt ein neues Projekt an, das eine Forschungsgruppe um Prof. Dr. Paul Rösch an der Universität Bayreuth in den nächsten Jahren bearbeiten wird. Es will bisher unbekannte Mechanismen, mit denen Bakterien ihr Überleben sichern, aufdecken und auf molekularer Ebene analysieren.

Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse werden sich neuartige Ansätze entwickeln lassen, um die zunehmende Antibiotika-Resistenz von Bakterien nachhaltig zu bekämpfen. Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses steht die bakterielle RNA-Polymerase. Dieses Enzym ist entscheidend für die Bildung von Proteinen in den Bakterien auf der Grundlage der Erbinformationen.

„Unser Forschungsvorhaben zielt also nicht darauf ab, angesichts der wachsenden Widerstandsfähigkeit von Bakterien immer neue Antibiotika mit den immer gleichen Angriffspunkten zu finden. Die Tatsache, dass die Einführung des letzten neuen antibiotischen Wirkstoffes bereits 30 Jahre zurückliegt, zeigt, dass ein solcher Ansatz wohl wenig erfolgversprechend wäre“, erklärt Prof. Rösch.

„Stattdessen wollen wir jetzt das Übel an der Wurzel packen. Es geht uns darum, bisher unbekannten molekularen Mechanismen in Bakterien und damit neuen Zielen für Antibiotika auf die Spur zu kommen. In Bayreuth haben wir dafür hervorragende technische Voraussetzungen." Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt mit insgesamt über 500.000 Euro.

International vielbeachtete Forschungserfolge

Die Forschungsgruppe um Prof. Rösch am Lehrstuhl für Biopolymere befasst sich schon seit vielen Jahren intensiv mit Strukturen und Wechselwirkungen von Proteinen, die für das Überleben von Bakterien von zentraler Bedeutung sind. Mit modernsten spektroskopischen Geräten und Verfahren sind die Bayreuther Wissenschaftler dabei zu Erkenntnissen vorgedrungen, die in der internationalen Fachwelt großes Echo ausgelöst haben.

So ist es ihnen beispielsweise gelungen, Mechanismen der bakteriellen Vermehrung zu entdecken und Strukturen der daran beteiligten Proteine aufzuklären. Um die Wechselwirkungen zwischen den Komponenten bakterieller Zellen besser untersuchen zu können, wurden Methoden entwickelt, die neue und präzisere Einblicke in diese Prozesse ermöglicht haben.

Spitzentechnologie auf dem Bayreuther Campus

„Alle diese Forschungserfolge wären nicht möglich gewesen ohne den intensiven Einsatz der NMR, also der magnetischen Kernresonanzspektroskopie. Zurzeit installieren wir auf dem Bayreuther Campus, im Forschungszentrum für Bio-Makromoleküle, das weltweit erste 1000-Megahertz-Spektrometer mit abgeschirmtem Magneten. Hierdurch werden störende Außeneinflüsse auf die Messergebnisse wesentlich verringert. Die neue Spitzentechnologie wird die geplanten Forschungsarbeiten zur Resistenz von Bakterien wesentlich unterstützen“, so Prof. Rösch.

Transatlantische Zusammenarbeit

Viele der bisherigen Bayreuther Forschungsarbeiten wurden in Kooperation mit US-amerikanischen Universitäten durchgeführt, unter anderem der Ohio State University in Columbus und der University of Wisconsin in Michigan. Die Columbia University in New York, eine der weltweit führenden Universitäten auf dem Gebiet der Antibiotika-Forschung, unterstützt das Forschungsprogramm der Bayreuther Arbeitsgruppe mit erheblichen Personal- und Sachmitteln. Insbesondere hat sie Prof. Rösch für das Sommersemester 2016 zu einem Forschungsaufenthalt eingeladen, den sie aus eigenen Mitteln finanziert. Sein Mitarbeiter Dr. Stefan Knauer, der an der Koordination des neuen DFG-Projekts wesentlich beteiligt ist, wurde von der Federation of the American Societies for Experimental Biochemistry schon jetzt gebeten, auf ihrem Kongress im Jahr 2017 einen Plenarvortrag zu halten.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Paul Rösch
Lehrstuhl für Biopolymere
Direktor des Forschungszentrums für Bio-Makromoleküle (BIOmac)
Universität Bayreuth
95440 Bayreuth
Tel. +49 (0)921 55-3540
E-Mail: roesch@unibt.de

DFG-Forschungsprojekt:

„Die Regulation bakterieller RNA Polymerase durch Transkriptionsfaktoren“,
Az Ro617/21-1, Laufzeit 2015 – 2018.

Christian Wißler | Universität Bayreuth
Weitere Informationen:
http://www.uni-bayreuth.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Innovativ durch Forschung
22.07.2020 | time4you GmbH

nachricht Sicherheitsspezialist dormakaba mit dem Goldenen PROTECTOR Award ausgezeichnet
21.07.2020 | dormakaba Deutschland GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Perseiden: Die Sternschnuppen-Sommernächte im August

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und des Hauses der Astronomie in Heidelberg -In diesem Jahr wird der Sternschnuppenstrom der Perseiden am Vormittag des 12. August seinen Höhepunkt erreichen. In den Nächten vom 11. auf den 12. und vom 12. auf den 13. August geht der Mond nach Mitternacht auf, so dass die späten Abendstunden nicht vom Mondlicht aufgehellt werden - ideal um nach den Perseiden Ausschau zu halten. Man blickt dazu in Richtung Osten, wo das Sternbild Perseus aufgeht, nach dem diese Sternschnuppen benannt wurden.

Der Hochsommer ist die Zeit der Sternschnuppen: Schon ab Mitte bis Ende Juli tauchen die ersten Sternschnuppen der Perseiden am Himmel auf, die aus dem dem...

Im Focus: Mit dem Lego-Prinzip gegen das Virus

HZDR-Wissenschaftler*innen erhalten millionenschwere Förderung für Corona-Forschung

Um die Corona-Pandemie zu bewältigen, stattet der Freistaat Sachsen ein Forschungsteam um Prof. Michael Bachmann vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf...

Im Focus: Im Einsatz für eine Welt ohne Narben

Hinter jeder Narbe steht eine Geschichte. Manchmal ist diese mit einer dramatischen Erfahrung verbunden: schwere Verletzungen, Operationen oder chronische Erkrankungen. Wenn es nach Dr. Yuval Rinkevich ginge, würden wir anstelle von Narben vielmehr über Regeneration sprechen, also der spurenlosen Wundheilung. Damit dies eines Tages Wirklichkeit wird, untersucht Rinkevich mit seinem Team am Helmholtz Zentrum München jeden einzelnen Aspekt der Wundheilung von Säugetieren, beginnend beim Embryo bis hin zum hohen Erwachsenenalter. Yuval Rinkevich erklärt, wie er sich eine Welt ohne Narben vorstellt.

Narben gehören zum natürlichen Wundheilunsgprozess des Körpers nach einer Verletzung. Warum wollen wir sie vermeiden?

Im Focus: TU Graz Forschende modellieren Nanopartikel nach Maß

Sogenannte Core-Shell-Cluster ebnen den Weg für neue effiziente Nanomaterialien, die Katalysatoren, Magnet- und Lasersensoren oder Messgeräte zum Aufspüren von elektromagnetischer Strahlung effizienter machen.

Ob bei innovativen Baustoffen, leistungsfähigeren Computerchips, bei Medikamenten oder im Bereich erneuerbarer Energien: Nanopartikel als kleinste Bausteine...

Im Focus: TU Graz Researchers synthesize nanoparticles tailored for special applications

“Core-shell” clusters pave the way for new efficient nanomaterials that make catalysts, magnetic and laser sensors or measuring devices for detecting electromagnetic radiation more efficient.

Whether in innovative high-tech materials, more powerful computer chips, pharmaceuticals or in the field of renewable energies, nanoparticles – smallest...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

T-Shirts aus Holz, Möbel aus Popcorn – wie nachwachsende Rohstoffe fossile Ressourcen ersetzen können

30.07.2020 | Veranstaltungen

Städte als zukünftige Orte der Nahrungsmittelproduktion?

29.07.2020 | Veranstaltungen

»Conference on Laser Polishing – LaP 2020«: Der letzte Schliff für Oberflächen

23.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Gewissheit in nur 15 Minuten – Forschende entwickeln graphen-oxidbasierten Schnelltest zur Infektionserkennung

03.08.2020 | Medizintechnik

Kollektives Verhalten in Netzwerken besser verstehen

03.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Sensoren für die Früherkennung von Krankheitssymptomen im europäischen Obstanbau

03.08.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics