Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Materialforschung an der Grenze des Vorstellbaren

13.06.2012
Der diesjährige Max-Rössler-Preis geht an Nicola Spaldin, Professorin für Materialtheorie am Departement für Materialwissenschaft der ETH Zürich. Der mit 200‘000 Schweizer Franken dotierte Förderpreis zeichnet die Wissenschaftlerin für ihre interdisziplinäre und zukunftsweisende Forschung und Lehre aus.

Fundamentale Theorien in der Physik streben danach, eine der faszinierendsten Fragen der Grundlagenforschung zu beantworten: Wie funktioniert unser Universum?

Theorien werden bestätigt oder verworfen, indem die vorhergesagten Eigenschaften von Elementarteilchen, wie etwa der Elektronen, gemessen werden. Hierfür braucht es Teilchenbeschleuniger wie den Large Hadron Collider (LHC) am Cern – oder Materialwissenschaftlerinnen wie Nicola Spaldin. Mit Hilfe von Supercomputern sucht die 43-jährige ETH-Forscherin mit ihrem Team nach neuen magnetoelektrischen Materialien. Die Wissenschaftlerin hat ein Material ausgedacht, das es möglich machen soll, bestimmte fundamentale Eigenschaften des Elektrons zu messen.

Materialforschung ist ein Forschungsschwerpunkt an der ETH Zürich. Die Wahl zur Max-Rössler-Preisträgerin fiel deshalb nicht zufällig auf Spaldin. «Der Max-Rössler-Preis ist für die ETH Zürich ein visionäres und langfristiges Förderinstrument, um talentierten jungen Forschenden freies und kreatives Arbeiten zu ermöglichen», erklärt Professor Roland Siegwart, Vize-Präsident für Forschung und Wirtschaftsbeziehungen der ETH Zürich.

Kleinere und energieeffizientere Magnete
Der innovativen Forscherin, deren Team an der ETH Zürich Teil der Plattform Advanced Scientific Computing (PASC) ist, soll mit dem Preis ein zusätzlicher Schub in ihrer Forschung zuteilwerden. Neben Hochleistungsrechnern sind für Spaldin und ihr 15-köpfiges Team intensive Diskussionen wissenschaftlicher Probleme und Fragestellungen in einem interdisziplinären Umfeld essentiell. Daraus formulieren sie Anforderungen in Form von Gleichungen und Algorithmen, aus denen ein Supercomputer bis anhin unbekannte Materialien mit neuen Eigenschaften oder Funktionalitäten modelliert. Materialien, die beispielsweise starken Magnetismus und gutes elektrisches Verhalten in sich vereinen; Funktionalitäten, die in einem Material bis anhin nicht gemeinsam vorgekommen sind. Werden im Material zum Beispiel elektrische und magnetische Eigenschaften kombiniert, könnten zukünftige Bauteile mit Magneten kleiner und zudem energieeffizienter gebaut werden.

Mit dem mit 200'000 Schweizer Franken dotierten Max-Rössler-Preis möchte die Wissenschaftlerin neue Forschungsideen rasch umsetzen und den wissenschaftlichen Austausch noch stärker fördern: «Ich möchte das Preisgeld unter anderem für die Organisation von Treffen zu einem bestimmten Thema verwenden. Ein solcher Austausch in kleinem Rahmen zwischen meiner Arbeitsgruppe und auswärtigen Forschern könnte bestimmte Bereiche schneller voranbringen.» Genau das liegt dem promovierten ETH-Mathematiker Max Rössler mit seiner Donation an die ETH Zürich Foundation am Herzen: «Ich will mein Geld dort anlegen, wo etwas Neues geschaffen wird. Mein Ziel ist damit die Forschung voranzubringen und Wissen zu vermehren.»

Faszination Elektronen
Am meisten faszinieren Spaldin in ihrer Forschung Elektronen. «Für mich ist die spannendste Frage, warum Elektronen, wenn sie in grosser Anzahl in einem Material aufeinandertreffen, sich derart exotisch verhalten, dass sie beispielsweise Supraleitung ermöglichen.» Bis anhin arbeitete die Wissenschaftlerin mit Experimental-Wissenschaftlern zusammen, welche die mit Supercomputern entworfenen Materialien herstellten und testeten. Um den experimentellen Teil in Zukunft selbst durchführen zu können, baut die kreative Forscherin an der ETH Zürich nun ihr eigenes Labor auf.

Nachdem Spaldin bereits vor ihrem 2011 erfolgten Ruf an die ETH Zürich etliche Auszeichnungen erhielt, wurde ihr Anfang Jahr für ihre zukunftsträchtige Forschung eine Forschungsbeihilfe des European Research Council zugesprochen. Der Max-Rössler-Preis bereichert nun die lange Liste an Auszeichnungen. Die Wissenschaftlerin empfindet es als eine ganz besondere Ehre, von ihrer eigenen Institution ausgezeichnet zu werden.

Thanksgiving — Ein Dankeschön an die Donatoren
Der Max-Rössler-Preis wird am "Thanksgiving"-Anlass an der ETH Zürich vor 130 Gästen zum vierten Mal verliehen. Der Name des Anlasses ist Programm: Die ETH Zürich und die ETH Zürich Foundation laden jeweils Förderinnen und Förderer ein und danken ihnen für ihr Engagement. Der Preis wird jährlich ausgerichtet und ist der höchstdotierte Preis für Forschung an der ETH Zürich.
Über die ETH Zürich Foundation können Unternehmen, Privatpersonen und Stiftungen gezielt die Lehre und Forschung an der ETH Zürich fördern.
Mehr unter: www.ethz-foundation.ch.

Nach Ablauf der Sperrfrist wird auf dem ETH-Youtubekanal ein Porträt der neuen Rössler-Preisträgerin aufgeschaltet unter: http://www.youtube.com/user/ethzurich

Weitere Informationen:
ETH Zürich
Roman Klingler
Medienstelle
Telefon: +41 44 632 41 41
mediarelations@hk.ethz.ch

Claudia Naegeli | idw
Weitere Informationen:
http://www.ethz.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Wie aus Erfindungen Innovationen werden: HZDR-Innovationsfonds fördert erfolgreich Technologietransferprojekte
09.07.2020 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

nachricht Einstieg in die Nanowelt
22.06.2020 | Hochschule Aalen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektrische Spannung aus Elektronenspin – Batterie der Zukunft?

Forschern der Technischen Universität Ilmenau ist es gelungen, sich den Eigendrehimpuls von Elektronen – den sogenannten Elektronenspin, kurz: Spin – zunutze zu machen, um elektrische Spannung zu erzeugen. Noch sind die gemessenen Spannungen winzig klein, doch hoffen die Wissenschaftler, auf der Basis ihrer Arbeiten hochleistungsfähige Batterien der Zukunft möglich zu machen. Die Forschungsarbeiten des Teams um Prof. Christian Cierpka und Prof. Jörg Schumacher vom Institut für Thermo- und Fluiddynamik wurden soeben im renommierten Journal Physical Review Applied veröffentlicht.

Laptop- und Handyspeicher der neuesten Generation nutzen Erkenntnisse eines der jüngsten Forschungsgebiete der Nanoelektronik: der Spintronik. Die heutige...

Im Focus: Neue Erkenntnisse über Flüssigkeiten, die ohne Widerstand fließen

Verlustfreie Stromleitung bei Raumtemperatur? Ein Material, das diese Eigenschaft aufweist, also bei Raumtemperatur supraleitend ist, könnte die Energieversorgung revolutionieren. Wissenschaftlern vom Exzellenzcluster „CUI: Advanced Imaging of Matter“ an der Universität Hamburg ist es nun erstmals gelungen, starke Hinweise auf Suprafluidität in einer zweidimensionalen Gaswolke zu beobachten. Sie berichten im renommierten Magazin „Science“ über ihre Experimente, in denen zentrale Aspekte der Supraleitung in einem Modellsystem untersucht werden können.

Es gibt Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten. So kann z. B. Wasser nicht durch die Glaswand von einem Glas in ein anderes fließen. Erstaunlicherweise...

Im Focus: The spin state story: Observation of the quantum spin liquid state in novel material

New insight into the spin behavior in an exotic state of matter puts us closer to next-generation spintronic devices

Aside from the deep understanding of the natural world that quantum physics theory offers, scientists worldwide are working tirelessly to bring forth a...

Im Focus: Im Takt der Atome: Göttinger Physiker nutzen Schwingungen von Atomen zur Kontrolle eines Phasenübergangs

Chemische Reaktionen mit kurzen Lichtblitzen filmen und steuern – dieses Ziel liegt dem Forschungsfeld der „Femtochemie“ zugrunde. Mit Hilfe mehrerer aufeinanderfolgender Laserpulse sollen dabei atomare Bindungen punktgenau angeregt und nach Wunsch aufgespalten werden. Bisher konnte dies für ausgewählte Moleküle realisiert werden. Forschern der Universität Göttingen und des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen ist es nun gelungen, dieses Prinzip auf einen Festkörper zu übertragen und dessen Kristallstruktur an der Oberfläche zu kontrollieren. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature erschienen.

Das Team um Jan Gerrit Horstmann und Prof. Dr. Claus Ropers bedampfte hierfür einen Silizium-Kristall mit einer hauchdünnen Lage Indium und kühlte den Kristall...

Im Focus: Neue Methode führt zehnmal schneller zum Corona-Testergebnis

Forschende der Universität Bielefeld stellen beschleunigtes Verfahren vor

Einen Test auf SARS-CoV-2 durchzuführen und auszuwerten dauert aktuell mehr als zwei Stunden – und so kann ein Labor pro Tag nur eine sehr begrenzte Zahl von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

08.07.2020 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erster Test für neues Roboter-Umweltmonitoring-System der TU Bergakademie Freiberg

10.07.2020 | Informationstechnologie

Binnenschifffahrt soll revolutioniert werden: Erst ferngesteuert, dann selbstfahrend

10.07.2020 | Verkehr Logistik

Robuste Hochleistungs-Datenspeicher durch magnetische Anisotropie

10.07.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics