Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU fördert europäischen Plasmabeschleuniger

02.11.2015

Die europäische Union fördert die Entwicklung eines neuartigen Plasma-Teilchenbeschleuniger mit drei Millionen Euro aus dem Horizon2020-Programm. Im Rahmen des EU-Projekts EuPRAXIA (European Plasma Research Accelerator with eXcellence In Applications) soll eine Designstudie für einen sogenannten Plasmabeschleuniger mit dem Fokus auf Anwendungen dieser neuen Technik entstehen. Von der Plasmabeschleunigertechnik versprechen sich Physiker wesentlich kleinere und günstigere Teilchenbeschleuniger für Wissenschaft, Medizin und andere Anwendungen.

“EuPRAXIA definiert den fehlenden Schritt hin zu einer neuen Generation von Beschleunigern mit dem Potential für drastisch reduzierte Größe und Kosten”, erläutert der Koordinator des EuPRAXIA-Konsortiums, DESY-Forscher Ralph Aßmann. “EuPRAXIA stellt sicher, dass Europa auch weiterhin an der internationalen Spitze beschleunigerbasierter Wissenschaft und Anwendungen tätig ist.”


Bild einer Plasmazelle

DESY, Heiner Müller-Elsner

Das EuPRAXIA Konsortium umfasst 16 Forschungsinstitute und Universitäten aus fünf EU-Mitgliedsländern. Darüber hinaus nehmen 18 assoziierte Partner aus acht Ländern teil, darunter führende Institute aus der EU, Japan, China und den USA.

Teilchenbeschleuniger haben sich über die vergangenen 90 Jahre zu Maschinen mit vielseitigen Einsatzmöglichkeiten für Entdeckungen und Anwendungen entwickelt. Heute verrichten weltweit etwa 30,000 Beschleuniger ihren Dienst, darunter einige der größten Maschinen, die die Menschheit bisher gebaut hat.

In den vergangenen Jahren wurde mit der Plasmabeschleunigung eine neuartige Technologie zur Teilchenbeschleunigung entwickelt, die tausendmal höhere Beschleunigungsfelder erreichen kann als die herkömmliche Technik. Statt durch Hochfrequenz-Radiostrahlung werden dabei Teilchen wie beispielsweise Elektronen durch ein elektrisch geladenes Plasma beschleunigt, das mit Hilfe starker Laser erzeugt wird.

EuPRAXIA soll bis Ende 2019 ein konzeptionelles Design für den weltweit ersten Plasmabeschleuniger mit einer Energie von fünf Gigaelektronenvolt, industrieller Strahlqualität und dedizierten Nutzerbereichen ausarbeiten. Das EU-Projekt ist damit der entscheidende Zwischenschritt auf dem Weg von der Beschleuniger-Grundlagenforschung hin zu ultra-kompakten Beschleunigern für die Anwendung in Industrie, Medizin und Wissenschaft wie etwa der Hochenergiephysik.

Die Studie soll Beschleunigerkomponenten, Lasersysteme und Technik für eine verbesserte Qualität der Elektronenstrahlen ausarbeiten und dabei die Nutzung von Plasmabeschleunigern als Röntgenlaser, für die Teilchenphysik und für weitere Anwendungen betrachten. Außerdem sollen mögliche Standorte für den Prototypen miteinander verglichen werden, inklusive einer Kostenabschätzung und einem Modell für europaweit verteilte Konstruktionsaufgaben. Auf diese Weise kann EuPRAXIA in den 2020er Jahren Europa führend für neuartige Beschleuniger positionieren.

Das EuPRAXIA-Konsortium besteht aus den folgenden Mitgliedern: DESY und die Universität Hamburg aus Deutschland, das Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS), das Commissariat à l'Énergie Atomique et aux énergies alternatives (CEA) und das Synchrotron SOLEIL aus Frankreich, das Science & Technology Facilities Council (STFC), die University of Manchester, die University of Liverpool, die University of Oxford und die University of Strathclyde sowie das Imperial College London aus Großbritannien, das Istituto Nazionale di Fisica Nucleare (INFN), der Consiglio Nazionale delle Ricerche (CNR), die Agenzia nazionale per le nuove tecnologie, l’energia e lo sviluppo economico sostenible (ENEA) und die Sapienza Universita di Roma aus Italien und das Instituto Superior Técnico (IST) aus Portugal.

Assoziiert sind zudem die Jiaotong University Shanghai und die Tsingua University Beijing aus China, das Helmholtz-Institut Jena, das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf und die Ludwig-Maximillians-Universität München, aus Deutschland, die Universität Lille in Frankreich, die High Energy Accelerator Research Organization (KEK), das Kansai Photon Science Institute, die Japan Atomic Energy Agency, die Osaka University, und das RIKEN Spring-8 Center aus Japan, die Universität Lund aus Schweden, die European Organization for Nuclear Research (CERN) in der Schweiz,die Organisation Extreme Light Infrastructures - Beams (ELI-B) mit Sitz in Tschechien, das Wigner Research Center of the Hungarian Academy of Science in Ungarn, das Center for Accelerator Science and Education at Stony Brook University & Brookhaven National Laboratory (BNL), das Lawrence Berkeley National Laboratory (LBNL), das SLAC National Accelerator Laboratory und die University of California at Los Angeles (UCLA) in den USA.

Das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY ist das führende deutsche Beschleunigerzentrum und eines der führenden weltweit. DESY ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft und wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu 10 Prozent von den Ländern Hamburg und Brandenburg finanziert. An seinen Standorten in Hamburg und Zeuthen bei Berlin entwickelt, baut und betreibt DESY große Teilchenbeschleuniger und erforscht damit die Struktur der Materie. Die Kombination von Forschung mit Photonen und Teilchenphysik bei DESY ist einmalig in Europa.

Weitere Informationen:

http://eupraxia-project.eu - Projekt-Homepage

Dr. Thomas Zoufal | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Innovativ durch Forschung
22.07.2020 | time4you GmbH

nachricht Sicherheitsspezialist dormakaba mit dem Goldenen PROTECTOR Award ausgezeichnet
21.07.2020 | dormakaba Deutschland GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektrogesponnene Vliese mit gerichteten Fasern für die Sehnen- und Bänderrekostruktion

Sportunfälle und der demografische Wandel sorgen für eine gesteigerte Nachfrage an neuen Möglichkeiten zur Regeneration von Bändern und Sehnen. Eine Kooperation aus italienischen und deutschen Wissenschaftler*innen forschen gemeinsam an neuen Materialien, um dieser Nachfrage gerecht zu werden.

Dem Team ist es gelungen elektrogesponnene Vliese mit hochgerichteten Fasern zu generieren, die eine geeignete Basis für Ersatzmaterialien für Sehnen und...

Im Focus: New Strategy Against Osteoporosis

An international research team has found a new approach that may be able to reduce bone loss in osteoporosis and maintain bone health.

Osteoporosis is the most common age-related bone disease which affects hundreds of millions of individuals worldwide. It is estimated that one in three women...

Im Focus: Neue Strategie gegen Osteoporose

Ein internationales Forschungsteam hat einen neuen Ansatzpunkt gefunden, über den man möglicherweise den Knochenabbau bei Osteoporose verringern und die Knochengesundheit erhalten kann.

Die Osteoporose ist die häufigste altersbedingte Knochenkrankheit. Weltweit sind hunderte Millionen Menschen davon betroffen. Es wird geschätzt, dass eine von...

Im Focus: Lastenfahrräder: Leichtbaupotenziale erkennen und nutzen

Lastenräder sind »hipp« und ein Symbol für klimafreundliche Mobilität, tagtäglich begegnen wir ihnen. Straßen und Radwege müssen an diese neue Fahrzeugkategorie angepasst werden. Aber nicht nur die Infrastruktur kann optimiert werden, Lastenräder selbst bieten noch reichlich Potenzial. Im neu gestarteten Projekt »LastenLeichtBauFahrrad« (L-LBF) suchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF zusätzliche Leichtbaupotenziale dieser urbanen Vehikel. Über die Fortschritte des Projekts informiert eine eigene Webseite unter www.lbf.fraunhofer.de/L-LBF 

Form und Design von Lastenfahrrädern variieren von schnittig schick bis kastig oder tonnig. Sie stellen das neue Statussymbol der »mittleren Generation« dar....

Im Focus: AI & single-cell genomics

New software predicts cell fate

Traditional single-cell sequencing methods help to reveal insights about cellular differences and functions - but they do this with static snapshots only...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovationen der Luftfracht: 5. Air Cargo Conference real und digital

04.08.2020 | Veranstaltungen

T-Shirts aus Holz, Möbel aus Popcorn – wie nachwachsende Rohstoffe fossile Ressourcen ersetzen können

30.07.2020 | Veranstaltungen

Städte als zukünftige Orte der Nahrungsmittelproduktion?

29.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tief in die Zelle geblickt

05.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Tellur macht den Unterschied

05.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Humane zellbasierte Testsysteme für Toxizitätsstudien: Ready-to-use Tox-Assay (hiPS)

05.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics