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Bremer Tönjes-Vagt-Stiftung fördert Virologie-Forschung

16.02.2007
Drei Millionen Euro sind an die Bremer Universität geflossen

Der Bremer Großbauer Georg Vagt starb im August 1982. In seinem Testament legte er fest, mit dem größten Teil seines Vermögens die Tönjes-Vagt-Stiftung einzurichten. Der Name erinnert an seinen - im Alter von 23 Jahren - an einer unbekannten Virusinfektion verstorbenen Sohn. Das naheliegende Ziel der Stiftung ist, die virologische Forschung zu fördern. Seither unterstützt die Vagt-Stiftung entsprechende Forschungsprojekte an der Universität Bremen.

Bis heute sind drei Millionen Fördergelder zur Verfügung gestellt worden. 1985 wurde von der Vagt-Stiftung eine Stiftungsprofessur für Mikrobiologie/Virologie an der Bremer Universität geschaffen. Inzwischen ist ein "Centrum für Biomolekulare Interaktionen in Bremen" entstanden, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Arbeitsgebieten Biochemie, Mikrobiologie sowie Molekular- und Zellbiologie zusammenarbeiten.

In einem laufenden Forschungsvorhaben unter der Leitung von Professor Soerge Kelm (Universität Bremen) wird die Rolle von Siglecs bei Virusinfektionen untersucht. Siglecs repräsentieren eine Familie von Immunglobulin-artigen Proteinen. Fast alle Siglecs kommen nur auf bestimmten Zellen des Immunsystems vor und sind vermutlich daran beteiligt, die Aktivierung dieser Zellen zu regulieren. Daher haben sie wahrscheinlich auch Einfluss auf die Abwehr von Virusinfektionen. In diesem Projekt wird systematisch untersucht, inwiefern sich die Expressionsmuster der Siglecs im Laufe von viralen Infektionen verändern. Darüber hinaus geht es in dem Kelm-Projekt auch darum, die wissenschaftlichen Grundlagen für Therapiemöglichkeiten zu erforschen.

Die Tönjes-Vagt-Stiftung finanziert gegenwärtig auch ein Kooperationsprojekt der Universitäten Bremen (Professor Ralf Dringen) und Oldenburg (Professorin Christiane Richter-Landsberg), bei dem es um Erkrankungen des Zentralen Nervensystems geht. Untersucht werden die Zellen, die das Myelin herstellen. Die Ausprägung und der Erhalt des Myelins ist eine wichtige Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der vielfältigen hochspezialisierten Funktionen des Nervensystems. Störungen der Myelinausprägung können durch eine Vielzahl von Ereignissen ausgelöst werden, beispielsweise durch virale Infektionen, die zu Krankheiten wie der Multiplen Sklerose (MS) führen, also zu Schäden an Gehirn und Nervensystem. In dem Projekt werden an Zellkulturmodellen die Konsequenzen von oxidativem Stress auf Myelin-bildende Zellen erforscht. Die zu erwartenden Befunde werden nicht nur zum Verständnis der grundlegenden Mechanismen, die an der Krankheitsentstehung beteiligt sind, beitragen, sondern auch helfen, geeignete Strategien zur Krankheitsbekämpfung zu entwickeln.

Georg Vagt stammt aus einer seit 500 Jahren in Woltmershausen/Rablinghausen ansässigen großbäuerlichen Familie. Im Rahmen einer beabsichtigten Hafenerweiterung wurden die Ländereien von Georg Vagt 1962 enteignet. Vor dem Hintergrund bereits Anfang des Jahrhunderts erfolgter Enteignungen der Familie Vagt bekämpfte Georg Vagt dieses Vorhaben erbittert. Er strengte zahlreiche Anfechtungs- und Rückenteignungsprozesse gegen die Stadtgemeinde Bremen an. Schließlich blieb er einer der letzten privaten Eigentümer im Neustädter Hafen-Areal. Zwar konnte er seine Ländereien nicht vor der Enteignung retten, aber sein Widerstand hatte den Erfolg, dass er durch die Enteignungen ein bemerkenswertes Vermögen ansammelte. Nach Georg Vagts Tod wurde das meiste Geld in die Stiftung überführt. Damit wird bis heute nicht nur die Virologie-Forschung unterstützt; auch der Name des so früh verstorbenen Sohnes Tönjes bleibt in Bremen lebendig.

Eberhard Scholz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bremen.de
http://www.uni-bremen.de/campus/pressestelle

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