Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungszentrum Jülich erhält Umweltpreis

03.02.2006


Gartenbau NRW 2006 für energiesparende Eindeckung von Gewächshäusern Ergebnisse von Grundlagenforschung zur Anwendung

Das Forschungszentrum Jülich sowie drei Partner erhalten den Umweltpreis Gartenbau NRW 2006 des NRW-Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Das Auswahlkuratorium unter Vorsitz von Minister Eckhard Uhlenberg würdigt damit die Entwicklung und den erfolgreichen Technologietransfer innovativer Gewächshaustechnologien, die eine erhebliche Energieeinsparung im Gartenbau und damit eine deutliche Verminderung der CO2-Emissionen ermöglichen. Bei der Eröffnungsveranstaltung der Internationalen Pflanzen-Messe 2006 (IPM) am 2. Februar in Essen wird diese Auszeichnung den verantwortlichen Mitgliedern dieses erfolgreichen Teams überreicht.

Wie reagieren Pflanzen auf die sich ändernden Umweltbedingungen? Welchen Einfluss hat der steigende Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre auf das Pflanzenwachstum und auf Pflanzeninhaltsstoffe? Wie reagieren Pflanzen auf die zunehmende UV-Strahlung oder die Zunahme von Schadgasen wie Ozon? Wie beeinflussen Nährstoffe, Mikroorganismen und Tiere im Boden die Reaktion von Pflanzen auf ihre Umgebung? Dies sind Fragen aus der Grundlagenforschung, die im Institut ICGIII: Phytosphäre am Forschungszentrum Jülich untersucht werden. Voraussetzung dafür ist, dass zukünftig auftretende Umweltbedingungen simuliert werden können. Dafür wurde am Forschungszentrum Jülich ein neues hochtransparentes Gewächshaus entwickelt. Hier ist unter anderem eine neuartige Glaseindeckung zum Einsatz gekommen, die sehr hohe Transparenz im sichtbaren und im für Pflanzen wichtigen UV-Bereich aufweist.

Doch die Jülicher Forscher und ihre Partner, Siedenburger Gewächshausbau Rahden, Centrosolar Glas Fürth und das Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz (INRES) der Universität Bonn, ließen es nicht dabei bewenden, neue Wege für die Grundlagenforschung zu beschreiten. Sie erkannten auch das Potenzial dieser Entwicklungen für die Praxis. Denn die neuen technologischen Lösungen können dem Gärtner und dem Verbraucher wirtschaftlichere und nachhaltigere Lösungen zu liefern.

Extrem hohe Lichtdurchlässigkeit durch hochtransparente Eindeckung aus eisenarmem Glas schafft nicht nur naturnahe Bedingungen für Versuchspflanzen, sondern auch für gartenbauliche Produkte. Die für UV-Licht durchlässigen Gläser ermöglichen es, Pflanzen für Experimente so anzuziehen, dass sie diesem wichtigen natürlichen Umweltfaktor ausgesetzt sind. UV-Licht ist aber auch essenziell für die Bildung wichtiger Pflanzeninhaltsstoffe, die als Farb- oder Geschmacksstoffe den Wert gartenbaulicher Produkte ausmachen. Um maximale Transparenz zu erreichen, wurden die Gewächshausscheiben beidseitig antireflexbeschichtet. Dadurch gelangen bis zu 97 Prozent des für das Pflanzenwachstums wichtigen Lichtspektrums zu den Pflanzen - wichtig für die Wachstumsleistung und den Ertrag. Derartige Glasqualitäten wurden bislang nur für thermische Solarkollektoren und Photovoltaik-Anlage eingesetzt. Als Eindeckung von Gewächshäusern können sie nun auch helfen, Ertrag und Qualität gartenbaulicher Kulturen zu steigern.

Der Energieverbrauch von Gewächshäusern ist eine hohe ökonomische und ökologische Belastung. Das Konsortium von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Gartenbaupraktikern fand auch dafür eine neuartige Lösung: eine schaltbare, durchsichtige Wärmedämmung. Über hochtransparente Gläser werden dazu hochtransparente, quasi selbst reinigende Folien gespannt und der Raum zwischen Glas und Folie aufgeblasen. So wird aus einer einfachen Glasscheibe eine gut isolierende Eindeckung für Gewächshäuser, die viel Licht zu den Pflanzen durchlässt und sauber bleibt. Liegt im Winter Schnee auf dem Gewächshaus, kann die Luft aus dem Luftpolster abgelassen werden. Der Schnee taut schnell ab, und natürliches Tageslicht kann wieder das Wachstum von Pflanzen im Gewächshaus treiben. Für lichtarme Zeiten wurde eine mobile Beleuchtungsanlage entwickelt, die nur dann aus ihrer Parkposition ausfährt, wenn Kunstlicht nötig ist. Mit diesem System wird ein altes Problem aus dem Gewächshausalltag gelöst: Bei ausreichend natürlichem Licht werfen die Lampen keine störenden Schatten auf die Pflanzen.

Hohe wissenschaftliche Ansprüche und offene Augen und Ohren für praktische Anwendungen waren hier der Schlüssel zu Innovationen, die jetzt in die Praxis eingeführt werden sollen. Derzeit entstehen erste Referenzobjekte in praktischen Gartenbaubetrieben - begleitet durch wissenschaftliche Untersuchungen, die möglicherweise wieder neue Ideen liefern werden.

Informationen:

Annette Stettien, Wissenschaftsjournalistin, Forschungszentrum Jülich, 52425 Jülich, Tel. 02461 61-2388, Fax 02461 61-4666, E-mail: a.stettien@fz-juelich.de

Dr: Angela Lindner, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit, Pressesprecherin Tel. 02461 61-4661, Fax 02461 61-4666, E-Mail: a.lindner@fz-juelich.de

Zu PhyTec: http://www.fz-juelich.de/icg/icg-iii/phytec

Annette Stettien | Forschungszentrum Jülich
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de
http://www.fz-juelich.de/icg/icg-iii/phytec

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht 1,6 Millionen Euro für den Aufbau einer Forschungsgruppe zu Quantentechnologien
20.08.2018 | Leibniz Universität Hannover

nachricht EU-Millionenförderung für Deep-Learning-Projekt in Leipzig
15.08.2018 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Mischung macht‘s: Jülicher Forscher entwickeln schnellladefähige Festkörperbatterie

Mit Festkörperbatterien sind aktuell große Hoffnungen verbunden. Sie enthalten keine flüssigen Teile, die auslaufen oder in Brand geraten könnten. Aus diesem Grund sind sie unempfindlich gegenüber Hitze und gelten als noch deutlich sicherer, zuverlässiger und langlebiger als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Jülicher Wissenschaftler haben nun ein neues Konzept vorgestellt, das zehnmal größere Ströme beim Laden und Entladen erlaubt als in der Fachliteratur bislang beschrieben. Die Verbesserung erzielten sie durch eine „clevere“ Materialwahl. Alle Komponenten wurden aus Phosphatverbindungen gefertigt, die chemisch und mechanisch sehr gut zusammenpassen.

Die geringe Stromstärke gilt als einer der Knackpunkte bei der Entwicklung von Festkörperbatterien. Sie führt dazu, dass die Batterien relativ viel Zeit zum...

Im Focus: It’s All in the Mix: Jülich Researchers are Developing Fast-Charging Solid-State Batteries

There are currently great hopes for solid-state batteries. They contain no liquid parts that could leak or catch fire. For this reason, they do not require cooling and are considered to be much safer, more reliable, and longer lasting than traditional lithium-ion batteries. Jülich scientists have now introduced a new concept that allows currents up to ten times greater during charging and discharging than previously described in the literature. The improvement was achieved by a “clever” choice of materials with a focus on consistently good compatibility. All components were made from phosphate compounds, which are well matched both chemically and mechanically.

The low current is considered one of the biggest hurdles in the development of solid-state batteries. It is the reason why the batteries take a relatively long...

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Dialog an Deck, Science Slam und Pong-Battle

21.08.2018 | Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Zukünftige Informationstechnologien: Wärmetransport auf der Nanoskala unter die Lupe genommen

21.08.2018 | Physik Astronomie

Bedeutung des „Ozeanwetters“ für Ökosysteme

21.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Auf dem Weg zur personalisierten Medizin

21.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics