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Kompetenznetz erforscht virale Hepatitis - Essen im Zentrum der ersten Modell-Region

15.08.2001


Mit 25 Millionen Mark fördert der Bundesforschungsminister in den nächsten fünf Jahren in einem deutschlandweit angelegten Kompetenznetz die Erforschung der viralen Hepatitis. HEP-NET heißt das Programm, zu dessen maßgeblichen Initiatoren der Direktor des Instituts für Virologie am Essener Universitätsklinikum, Professor Dr. Michael Roggendorf, gehört. Mit ihm sind aus dem Essener Klinikum der Direktor der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Professor Dr. Guido Gerken, der Pharmakologe Professor Dr. Winfried Siffert und der Direktor des Instituts für Immunologie, Professor Dr. Hans Grosse-Wilde, an der Arbeit beteiligt. Fast ein Achtel der Gesamt-Fördersumme fließt deshalb den Essener Wissenschaftlern zu.
Mit HEP-NET ist es in Deutschland zum ersten Mal gelungen, rund 120 namhafte Experten, die sich mit der Leberentzündung durch Viren befassen, in einem gemeinsamen Projekt zusammenzuführen. Beteiligt sind neben den Forschern der Universitäten auch Ärzte anderer Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte sowie Patienten-Selbsthilfegruppen. Dem Vorstand des HEP-NET gehören seine Initiatoren an: der Pathologe Professor Dr. Hans P. Dienes von der Universität Köln, der Gastroenterologe Professor Dr. Michael Manns von der Universität Hannover und der Essener Virologe Professor Dr. Michael Roggendorf. Sprecher des Netzes ist Michael Manns.


Wesentliche Vorarbeiten für die Etablierung des Netzes hat in den vergangenen sechs Jahren der vom Bundesforschungsminister geförderte, vom Essener Virologen Roggendorf geleitete Forschungsverbund: Hepatitis C geleistet. Darüber hinaus stammt aus dem Essener Institut für Virologie, das auch Nationales Referenzzentrum für die Hepatitis C ist, eine Reihe von Arbeiten zur Epidemiologie bzw. zu den Übertragungsmechanismen der Hepatitis C_Virus_Infektion (HCV-Infektion).
Leberentzündungen durch Viren sind in Deutschland nach wie vor ein großes gesundheitliches Problem. Die Wissenschaftler schätzen, dass es bundesweit etwa eine Million chronische Virusträger für Hepatitis B und C gibt. Zwar ist durch die Testung von Blutkonserven ein Rückgang der Neuinfektionen mit Hepatitis C zu erwarten, aber es besteht ein Restrisiko der Übertragung durch Drogenmissbrauch, Sexualkontakte und die Übertragung des Virus von infizierten Müttern auf ihre neugeborenen Kinder. Bei erwachsenen Menschen werden 70 bis 80 v. H. der Hepatitis C-Fälle chronisch; die Leberentzündung droht sich in der Folge zu einer Zirrhose und schließlich zu einem Karzinom fort zu entwickeln.
Die Hepatitis B wird bei Erwachsenen in 5 bis 10 v. H. Fällen chronisch. Man schätzt in Deutschland 30 000 Neuinfektionen pro Jahr. Übertragen wird das Hepatitis B-Virus in erster Linie durch Sexualkontakte, aber im Gegenteil zur Hepatitis C kann das Übertragungsrisiko durch eine prophylaktische Impfung entscheidend gesenkt werden. Für die Hepatitis C rechnen die Wissenschaftler in den nächsten fünf bis zehn Jahren nicht mit der Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes. Weil die Krankheit nur sehr langsam fortschreitet, ist zumindest bis ins Jahr 2020 eine Zunahme der Folgeerscheinungen einer chronischen HCV-Infektion zu erwarten.

Erstes Ziel des Kompetenznetzes, in dem mit der Arbeit offiziell am 1. Oktober begonnen wird, ist ein genauer Überblick über die epidemiologische Situation der HBV- und der HCV-Infektion, insbesondere über die Zahl der Neuinfektionen. Dazu werden im HEP-NET mehrere Modellregionen eingerichtet.
Als erste entsteht die Modellregion WEST, in der die Wissenschaftler des Universitätsklinikums Essen eng mit Kollegen des Bochumer Knappschaftskrankenhauses und des Bochumer St. Josef Hospitals, beide Universitätskliniken Bochum , den Städtischen Kliniken Oberhausen sowie mehr als 100 ärztlichen Praxen kooperieren. Die Bochumer Arbeitsgruppe leiten der Direktor der Medizinischen Klinik am Knappschaftskrankenhaus, Professor Dr. Wolff-H. Schmiegel, und der Chefarzt der Medizinischen Klinik I des St. Josef Hospitals, Professor Dr. Wolfgang E. Schmidt, in Oberhausen liegt die Federführung bei dem Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin der Städtischen Kliniken, Professor Dr. Claus Niederau. Durch diese Vernetzung von Universitätskliniken, zu einem späteren Zeitpunkt werden sich auch die Uni-Kliniken Aachen, Bonn, Düsseldorf und Köln beteiligen, mit Städtischen und Kreiskrankenhäusern sowie mit niedergelassenen Ärzten soll eine möglichst exakte Erfassung der Neuinfektionen der Hepatitis B und C erreicht werden, so dass auch das Infektionsrisiko für die Hepatitis B bzw. C für Deutschland exakt auszumachen ist. Zwar sollen Ärzte nach dem neuen Infektionsschutzgesetz eine virale Hepatitis an das Robert Koch-Institut in Berlin melden, in Essen zweifelt Professor Roggendorf aber an, dass diese _Spontanmeldungen_ein realistisches Bild der Verbreitung von HBV- und HCV-Infektionen vermitteln. _HEP-NET_ will die niedergelassenen Ärzte für das Problem sensibilisieren und zur Mitarbeit motivieren.
Über Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen sowie die regelmäßig aktualisierte Homepage von HEP-NET im Internet werden die Ergebnisse der epidemiologischen Untersuchungen weitergegeben. Die niedergelassenen Ärzte erhalten die Möglichkeit, sich mit den neuesten Therapieschemata, etwa über die Kombinationstherapie von Interferon und Ribavirin, zu befassen und ihren Patienten so eine optimale Therapie anzubieten.
Ein weiteres Ziel von HEP-NET ist die Charakterisierung von Faktoren, die zu einer Resistenz gegenüber Interferon führen. Die Ursachen dafür können sowohl beim Patienten als auch in der Art des Virus liegen. Grundlagenforschung zu den Virus-Resistenzmechanismen betreibt das Essener Universitätsinstitut für Virologie, Untersuchungen zu den Wirtsfaktoren nehmen die Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie sowie die Institute für Immunologie und Pharmakologie vor.
Von einer Interferon-Therapie profitieren zur Zeit nur etwa 60 v. H. der Patienten. Für die gegen Interferon resistenten 40 v. H. Patienten müssen neue Therapiewege gefunden werden. In Roggendorfs Institut wird deshalb eine Serum- und DNA-Bank für Seren von Patienten , die chronische Träger des HBV oder des HCV sind, eingerichtet. Diese Virenisolate sollen für die Resistenzuntersuchungen eingesetzt werden.

Weitere Informationen: 
Prof. Dr. Michael Roggendorf, 
Telefon 02 01 7 23 35 50, 
E-Mail:  roggendorf@uni-essen.de

Monika Roegge | idw

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