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Junge Rotkehlchen haben Kompass in beiden Augen

30.08.2012
Zugvögel wie das europäische Rotkehlchen (Erithacus rubecula) orientieren sich mithilfe eines Magnetkompasses in ihrem rechten Auge.
Wie Wissenschaftler der Goethe-Universität und der Universität Bochum jetzt herausgefunden haben, ist dieser Kompass aber bei Jungvögeln noch in beiden Augen lokalisiert. Ein Grund für die Verlagerung der Orientierungsfunktion auf nur ein Auge beim heranwachsenden Vogel könnte sein, dass dadurch eine Gehirnhälfte entlastet wird, um andere Sinneseindrücke schneller verarbeiten zu können.

Die Verlagerung bestimmter Hirnleistungen auf nur eine Hemisphäre (Lateralisation) ist ein Prinzip, das sich in der Evolution mehrfach bewährt hat. So können Schimpansen, die bevorzugt eine Hand gebrauchen, erfolgreicher Termiten fangen; Tauben mit unterschiedlich spezialisierten Augen finden leichter Körner zwischen Kieselsteinen, und auch der Mensch verarbeitet Sprache hauptsächlich in der linken Gehirnhälfte. Die jetzt in dem Proceedings of the Royal Society veröffentlichten Ergebnisse der Gruppe um die Frankfurter Vogelforscher Wolfgang und Rowitha Wiltschko sprechen dafür, dass auch bei der Wahrnehmung des Erdmagnetfelds die Vorteile der Lateralisation genutzt werden.

Die Forscher untersuchten Jungvögel auf ihrem ersten Vogelzug, die im Garten des Frankfurter Zoologischen Instituts einen Zwischenstopp auf ihrem Weg nach Süden einlegten. Dabei stellten sie fest, dass Jungvögel sich bei ihrem ersten Zug sowohl mit dem rechten als auch mit dem linken Auge orientieren. Im darauf folgenden Frühling ist die Fähigkeit schon auf das rechte Auge verlagert, aber noch flexibel. Nachdem das rechte Auge für sechs Stunden abgedeckt wurde, war der Kompass im linken Auge wieder aktiv. Beim nächsten Vogelzug im Herbst ist die Lateralisation dagegen schon stärker auf das rechte Auge und damit die linke Hirnhälfte fixiert. Dies interpretieren die Forscher als einen Reifungsprozess, welcher der Leistungssteigerung des Gehirns dient: Da beide Augen die absolut gleiche Information über die Richtung des Erdmagnetfelds vermitteln würden, stehen so die entsprechenden Areale in der anderen Hirnhälfte für andere Aufgaben frei.
Publikation:
Dennis Gehring, Wolfgang Wiltschko et al.: Development of Lateralisation of the Magnetic Compass in a Migratory Bird, Proceedings of the Royal Society B, First Cite, DOI: 10.1098/rspb.2012.1654

Informationen:
Prof. Roswitha Wiltschko, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Biocampus Siesmayerstraße, Tel.: (069) 798-24703; wiltschko@bio.uni-frankfurt.de.

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn drittmittelstärksten und größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Parallel dazu erhält die Universität auch baulich ein neues Gesicht. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht ein neuer Campus, der ästhetische und funktionale Maßstäbe setzt. Die „Science City“ auf dem Riedberg vereint die naturwissenschaftlichen Fachbereiche in unmittelbarer Nachbarschaft zu zwei Max-Planck-Instituten. Mit über 55 Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität laut Stifterverband eine Führungsrolle ein.
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Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation Telefon (069) 798 – 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30, E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de

Dr. Anne Hardy | idw
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