Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Erkenntnisse zur Entstehung erblicher Nervenerkrankungen

26.07.2005


Die so genannten Charcot-Marie-Tooth-Erkrankungen sind genetisch bedingte Nervenleiden. Doch bei ihrer Entstehung spielen auch Immunzellen eine erhebliche Rolle, wie Studien an Tiermodellen gezeigt haben. Mit dieser Erkenntnis hat die Medizin einen ersten wichtigen Schritt hin zu einer Therapie getan - denn bislang ist eine Behandlung nicht möglich. Für seine Forschung auf diesem Gebiet wurde der Neurobiologe Professor Rudolf Martini von der Neurologischen Klinik der Uni Würzburg ausgezeichnet.


Bei den Charcot-Marie-Tooth-Erkrankungen (CMT) werden nach und nach Nervenfasern zerstört, welche die Muskeln versorgen. Dadurch kommt es zu Lähmungserscheinungen, Muskelkrämpfen und Bewegungsstörungen. Langfristig erleiden die Betroffenen zudem Schäden am Bewegungsapparat, die sie erheblich behindern, wie Muskelschwund und Knochendeformationen. Ferner sind auch sensible Nerven betroffen, die zum Beispiel für das Berührungsempfinden verantwortlich sind. "Mit einer geschätzten Häufigkeit von etwa einem Fall auf 2.500 bis 5.000 Personen handelt es sich dabei um recht häufige erbliche Erkrankungen des Nervensystems", so Martini.

Derzeit sind einige hundert Mutationen in mehr als 20 verschiedenen Genen nachgewiesen. Wegen dieser Komplexität rechnen die Würzburger Neurowissenschaftler nicht damit, dass sich in den kommenden Jahren Ansätze für eine Gentherapie ergeben. Darum suchten sie andere Ansatzpunkte, die bei zukünftigen Behandlungsstrategien von Nutzen sein könnten.


Die Forscher entdeckten, dass in den geschädigten Nerven vermehrt Zellen des Immunsystems auftreten, nämlich T-Lymphozyten und Makrophagen. In Experimenten an Mausmodellen wiesen sie nach, dass der Schädigungsgrad der Nerven und die dadurch verursachten Funktionsstörungen wesentlich geringer ausfallen, wenn die Immunzellen fehlen oder inaktiv bleiben. Vor allem die Makrophagen scheinen bei den Attacken auf die genetisch veränderten Nerven eine erhebliche Rolle zu spielen.

"Darum werden wir nun versuchen, in unseren Modellorganismen ganz spezifisch die Aktivierung der Makrophagen im Nerven zu hemmen", beschreibt Martini den Ansatzpunkt, mit dem die Würzburger Neurowissenschaftler ihre Forschung vorantreiben wollen. "Natürlich hoffen wir", so Martini, "dass unsere Arbeiten in Zukunft zu Therapiestudien beim Menschen führen werden." Solche Studien seien aber nur in Zusammenarbeit vieler Spezialisten in Europa oder sogar weltweit denkbar.

Rudolf Martini erhielt für seine Arbeiten den "Felix-Jerusalem-Preis für neuromuskuläre Erkrankungen". Vergeben wird die Auszeichnung von der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke, die Aventis Pharma Deutschland GmbH hat das Preisgeld in Höhe von 7.500 Euro gestiftet.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Rudolf Martini, T (0931) 201-23268, Fax (0931) 201-23697, E-Mail: rudolf.martini@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Biomarker besser nachweisen: Bremer Forscher entwickeln neue Methode mit Mikrokapseln
14.08.2018 | Jacobs University Bremen gGmbH

nachricht Grönland: Tiefe des Schmelzwassereintrags beeinflusst Planktonblüte
14.08.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Im Focus: Robots as 'pump attendants': TU Graz develops robot-controlled rapid charging system for e-vehicles

Researchers from TU Graz and their industry partners have unveiled a world first: the prototype of a robot-controlled, high-speed combined charging system (CCS) for electric vehicles that enables series charging of cars in various parking positions.

Global demand for electric vehicles is forecast to rise sharply: by 2025, the number of new vehicle registrations is expected to reach 25 million per year....

Im Focus: Der „TRiC” bei der Aktinfaltung

Damit Proteine ihre Aufgaben in Zellen wahrnehmen können, müssen sie richtig gefaltet sein. Molekulare Assistenten, sogenannte Chaperone, unterstützen Proteine dabei, sich in ihre funktionsfähige, dreidimensionale Struktur zu falten. Während die meisten Proteine sich bis zu einem bestimmten Grad ohne Hilfe falten können, haben Forscher am Max-Planck-Institut für Biochemie nun gezeigt, dass Aktin komplett von den Chaperonen abhängig ist. Aktin ist das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen. Das Chaperon TRiC wendet einen bislang noch nicht beschriebenen Mechanismus für die Proteinfaltung an. Die Studie wurde im Fachfachjournal Cell publiziert.

Bei Aktin handelt es sich um das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen, das bei Prozessen wie Zellstabilisation, Zellteilung und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kleine Helfer bei der Zellreinigung

14.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Oberflächeneigenschaften für holzbasierte Werkstoffe

14.08.2018 | Materialwissenschaften

Fraunhofer IPT unterstützt Zweitplatzierten bei SpaceX-Wettbewerb

14.08.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics