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Gesucht: ein Scheidungsgrund

24.04.2008
Rosenkriege bei Blaumeisen werden vermutlich von fremden Weibchen ausgelöst

Scheidungen sind nicht nur bei Menschen, sondern auch bei sozial monogamen Vögeln wie der Blaumeise weit verbreitet. So haben die Verhaltensökologen Mihaj Valcu und Bart Kempenaers vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen bei einer Langzeitstudie an Blaumeisen Trennungsraten von über 50 Prozent festgestellt. Doch warum trennen sich die Paare wieder? Um das herauszufinden, hilft es zu wissen, welcher der beiden ehemaligen Partner Leidtragender ist und wer von der Trennung profitiert. (Animal Behaviour, 23. April 2008)


Rosenkriege gibt es auch bei Blaumeisen - tatsächlich trennt sich die Hälfte der Pärchen wieder. Bild: Kaspar Delhey/MPI für Ornithologie

Das Ergebnis früherer Studien an kleinen Sperlingsvögeln, zu denen auch die Blaumeise gehört, war, dass Weibchen offenbar stärker von einer Scheidung profitieren: Sie hatten danach nämlich mit einem neuen Partner mehr überlebende Nachkommen. "Nach diesen Erkenntnissen sollten es die Weibchen sein, welche die Initiative zum Verlassen eines Partners ergreifen", sagt Bart Kempenaers, Direktor der Abteilung Verhaltensökologie und Evolutionäre Genetik am Max-Planck-Institut für Ornithologie.

In ihrer Studie kommen Kempenaers und sein Mitarbeiter Mihaj Valcu allerdings zu dem Ergebnis, dass sich der höhere Bruterfolg durch den mit der Trennung einhergehenden Wechsel des Territoriums und weniger durch die Scheidung an sich erklären lässt: Denn nur wenn die Weibchen ihr angestammtes Territorium verlassen und an einen besseren Platz ziehen, erhöht sich auch die Zahl der Nachkommenschaft. Die Männchen dagegen bleiben fast ausschließlich in ihrem bisherigen Territorium.

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Die Max-Planck-Forscher haben deshalb Blaumeisenweibchen untersucht, die nach der Trennung auch am oder zumindest in der Nähe ihres bisherigen Standortes blieben, um den Einfluss des Territoriumwechsels vom Effekt der Scheidung zu entkoppeln. Es stellte sich heraus, dass in diesem Fall nicht die Weibchen, sondern die Männchen ihre Fitness nach einer Scheidung erhöhten: Sie paarten sich mit größeren Weibchen und hatten einen höheren Bruterfolg als die ehemalige Partnerin.

Machen also möglicherweise die Männchen den ersten Schritt zur Trennung? "Wir können nur spekulieren" so Kempenaers. " Aber unsere Hypothese ist, dass ein größeres, stärkeres Weibchen die ursprüngliche Partnerin vertreibt und das Männchen samt Territorium übernimmt." In diesem Fall wäre die Konkurrenz zwischen den Weibchen um einen guten Paarungspartner Auslöser für die Trennung - und das wäre dann vermutlich der klassische Scheidungsgrund.

[SP/CB]

Originalveröffentlichung:

Mihai Valcu and Bart Kempenaers
Causes and consequences of breeding dispersal and divorce in a blue tit (Cyanistes caeruleus) population

Animal Behaviour, 23. April 2008

Dr. Bernd Wirsing | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

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