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3,1 Millionen Euro für neue Forschergruppe

20.02.2008
Wissenschaftler der Universitäten Mainz und Bonn wollen das so genannte Endocannabinoid-System genauer unter die Lupe nehmen.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Forschergruppe in den nächsten drei Jahren mit 3,1 Millionen Euro. Endocannabinoide tragen ihren Namen nach der Hanfpflanze Cannabis. Sie ähneln dem Hanf-Inhaltsstoff Tetrahydrocannabinol (THC), der für die berauschende Wirkung von Marihuana verantwortlich ist. Im menschlichen Körper spielt das Endocannabinoid-System eine extrem wichtige Rolle - und das nicht nur im Gehirn: Läuft es aus dem Ruder, können Herzkrankheiten, Allergien, Osteoporose oder Gedächtnisstörungen die Folge sein.

Um die berauschende Wirkung der Hanf-Pflanze Cannabis weiß die Menschheit schon seit Jahrhunderten. Verantwortlich ist ihr Inhaltsstoff Tetrahydrocannabinol (THC): THC dockt im Gehirn an bestimmte Stellen in den Neuronen an, die so genannten CB1-Rezeptoren. Dadurch verändert es die Signalverarbeitung - Folge ist ein Rauschzustand.

Dass es den CB1-Rezeptor überhaupt gibt, hat einen guten Grund: Auch der menschliche Körper selbst stellt nämlich Substanzen her, die an den Rezeptor binden. Diese Endocannabinoide beeinflussen dadurch bestimmte Hirnfunktionen - beispielsweise das Gedächtnis. "Erstaunlicherweise entfalten Endocannabinoide aber auch in anderen Zellen des Körpers eine Wirkung", erklärt der Sprecher der neuen Forschergruppe Professor Dr. Andreas Zimmer. "Wir haben beispielsweise kürzlich nachgewiesen, dass sie das Knochenwachstum oder auch Entzündungsvorgänge in der Haut regulieren. Dazu binden sie an eine andere Zielstruktur, den CB2-Rezeptor, der im Gehirn nicht vorkommt."

Inzwischen kristallisiert sich heraus, dass das Endocannabinoid-System im Körper eine zentrale Funktion ausübt: "Wir vermuten, dass es einen Regelkreis darstellt, der den Körper im Gleichgewicht hält", erklärt Zimmer. Beispielsweise schüttet der Körper bei Gefahr Botenstoffe aus, die Herzfrequenz und Blutdruck erhöhen. So kann er gegebenenfalls schnell flüchten - oder sich einem Kampf stellen. Ist die Gefahr vorbei, beruhigt sich der Organismus wieder. Und gerade für diese Rückkehr zum Normalzustand scheinen Endocannabinoide wichtig zu sein.

Dauerstress ist für den Körper extrem schädlich. Eine Fehlfunktion des Endocannabinoid-Systems kann daher vermutlich zu ernsthaften Krankheiten führen - darunter Depressionen, chronische Schmerzen, Herzkrankheiten oder Drogensucht. Die Arbeitsgruppen in Bonn und Mainz wollen daher unter anderem herausfinden, wie der Körper das System reguliert. "Endocannabinoide haben nur eine kurze Lebensdauer", erklärt Professor Zimmer. "Der Körper baut sie oft innerhalb von Minuten wieder ab. Uns interessiert, wie er das macht und ob wir dabei mit Medikamenten eingreifen können." Im Tierexperiment wollen die Wissenschaftler zudem detaillierter untersuchen, welche Folge eine Fehlfunktion der CB1- und CB2-Rezeptoren haben kann. Mittelfristig erhofft sich die Forschergruppe neue Erkenntnisse, wie Depressionen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen und sich eventuell therapieren lassen.

Kontakt:
Professor Dr. Andreas Zimmer
Institut für Molekulare Psychiatrie des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/688-5300
E-Mail: neuro@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

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