Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Heuschrecken mit neuen Nerven

14.01.2008
Stickstoffmonoxid regt die Reparatur von Nervenzellen an

Die Regeneration von Nervenzellen im menschlichen Zentralnervensystem stellt für die Medizin nach wie vor eine große Herausforderung dar. Anders als beispielsweise Nervenzellen in der Haut wachsen die Nervenzellen im Gehirn und im Rückenmark nach Verletzungen nur sehr langsam oder gar nicht wieder aus.

Patienten mit Rückenmarksverletzungen sind deshalb häufig für den Rest ihres Lebens querschnittsgelähmt. Dr. Michael Stern aus der Zellbiologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover hat jetzt entdeckt, dass der Regenerationsprozess der Nervenzellen durch Stickstoffmonoxid gefördert wird. Zeigen konnte er dies an Heuschrecken, nachdem er herausgefunden hatte, dass geschädigte Nervenbahnen bei den Insekten nachwachsen und so die Funktion ihres Nervensystems wieder hergestellt wird. Seine Ergebnisse hat Stern in der amerikanischen Fachzeitschrift "Developmental Neurobiology" veröffentlicht. Die Publikation kann im Internet unter www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/fulltext/117352366/PDFSTART eingesehen werden. Die Printausgabe der Zeitschrift erscheint im Februar 2008.

Der Wissenschaft sind inzwischen viele Gründe für die Unfähigkeit unseres Zentralnervensystems zur vollständigen Reparatur bekannt. Eine Ursache sind "Stopp-Proteine", die im Rückenmark das erneute Wachstum von verletzten Nervenfasern verhindern. Werden diese Proteine durch Medikamente ausgeschaltet, wachsen die Nervenzellen schneller. Allerdings gehen mit solch einer Behandlung, die bisher lediglich bei Tieren angewendet wurde, schwere Nebenwirkungen einher.

Die Wissenschaft sucht daher verstärkt nach Möglichkeiten, die Nervenregeneration aktiv zu fördern. Als Forschungsobjekte eignen sich dafür Tiere, bei denen keine Proteine auftreten, die die Regeneration verhindern, wie zum Beispiel Insekten mit einem vergleichsweise einfachen Nervensystem. TiHo-Forscher Dr. Michael Stern hat seine Forschungen daher auf Heuschrecken konzentriert. Er konnte zeigen, dass die Nervenfasern im Zentralnervensystem bei diesen Tieren nach einer Schädigung das Wachstum wieder aufnehmen. Dafür entwickelte er eine Forschungsmethode, mit der er auch die Wirksamkeit von pharmakologischen Substanzen auf das Nervenwachstum untersuchen kann: Stern färbt dazu im freigelegten Nervensystem von sieben Millimeter großen Heuschreckenembryos die nachwachsenden Nervenfasern mit Fluoreszenzfarbstoffen an. Unter dem Mikroskop kann er dann die Veränderungen an den Nerven beobachten. Mit dieser Methode konnte Stern zeigen, dass das Gas Stickstoffmonoxid die Nervenregeneration fördert. In weiteren Versuchen kann mit diesem System jetzt die Wirkung anderer Stoffe auf Nervenzellen im Zentralnervensystem getestet werden - ohne Tierversuche an Wirbeltieren.

Stickstoffmonoxid, das als Schadstoff in Autoabgasen bekannt ist, benutzt der Organismus in sehr geringen Konzentrationen als Signalstoff zur Kommunikation zwischen den Zellen. Schon vorher zeigte die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Gerd Bicker, in der Dr. Stern arbeitet, dass Stickstoffmonoxid als Signalstoff während der Insektenentwicklung eine Rolle für die Ausbildung von Nervenbahnen spielt. Der Stoff wird unter anderem in Nervenzellen und Blutzellen produziert. Kommt es zu einer Störung oder Verletzung wird die Konzentration des Stickstoffmonoxids gesteigert, um die Regeneration der Nervenzellen zu fördern.

Für weitere Informationen steht Ihnen gern zur Verfügung:

Dr. Michael Stern
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover - Zellbiologie
Tel. (0511) 856 7767
E-Mail: michael.stern@tiho-hannover.de

Sonja von Brethorst | idw
Weitere Informationen:
http://www.tiho-hannover.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Entstanden Nervenzellen, um mit Mikroben zu sprechen?
10.07.2020 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Forscher der Universität Bayreuth entdecken außergewöhnliche Regeneration von Nervenzellen
09.07.2020 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektrische Spannung aus Elektronenspin – Batterie der Zukunft?

Forschern der Technischen Universität Ilmenau ist es gelungen, sich den Eigendrehimpuls von Elektronen – den sogenannten Elektronenspin, kurz: Spin – zunutze zu machen, um elektrische Spannung zu erzeugen. Noch sind die gemessenen Spannungen winzig klein, doch hoffen die Wissenschaftler, auf der Basis ihrer Arbeiten hochleistungsfähige Batterien der Zukunft möglich zu machen. Die Forschungsarbeiten des Teams um Prof. Christian Cierpka und Prof. Jörg Schumacher vom Institut für Thermo- und Fluiddynamik wurden soeben im renommierten Journal Physical Review Applied veröffentlicht.

Laptop- und Handyspeicher der neuesten Generation nutzen Erkenntnisse eines der jüngsten Forschungsgebiete der Nanoelektronik: der Spintronik. Die heutige...

Im Focus: Neue Erkenntnisse über Flüssigkeiten, die ohne Widerstand fließen

Verlustfreie Stromleitung bei Raumtemperatur? Ein Material, das diese Eigenschaft aufweist, also bei Raumtemperatur supraleitend ist, könnte die Energieversorgung revolutionieren. Wissenschaftlern vom Exzellenzcluster „CUI: Advanced Imaging of Matter“ an der Universität Hamburg ist es nun erstmals gelungen, starke Hinweise auf Suprafluidität in einer zweidimensionalen Gaswolke zu beobachten. Sie berichten im renommierten Magazin „Science“ über ihre Experimente, in denen zentrale Aspekte der Supraleitung in einem Modellsystem untersucht werden können.

Es gibt Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten. So kann z. B. Wasser nicht durch die Glaswand von einem Glas in ein anderes fließen. Erstaunlicherweise...

Im Focus: The spin state story: Observation of the quantum spin liquid state in novel material

New insight into the spin behavior in an exotic state of matter puts us closer to next-generation spintronic devices

Aside from the deep understanding of the natural world that quantum physics theory offers, scientists worldwide are working tirelessly to bring forth a...

Im Focus: Im Takt der Atome: Göttinger Physiker nutzen Schwingungen von Atomen zur Kontrolle eines Phasenübergangs

Chemische Reaktionen mit kurzen Lichtblitzen filmen und steuern – dieses Ziel liegt dem Forschungsfeld der „Femtochemie“ zugrunde. Mit Hilfe mehrerer aufeinanderfolgender Laserpulse sollen dabei atomare Bindungen punktgenau angeregt und nach Wunsch aufgespalten werden. Bisher konnte dies für ausgewählte Moleküle realisiert werden. Forschern der Universität Göttingen und des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen ist es nun gelungen, dieses Prinzip auf einen Festkörper zu übertragen und dessen Kristallstruktur an der Oberfläche zu kontrollieren. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature erschienen.

Das Team um Jan Gerrit Horstmann und Prof. Dr. Claus Ropers bedampfte hierfür einen Silizium-Kristall mit einer hauchdünnen Lage Indium und kühlte den Kristall...

Im Focus: Neue Methode führt zehnmal schneller zum Corona-Testergebnis

Forschende der Universität Bielefeld stellen beschleunigtes Verfahren vor

Einen Test auf SARS-CoV-2 durchzuführen und auszuwerten dauert aktuell mehr als zwei Stunden – und so kann ein Labor pro Tag nur eine sehr begrenzte Zahl von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

08.07.2020 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erster Test für neues Roboter-Umweltmonitoring-System der TU Bergakademie Freiberg

10.07.2020 | Informationstechnologie

Binnenschifffahrt soll revolutioniert werden: Erst ferngesteuert, dann selbstfahrend

10.07.2020 | Verkehr Logistik

Robuste Hochleistungs-Datenspeicher durch magnetische Anisotropie

10.07.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics