Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Leibniz-Forschungsverbünde (II): Nanosicherheit

06.09.2012
Die Diskussion um die Sicherheit von Nanomaterialien nimmt zu: Wie verhalten sich Nanomaterialien im menschlichen Organismus? Welches Design benötigen Nanopartikel, um sicher zu sein? Wie kann man sie für neue Sicherheitsmerkmale und Sicherheitskennzeichen verwenden?
Diesen Themen widmet sich der neue Leibniz-Forschungsverbund „Nanosicherheit“. Fünf Leibniz-Institute sind daran beteiligt, die Federführung liegt beim Leibniz-Institut für Neue Materialien in Saarbrücken.

„Die Chancen und Risiken von Nanomaterialien sind so vielfältig, dass wir sie nicht nur aus einem Blickwinkel betrachten dürfen“, erklärt Eduard Arzt, Sprecher und Koordinator des Verbundes und wissenschaftlicher Geschäftsführer des INM. „Die Thematik erfordert einen Ansatz, der sehr verschiedene Aspekte miteinander verbindet: Dazu zählt nicht nur unser Fachwissen über chemische, physikalische, materialwissenschaftliche und biologische Aspekte“, sagt Arzt, ebenso wichtig sei die Verknüpfung zur Toxikologie, Medizin sowie zu sozialwissenschaftlichen Fragestellungen, auch für die Sicherheit zukünftiger Generationen. Deshalb kooperiere das INM im Verbund mit Leibniz-Instituten aus der Umweltmedizin, der Arbeitsforschung, der Wissensmedien sowie der Informationsinfrastruktur.

Das Projekt geht über das Verstehen und Entwickeln sicherer Nanomaterialien hinaus: In einem interdisziplinären Ansatz wollen die Projektbeteiligten die öffentliche Diskussion bereichern und zum Verständnis von „Nano“ beitragen. Auf dem Programm steht außerdem der Aufbau einer intelligenten Datenbank.

Die Arbeit des Forschungsverbundes gliedert sich in vier Blöcke. Im ersten Arbeitsblock untersuchen die Forscher die Wechselwirkung von Nanomaterialien mit Zellen, Geweben und Organen. Dazu werden Nanopartikel maßgeschneidert und ihr Weg in den Organismus mit hochauflösender Mikroskopie untersucht. Die Forscher untersuchen vor allem die Auswirkungen auf Lunge, Haut, Darmtrakt, Gefäße und Nerven. Auch mögliche Alterungs- und Entzündungsprozesse durch das Einwirken von Nanopartikeln stehen auf der Agenda. In einem zweiten Schritt sollen Testsysteme für sichere Nanopartikel entwickelt werden. Mit diesen Erkenntnissen könnten dann auch im industriellen Großmaßstab bioverträgliche Nanomaterialien hergestellt werden.

Der zweite Arbeitsblock nähert sich dem Thema Nanosicherheit von einer anderen Seite: Mit Nanomaterialien lassen sich versteckte Sicherheitsmerkmale fabrizieren: Banknoten, Dokumente, technische Bauteile, Medikamente oder hochwertige Verbrauchsgüter können mit solchen Labeln vor Produktpiraterie geschützt werden. Wie Nanomaterialien beschaffen sein müssen, um solche Label herzustellen und unverwechselbar zu machen und wie sich der Umgang mit dem fälschungssicheren Produkt ändert, sind die zentralen Fragen in diesem Arbeitsblock.

Im dritten Arbeitsblock will der Verbund die öffentliche Diskussion zu Nanofragen wissenschaftlich nachvollziehen. Die Forscher wollen herausfinden, wie sich der interessierte Bürger mithilfe verschiedener Medien nicht nur Faktenwissen aneignen kann, sondern ein tieferes Verständnis für die komplizierten und kontrovers diskutierten Zusammenhänge der Nanosicherheit erwerben kann; welche Medien und Kanäle, wie zum Beispiel Internet, Ausstellungen, Filme oder dialogische Mittel gerade der Laie nutzt, um sich über das Thema Nano zu informieren. Die Entwickler im vierten Arbeitsblock wollen eine vernetzte Informationsinfrastruktur schaffen. Damit wird es zukünftig möglich sein, alle eingehenden Ergebnisse, ob natur- oder sozialwissenschaftlich, dauerhaft aufzubewahren und sie in Bezug zueinander zu stellen.

Die Leibniz-Institute im Verbund:

• INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien, Saarbrücken
• IUF – Leibniz-Institut für Umweltmedizinische Forschung, Düsseldorf
• IfADo – Leibniz-Institut für Arbeitsforschung, Dortmund
• IWM – Leibniz-Institut für Wissensmedien, Tübingen
• FIZ Karlsruhe - Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur

Sprecher des Leibniz-Forschungsverbundes „Nanosicherheit“ und Koordinator ist Professor Eduard Arzt, Wissenschaftlicher Geschäftsführer und Vorsitzender der Geschäftsführung des INM.
Kontakt
Prof. Dr. Eduard Arzt
INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien gGmbH
Sprecher und Koordinator des Leibniz-Forschungsverbunds „Nanosicherheit“
Tel. +49 681 9300 500
E-Mail: Eduard.Arzt@inm-gmbh.de

Hintergrund:
Leibniz-Forschungsverbünde sind angelegt als fächergruppenübergreifende und für weitere Kooperationspartner offene, auf ein aktuelles Wissenschaftsproblem ausgerichtete, zeitlich befristete Zusammenschlüsse von Instituten. Die Leibniz-Forschungsverbünde sind damit das Instrument der Leibniz-Gemeinschaft, ihre Forschung strategisch weiter zu entwickeln und die Kompetenzen von Leibniz-Einrichtungen und weiteren Partnern zu bündeln. Leibniz-Forschungsverbünde sollen wissenschaftlich und gesellschaftlich aktuelle Aufgabenkomplexe aufgreifen und mit einem interdisziplinären Ansatz bearbeiten, der Natur-, Lebens- und Ingenieurwissenschaften mit Geistes- und Sozialwissenschaften verbindet.
Pressekontakt für die Leibniz-Gemeinschaft

Christian Walther
Tel.: 030 / 20 60 49 – 42
Mobil: 0173 / 513 56 69
walther@leibniz-gemeinschaft.de
Christoph Herbort-von Loeper
Tel.: 030 / 20 60 49 – 48
Mobil: 0174 / 310 81 74
herbort@leibniz-gemeinschaft.de
Die Leibniz-Gemeinschaft

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 86 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, und Sozialwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen strategisch und themenorientiert. Dabei bedienen sie sich verschiedener Forschungstypen wie Grundlagenforschung, anwendungsorientierter Forschung, wissenschaftlicher Infrastrukturen und forschungsbasierter Dienstleistungen. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Sie pflegt intensive Kooperationen mit den Hochschulen, u.a. über gemeinsame Wissenschaftscampi, und mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Ihre Einrichtungen unterliegen einem maßstabsetzenden transparenten und externalisierten Begutachtungsverfahren. Jedes Leibniz-Institut hat eine Aufgabe von gesamtstaatlicher Bedeutung. Daher fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 16.800 Personen, davon sind ca. 7.800 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, einschließlich der 3.300 Nachwuchswissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,4 Mrd. Euro, die Drittmittel betragen etwa 330 Mio. Euro pro Jahr.

Christian Walther | idw
Weitere Informationen:
http://www.leibniz-gemeinschaft.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Neue Lernwelt durch VR-Technologie
16.04.2019 | Universität Witten/Herdecke

nachricht Studie zu Perspektiven der beruflichen Bildung 2040 – Flexibilität schaffen
15.04.2019 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Geometrie eines Elektrons erstmals bestimmt

Physiker der Universität Basel können erstmals zeigen, wie ein einzelnes Elektron in einem künstlichen Atom aussieht. Mithilfe einer neu entwickelten Methode sind sie in der Lage, die Aufenthaltswahrscheinlichkeit eines Elektrons im Raum darzustellen. Dadurch lässt sich die Kontrolle von Elektronenspins verbessern, die als kleinste Informationseinheit eines zukünftigen Quantencomputers dienen könnten. Die Experimente wurden in «Physical Review Letters» und die Theorie dazu in «Physical Review B» veröffentlicht.

Der Spin eines Elektrons ist ein vielversprechender Kandidat, um als kleinste Informationseinheit (Qubit) eines Quantencomputers genutzt zu werden. Diesen Spin...

Im Focus: The geometry of an electron determined for the first time

Physicists at the University of Basel are able to show for the first time how a single electron looks in an artificial atom. A newly developed method enables them to show the probability of an electron being present in a space. This allows improved control of electron spins, which could serve as the smallest information unit in a future quantum computer. The experiments were published in Physical Review Letters and the related theory in Physical Review B.

The spin of an electron is a promising candidate for use as the smallest information unit (qubit) of a quantum computer. Controlling and switching this spin or...

Im Focus: Optische Superlinsen aus Gold

Oldenburger Forscher entwickeln neues optisches Mikroskop mit extrem hoher Auflösung

Eine kegelförmige Spitze aus Gold bildet das Kernstück eines neuen, extrem leistungsfähigen optischen Mikroskops, das Oldenburger Wissenschaftler in der...

Im Focus: Impfen über die Haut – Gezielter Wirkstofftransport mit Hilfe von Nanopartikeln

Forschenden am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam ist es gelungen Nanopartikel so weiterzuentwickeln, dass sie von speziellen Zellen der menschlichen Haut aufgenommen werden können. Diese sogenannten Langerhans Zellen koordinieren die Immunantwort und alarmieren den Körper, wenn Erreger oder Tumore im Organismus auftreten. Mit dieser neuen Technologieplattform könnten nun gezielt Wirkstoffe, zum Beispiel Impfstoffe oder Medikamente, in Langerhans Zellen eingebracht werden, um eine kontrollierte Immunantwort zu erreichen.

Die Haut ist ein besonders attraktiver Ort für die Applikation vieler Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen. Die geeigneten Zielzellen liegen in der...

Im Focus: Chaperone halten das Tumorsuppressor-Protein p53 in Schach: Komplexer Regelkreis schützt vor Krebs

Über Leben und Tod einer Zelle entscheidet das Anti-Tumor-Protein p53: Erkennt es Schäden im Erbgut, treibt es die Zelle in den Selbstmord. Eine neue Forschungsarbeit an der Technischen Universität München (TUM) zeigt, dass diese körpereigene Krebsabwehr nur funktioniert, wenn bestimmte Proteine, die Chaperone, dies zulassen.

Eine Krebstherapie ohne Nebenwirkungen, die gezielt nur Tumorzellen angreift – noch können Ärzte und Patienten davon nur träumen. Dabei hat die Natur ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Kindermediziner tagen in Leipzig

22.05.2019 | Veranstaltungen

Jubiläumskongress zur Radiologie der Zukunft

22.05.2019 | Veranstaltungen

Wissensparcour bei der time4you gestartet

22.05.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Geometrie eines Elektrons erstmals bestimmt

23.05.2019 | Physik Astronomie

Galaxien als „kosmische Kochtöpfe“

23.05.2019 | Physik Astronomie

Auflösen von Proteinstau am Eingang von Mitochondrien

23.05.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics