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Innovationen in der beruflichen Weiterbildung stärken

26.06.2018

Drei Jahre lang haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Würzburg und Ludwigsburg die Professionsentwicklung in der beruflichen Weiterbildung untersucht. Jetzt haben sie bei einer Praxisveranstaltung ihre Zwischenergebnisse präsentiert.

81 Prozent der 18- bis 64-Jährigen, die 2016 in Deutschland an einer Weiterbildungsmaßnahme teilgenommen haben, taten dies im betrieblichen beziehungsweise individuell-berufsbezogenen Segment. Sie haben Vorträge oder Wochenendkurse, Lehrgänge oder Seminare, Techniker- oder Meisterschulen besucht – entweder im eigenen Betrieb beziehungsweise am Arbeitsplatz, in speziellen Fortbildungsstätten, bei Verbänden, Handwerkskammern oder im Fernunterricht.


Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion (v.l.): Ingeborg Schüßler, German Denneborg, Ansgar Klinger, Regina Egetenmeyer, Martina Schröder und Walter Würfel.

Foto: Rachel Camenzuli

Unter welchen Bedingungen die zahlreichen Anbieter beruflicher Weiterbildungsangebote arbeiten, wie sie sich auf neue Herausforderungen einstellen, welche „Kontur“ ihre Professionsentwicklung in der beruflichen Weiterbildung hat: Das zu analysieren ist Ziel des Forschungsprojekts KOPROF – Konturen der Professionsentwicklung in der beruflichen Weiterbildung. Anforderungen an die Professionalisierung des Personals.

Praxis und Wissenschaft im Dialog

Unter der Leitung der Professorinnen Ingeborg Schüßler (PH Ludwigsburg) und Regina Egetenmeyer (Universität Würzburg) haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Professionalitätsentwicklung in ausgewählten Einrichtungen untersucht. Ihr Interesse galt dabei unter anderem den gesellschaftlich-institutionellen Rahmenbedingungen von Einrichtungen, der Professionalitätsentwicklung in den Organisationen, den Tätigkeitsstrukturen und der Rollenpluralität sowie den Herausforderungen und Spannungsfeldern im Rahmen beruflicher Weiterbildung.

In einer Veranstaltung haben sie jetzt Zwischenergebnisse ihrer Untersuchungen präsentiert und mit zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern der Praxis der beruflichen Weiterbildung diskutiert.

Dabei ging es um Fragen wie etwa: Wie beeinflussen demografische Entwicklungen die Angebote und Programme der Einrichtungen? Welche staatlichen Förderungen steuern die Professionalitätsentwicklung? In welcher Form unterstützt die Verbandsarbeit die Professionalität der Einrichtungen? Wie profilieren sich die Einrichtungen am Weiterbildungsmarkt?

Gute Arbeit trotz schwieriger Bedingungen

„Viele Weiterbildungseinrichtungen leisten hervorragende Arbeit, obwohl ihre Rahmenbedingungen häufig viel anspruchsvoller sind, als in anderen Bildungsbereichen. Professionalität in Weiterbildungseinrichtungen steht in einem engen Wechselverhältnis mit der Organisationsentwicklung und den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen“, nennt Regina Egetenmeyer ein zentrales Ergebnis der Studie. Gleichzeitig habe sich gezeigt: „Professionalitätsentwicklung bedarf der Berücksichtigung der unterschiedlichen Bedingungen und Zielsetzungen der Einrichtungen“, wie Reinhard Lechner, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Erwachsenenbildung / Weiterbildung sagt.

Und Lisa Breitschwerdt, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Erwachsenenbildung / Weiterbildung der Uni Würzburg ergänzt: „Sich zu professionalisieren ist heute nicht mehr nur Aufgabe der einzelnen Person. Möglichkeiten zur Professionalitätsentwicklung stehen in einem ganz engen Zusammenhang mit der Weiterbildungseinrichtung, in deren Kontext professionelles Handeln stattfindet, beispielsweise durch Fortbildungsmöglichkeiten, Stellenprofile oder eine entsprechende Organisationskultur.“

Um die Innovationskraft von Weiterbildungseinrichtungen zu stärken, schlagen die Expertinnen und Experten vor, drei Punkten besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen: Zum einen ist eine Ausweitung der akademischen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für das Personal in der Weiterbildung notwendig.

Weil die Organisationsentwicklung in Weiterbildungseinrichtungen für die Professionalisierung des Personals eine wichtige Rolle einnimmt, ist zum zweiten eine angemessene finanzielle Unterstützung der Einrichtungen erforderlich. Zum dritten müssen öffentliche Ausschreibungen und Finanzierungsmodi von Weiterbildung so gestaltet werden, dass ausreichende Freiräume für exzellente weiterbildnerische Arbeit möglich sind.

Innovative Ansätze für die Weiterbildung

Insgesamt acht Einrichtungen der Weiterbildung haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen von KOPROF in Baden-Württemberg und Bayern untersucht. Zu den an der Universität Würzburg untersuchten Einrichtungen zählten die IHK Würzburg-Schweinfurt, die VHS Cham, das bfz Würzburg und der Deutsche Verband der Ergotherapeuten.

Drei Jahre haben die Untersuchungen inklusive Vor- und Nachbereitung gedauert. Die Studie war Teil des Förderschwerpunkts „Innovative Ansätze zukunftsorientierter beruflicher Weiterbildung“ InnovatWB, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung und das Bundesinstitut für berufliche Bildung ins Leben gerufen haben.

Vertreterinnen und Vertreter aus Praxis, Bildungsadministration, Verbandsarbeit und Forschung waren zu der Praxisveranstaltung nach Würzburg gekommen, um dort die ersten Ergebnisse aus dem Projekt zu diskutieren. Auf dem Programm standen einführende Vorträge zur Professionsentwicklung in der beruflichen Weiterbildung, vier Workshops und eine abschließende Podiumsdiskussion. Dabei konnten die Teilnehmenden im Austausch aktuelle Aktivitäten, Perspektiven und künftige Potentiale der Professionalitätsentwicklung weiterentwickeln.

Vielgestaltige Professionalität aufzeigen

Andrea Szczesny, Vizepräsidentin der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, betonte in ihrer Rede zur Eröffnung der Veranstaltung die Wichtigkeit der Förderung und Weiterentwicklung von Professionalisierungsprozessen.

Claudia Zaviska vom BIBB informierte die Teilnehmenden über den dreijährigen Forschungsförderschwerpunkt „InnovatWB“, in dem insgesamt 34 Projekte umgesetzt werden. Bearbeitet werden Fragestellungen von Steuerungslogiken, Kompetenzentwicklung oder Digitalisierung. Ziel des Programms ist die Stärkung der Innovationsfähigkeit der beruflichen Weiterbildung.

„Weiterbildnerinnen und Weiterbildner können nur so professionell agieren, wie es die institutionellen Rahmenbedingungen zulassen“, sagte Zaviska. Neben gezielten individuellen Fortbildungen sei es für die Professionalisierung des Weiterbildungspersonals erforderlich, „dass die Weiterbildungsorganisationen gestärkt und in regionale Professionalisierungsstrategien eingebunden sind“.

Ingeborg Schüßler verwies in ihrem Vortrag auf den Wandel gesellschaftlicher und institutioneller Kontexte, in dem Professionalitätsentwicklung stattfindet. Regina Egetenmeyer stellte basierend auf den Forschungsergebnissen Innovationsperspektiven der Professionalitätsentwicklung in der beruflichen Weiterbildung vor.

In der abschließenden Podiumsdiskussion gaben Ministerialdirigent German Denneborg vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Ansgar Klinger von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Martina Schröder vom Arbeitsbereich Berufs- und Wirtschaftspädagogik der Universität Siegen und Walter Würfel vom Bundesverband der Träger beruflicher Bildung e V. Einblicke in ihre Tätigkeiten und brachten im Austausch ihre Professionalitätsperspektiven ein. Im Kontext der anstehenden gesetzlichen Novellierungen für das Erwachsenenbildungsförderungsgesetz in Bayern wurden die Innovationsförderung für das Feld angesprochen wie auch berufsrechtliche und -inhaltliche Spannungsfelder, die im Dialog zwischen Praxis und Politik künftig weiter angegangen werden müssen.

Kontakt

Prof. Dr. Regina Egetenmeyer-Neher, Professur für Erwachsenenbildung / Weiterbildung
T: +49 931 31-83898, regina.egetenmeyer@uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

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