Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn der Koch vom College kommt ... - Bildungsexperten aus zehn Ländern am Institut Arbeit und Technik

29.11.2005


Konferenz zur Berufsbildung im internationalen Vergleich



Der forcierte Ausbau der Universitätsausbildung in Deutschland gefährdet das duale System der Berufsbildung. Die Konkurrenz zwischen Aufsteigern aus dem dualen System und Hochschulabsolventen mit Bachelor-Abschluss um die Fachtätigkeiten mit Führungsaufgaben wächst, traditionelle Karrieren vom Facharbeiter ins mittlere Management werden blockiert. "Es besteht die Gefahr, dass das duale System die besten Jugendlichen verliert" warnte Prof. Dr. Gerhard Bosch, Vizepräsident des Instituts Arbeit und Technik (IAT) heute auf einer Konferenz in Gelsenkirchen. Bildungsexperten aus zehn Ländern diskutierten hier über Perspektiven der beruflichen Bildung im internationalen Vergleich.



Die Konferenz ist Teil eines von der Humboldt-Stiftung, dem Institut Arbeit und Technik, der Kanadischen Regierung und dem kanadischen Forschungsnetzwerk CRIMT (Centre de Recherche Interuniversitaire sur la Mondialisation et le Travail) geförderten Projektes, in dessen Rahmen die Berufsbildungssysteme in 10 Ländern (Australien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Korea, Marokko, Mexiko, USA) untersucht werden. Projektleiter sind Prof. Bosch und Prof. Jean Charest (University of Montreal).

In den meisten Ländern hat die klassische berufliche Bildung seit 1990 erheblich an Bedeutung verloren und wurde zum Teil an Schulen, Colleges und Universitäten verlagert. So liegt der Anteil der Universitätsabsolventen in einer Jahrgangsgruppe in Australien z.B. bei 42 Prozent, in England bei 37 Prozent. Deutschland rangiert mit 19 Prozent weit unter dem OECD-Durchschnit von 30 Prozent. "Daraus darf aber nicht gefolgert werden, dass die Akademikerquote in Deutschland pauschal gesteigert werden müsste, vor allem bei der Akademisierung bislang nicht akademischer Tätigkeiten und Berufe ist Vorsicht angebracht", so Prof. Bosch.

Der internationale Vergleich birgt Fallen: Vor allem in den angelsächsischen und romanischen Ländern gibt es kaum Alternativen zur Hochschulausbildung. Mangels anderer Möglichkeiten sind dort die Akademikerquoten künstlich aufgebläht. Jugendliche und Eltern sehen den Zugang zu gut bezahlten und interessanten Tätigkeiten nur über die Hochschulen. Dagegen ist in Deutschland der Aufstieg aus dem dualen System durch Zusatzqualifikationen möglich - rund zwölf Prozent der Absolventen eines Jahrgangs schlagen diesen Weg ein.

Rund 60 Prozent der Jugendlichen zwischen 16 und 25 Jahren vollendeten 2003 ein Berufsbildungsprogramm, drei Viertel von ihnen eine Lehre im Dualen System. Das ist auch der Grund für die vergleichsweise niedrige Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland, da gerade in Zeiten allgemein hoher Arbeitslosigkeit Jugendliche besser in den Arbeitsmarkt integriert werden. Ohne ein solches System bleiben gerade diejenigen, die neu auf den Arbeitsmarkt kommen, außen vor.

Trotz aller Vorteile des dualen Systems besteht nicht zuletzt aufgrund des strukturellen Wandels Reformbedarf. Seit 1996 wurden 64 neue Berufsbilder geschaffen, 190 Lehrberufe modernisiert. Aufgrund der Konkurrenz zum Hochschulsystem wird es notwendig, die Qualität der dualen Ausbildung zu verbessern, Aufstiegswege und Übergänge zwischen den Systemen aufzuzeigen und mehr Durchlässigkeit zum Hochschulsystem zu ermöglichen. "Es macht aber wenig Sinn, sich nur einzelne Teile des Bildungssystems vorzunehmen", so Bosch. Zielgrößen für das gesamte Bildungssystem bis 2010 könnten sein: die Halbierung des Anteils von Jugendlichen ohne Berufsausbildung auf 8 Prozent, 25 Prozent Hochschulabsolventen, 5 bis 8 Prozent "Aufsteiger" aus dem dualen System und 60+ Prozent in der dualen und schulischen Berufsausbildung.

Für weitere Fragen stehen
Ihnen zur Verfügung:
Prof. Dr. Gerhard Bosch
Durchwahl: 0209/1707-147

Pressereferentin
Claudia Braczko
Munscheidstraße 14
45886 Gelsenkirchen
Tel.: +49-209/1707-176
Fax: +49-209/1707-110
E-Mail: braczko@iatge.de
info@iatge.de

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.iatge.de
http://iat-info.iatge.de/aktuell/veransta/2005/051128.pdf

Weitere Berichte zu: Bildungssystem College Hochschulsystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht UKE-Wissenschaftler erforschen frühe Weichenstellung für komplexes Lernen
13.11.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Digitalisierung: Schulprojekt des Zweckverbandes Breitband Altmark geht in die Auswertungsrunde
02.11.2018 | Zweckverband Breitband Altmark (ZBA)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Im Focus: A Chip with Blood Vessels

Biochips have been developed at TU Wien (Vienna), on which tissue can be produced and examined. This allows supplying the tissue with different substances in a very controlled way.

Cultivating human cells in the Petri dish is not a big challenge today. Producing artificial tissue, however, permeated by fine blood vessels, is a much more...

Im Focus: Optimierung von Legierungswerkstoffen: Diffusionsvorgänge in Nanoteilchen entschlüsselt

Ein Forschungsteam der TU Graz entdeckt atomar ablaufende Prozesse, die neue Ansätze zur Verbesserung von Materialeigenschaften liefern.

Aluminiumlegierungen verfügen über einzigartige Materialeigenschaften und sind unverzichtbare Werkstoffe im Flugzeugbau sowie in der Weltraumtechnik.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

Wer rechnet schneller? Algorithmen und ihre gesellschaftliche Überwachung

12.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Emulsionen masschneidern

15.11.2018 | Materialwissenschaften

LTE-V2X-Direktkommunikation für mehr Verkehrssicherheit

15.11.2018 | Informationstechnologie

Daten „fühlen“ mit haptischen Displays

15.11.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics