Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sicherheitsstandard bei Bauwerken sinkt dramatisch

24.09.2001


Chaotische Baustellenverhältnisse und Pfusch am Bau nehmen in Deutschland immer größere Ausmaße an. Am Rande der Jahrestagung der 800 Mitglieder großen Bundesvereinigung der Prüfingenieure für Bautechnik e.V. (VPI) wies Präsident Dr. Günter Timm (Hamburg) am Montag vor der Presse in Potsdam daraufhin, dass in den letzten zehn Jahren allein im Neubaubereich die Zahl der Mängel um mindestens zehn Prozent angestiegen sei. Die technische Sicherheit habe bei allen Bauwerken abgenommen, sagte er. Mit Sorge registriere er vor allem eine deutliche Zunahme von Schäden seit der Abschaffung der hoheitlichen bautechnischen Prüfung von Einfamilienhäusern. Gleichzeitig habe die Rechtsunsicherheit der Bauherren zugenommen.

Der VPI-Präsident appellierte an die Bauministerkonferenz ARGEBAU, dies bei der Fortschreibung der Musterbauordnung zu berücksichtigen. Die Musterbauordnung soll Leitlinie für die einzelnen Landesbauordnungen sein. Die Hauptkritik der Prüfingenieure richtet sich gegen die im Entwurf festgeschriebene Absicht, künftig auf weitere hoheitlich durchgeführte bautechnische Kontrollen durch die Bauaufsicht oder einen Prüfingenieur für Bautechnik zu verzichten. Bei dem Trend, den einzelnen Bauherren immer mehr in die Pflicht zu nehmen, handele es sich um falsch verstandene Deregulierung, die den Pfusch am Bau fördere. "Wo nicht mehr unabhängig geprüft wird, wird auch nicht ordnungsgemäß geplant", sagte Dr. Timm. Die mit der Streichung einer unabhängigen Kontrolle verbundene Einsparung von etwa 0,6 Prozent der Baukosten stehe in keinem Verhältnis zu dem Frust vieler betroffener Bauherren, langjährigen gerichtlichen Auseinandersetzungen und kostenträchtigen nachträglichen Reparaturen. Es sei die Pflicht der Bauaufsichtsbehörden, darüber zu wachen, dass die öffentlich-rechtlichen Vorschriften auch tatsächlich eingehalten werden. Die BSE-Krise habe bewiesen, welche verheerenden Folgen es haben kann, wenn von Staats wegen nicht geprüft wird.

Die Prüfingenieure wiesen darauf hin, dass sich die Bedingungen für das Planen und Bauen in den letzten zehn Jahren erheblich verschlechtert haben. Jedes Bundesland hat eine eigene Baugesetzgebung, die Vielfalt der unterschiedlichen Genehmigungsverfahren erschwerten die Arbeit von Ingenieuren und Architekten. Festgestellt werden mehr Planungsfehler, schlechte Bauausführung und mangelhafte Qualität des Materials. Diese Entwicklung sei die Folge tiefgreifender Veränderungen bei den vertraglichen Strukturen. Gab es früher den Architekten als Treuhänder des Bauherrn, der Planung und Bauleitung übernahm, so wird heute vielfach vom Bauträger oder Generalunternehmer das Gebäude schlüsselfertig erstellt und verkauft. Der Bauherr kauft also in der Regel ein Haus, auf dessen Planung und Erstellung er nur geringen Einfluß hat. Hinzu kommt, dass im Zuge des Rückgangs der Tätigkeit auf dem Bausektor das Arbeiten aller am Bau Beteiligten zu Niedrigstpreisen zur Regel geworden. Es gibt immer mehr Abstimmungsprobleme zwischen den vielen verschiedenen am Bau beteiligten Gewerken sowie Termindruck in Planung und Ausführung.

Laut Bauschadensbericht der Bundesregierung sind 80 Prozent der Fehler im Bauwesen vermeidbar. Allein diese Tatsache beweise, wie wichtig eine vorbeugende Kontrolle durch einen unabhängigen Prüfingenieur ("Vier-Augen-Prinzip") ist. Bei Einfachstbauten ohne statische Probleme könne auf die bautechnische Prüfung verzichtet werden, so Dr. Timm. Fahrlässig wäre es allerdings, wenn die Grenze für den Verzicht auf bautechnische Kontrollen im Wohnungsbau von der Länge einer Feuerwehrleiter oder von der Grundfläche einer Tiefgarage im Untergeschoss eines Wohngebäudes abhängig gemacht wird. Das Tragwerk eines Einfamilienhauses könne wesentlich komplizierter sein als das statische System eines mehrgeschossigen Wohnhauses. Kriterien dafür, ob ein Gebäude geprüft werden soll oder nicht, dürften nur vom Schwierigkeitsgrad und dem Risikopotential eines Tragwerks und nicht allein von den Größen abhängig gemacht werden.

Bauwerkspass: Gesicherte Unterlagen für den Bauherrn

Die deutliche Zunahme bei den Bauschäden und die gleichzeitig größer gewordene Eigenverantwortung des einzelnen Bauherrn haben die Prüfingenieure in Zusammenarbeit mit der Ingenieurkammer und dem Deutschen Institut für Prüfung und Überwachung (DPÜ) veranlaßt, einen Bauwerkspass herausgegeben. Es handelt sich um eine Dokumentation mit allen wichtigen technischen Informationen über das Gebäude an die Hand geben, auf die sie jederzeit, z.B. bei Bauschäden oder Umbauten, zurückgreifen bzw. im Fall des Verkaufs dem Interessenten vorlegen können.

Die Prüfingenieure empfehlen die bundesweite Einführung eines Bauwerkspasses auch deshalb, weil es konkrete Überlegungen gibt, dass die Dokumentationspflicht der Unteren Bauaufsichtsbehörden immer mehr eingeschränkt und teilweise sogar ganz abgeschafft werden soll, um den Staat von den Archivierungsaufgaben zu entlasten. Dies lehnt die Bundesvereinigung der Prüfingenieure entschieden ab. Die Archivierung von Bestandsunterlagen aus Planung und Ausführung von Bauwerken sei für die öffentliche Sicherheit äußerst wichtig.Der Bauwerkspass kann von den am Bau Beteiligten (Planern, Prüfer etc.) mit relativ geringem Aufwand ausgestellt werden. Der Bauwerkspass ist im Internet abrufbar.

Hövener-Hetz | ots
Weitere Informationen:
http://www.bvpi.de

Weitere Berichte zu: Bauwerkspass

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Kaiserslauterer Architekten setzen Holzkuppel dank Software einfach wie Puzzle zusammen
19.09.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht StadtLandNavi entwickelt anpassungsfähige Tools für ein nachhaltiges Flächenmanagement
11.09.2018 | HafenCity Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Therapien bei Gefäßerkrankungen

Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) vom 12. bis 15. September in Münster stellten Gefäßspezialisten aus ganz Deutschland die neuesten Therapien bei Gefäßerkrankungen vor. Vor allem in den Bereichen periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) und venöse Verschlusskrankheiten wie die Tiefe Venenthrombose (TVT) gibt gute Neuigkeiten für die Patienten. Viele der 720 Gefäßspezialisten, die an der Jahrestagung teilnahmen, stellten neueste Studienergebnisse vor.

Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Gefäßerkrankungen, allein rund fünf Millionen unter der „Schaufensterkrankheit“, medizinisch periphere...

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mit traditionellen Methoden gegen extreme Trockenheit

24.09.2018 | Geowissenschaften

Europäische Spitzenforschung auf der EuMW

24.09.2018 | Messenachrichten

Neue Therapien bei Gefäßerkrankungen

24.09.2018 | Medizintechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics