Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schweizer Projekt will urbane Hitzeinseln entschärfen

29.02.2008
Verringerung des Energieaufwands für die Wärmeregulierung in Gebäuden

Eine Schweizer Forschergruppe der ETH Lausanne untersucht im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms (NFP) "Nachhaltige Siedlungs- und Infrastrukturentwicklung", wie sich mit innerstädtisch höheren Temperaturen - so genannten "Hitzeinseln" - besser umgehen lässt. Ziel der Studie ist eine Verringerung des Energieaufwands für die Wärmeregulierung in Gebäuden. Vor allem in Großstädten in wärmeren Regionen spielen diese Hitzeinseln eine immer größere Rolle.

"Urbane Wärmeinseln entstehen dadurch, dass Menschen im Alltag enorme Mengen von Energie verbrauchen, die zu einem Großteil in Wärme umgewandelt wird. Zudem werden Gebäudeflächen von der Sonne beschienen und die Baumaterialien nehmen die Sonnenwärme äußerst effizient auf", erklärt der NFP-Programmkoordinator Stefan Husi gegenüber pressetext. Ein typisches Beispiel dafür sei die um bis zu zehn Grad höhere Temperatur in den städtischen Ballungszentren im Vergleich zum Freiland, die auch während der Nacht bestehen bleibt. Je nach Klima und Jahreszeit kann eine solche Hitzeinsel dazu beitragen, dass der Energieaufwand für die Gebäude entweder steigt oder sinkt. "Mit den Forschungsleitern Alain Clappier und Darren Robinson von der ETH-Lausanne soll nun ein Tool entwickelt werden, das in der Praxis verwendet werden kann", erklärt Husi. Eine wesentliche Rolle in der urbanen Aufheizung spielen beispielsweise Klimaanlagen, die zwar Gebäude innen kühl halten, allerdings Abwärme abgeben und den Energieverbrauch nach oben schrauben.

Das Ausmaß der Erwärmung einer Stadt hänge von verschiedenen Faktoren wie etwa der Größe und Farbe der Gebäude, von den verwendeten Baumaterialien, der Breite und der Ausrichtung der Straßen oder von der Bevölkerungsdichte ab, erklärt Husi einen Teil des komplexen Systems. Klar ist, dass urbane Hitzeinseln die Energiebilanz in städtischen Gebieten beeinflussen. Die Wissenschaftler wollen nun allerdings genau berechnen, wie sich diese Bilanz am ehesten verbessern lässt. "Die Situation ist allerdings an jedem Ort anders", meint der Forscher Alain Clappier. Es gebe keine allgemeingültige Antwort.

Um der Problematik dennoch einen Schritt näher zu kommen, haben die Wissenschaftler ein Modell auf drei Modulen entwickelt, mit dem sich das Phänomen nachbilden lässt. Das erste Modul simuliert die meteorologischen Daten eines Orts mit Temperatur, Windgeschwindigkeit und Windrichtung. Mit dem zweiten Modul wird der Wärmeaustausch berechnet, mit dem dritten wird die Energiebilanz der einzelnen Gebäude betrachtet. Beim Testen des Modells haben die Forscher auf Untersuchungen, die im Rahmen der Messkampagne BUBBLE in Basel durchgeführt wurden, zurückgreifen können. Die ersten Versuche fielen sehr viel versprechend aus, denn das Modell und die Messungen vor Ort stimmten überein. Die beiden Wissenschafter können nun Szenarien zur städtischen Entwicklung erstellen - indem sie Quartiere und Städte virtuell verändern oder bauen - und die Auswirkungen auf das Phänomen der urbanen Hitzeinsel untersuchen.

Das Modell liefere zwar auch keine Lösungsvorschläge, sondern zeige lediglich auf, welche ökologischen Folgen verschiedene städtebauliche Szenarien hätten. Es handelt sich somit in erster Linie um eine Entscheidungshilfe, mit der sich ein noch allzu häufig vernachlässigter Faktor berücksichtigen lässt. "Im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung führt allerdings kein Weg an einer Verbesserung der Energiebilanz in den Städten vorbei", meint auch Husi, der die globale Bedeutung des Problems betont. Ein optimaler Umgang mit dem Phänomen der urbanen Hitzeinseln könne einen wesentlichen Beitrag zur Energieeinsparung und damit zur Reduktion von Treibhausgasemissionen leisten.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nfp54.ch
http://www.epfl.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Vergangenheit trifft Zukunft
16.04.2019 | Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme

nachricht Forschungsprojekt „BlueGreenStreets“ entwickelt multifunktionale Infrastruktur für die Zukunft
11.04.2019 | HafenCity Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neuer LED-Leuchtstoff spart Energie

Das menschliche Auge ist für Grün besonders empfindlich, für Blau und Rot hingegen weniger. Chemiker um Hubert Huppertz von der Universität Innsbruck haben nun einen neuen roten Leuchtstoff entwickelt, dessen Licht vom Auge gut wahrgenommen wird. Damit lässt sich die Lichtausbeute von weißen LEDs um rund ein Sechstel steigern, was die Energieeffizienz von Beleuchtungssystemen deutlich verbessern kann.

Leuchtdioden oder LEDs können nur Licht einer bestimmten Farbe erzeugen. Mit unterschiedlichen Verfahren zur Farbmischung lässt sich aber auch weißes Licht...

Im Focus: Münchner Lichtquanten-Destillerie

Garchinger Physiker entwickeln eine Technik, um reine einzelne Photonen zu extrahieren

Das Destillieren von Spirituosen steigert den Gehalt von Alkohol relativ zum Wasseranteil. Ähnlich wirkt eine Methode auf Lichtquanten, Photonen, die ein Team...

Im Focus: Energy-saving new LED phosphor

The human eye is particularly sensitive to green, but less sensitive to blue and red. Chemists led by Hubert Huppertz at the University of Innsbruck have now developed a new red phosphor whose light is well perceived by the eye. This increases the light yield of white LEDs by around one sixth, which can significantly improve the energy efficiency of lighting systems.

Light emitting diodes or LEDs are only able to produce light of a certain colour. However, white light can be created using different colour mixing processes.

Im Focus: Quantenmaterie fest und supraflüssig zugleich

Forscher um Francesca Ferlaino an der Universität Innsbruck und an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften haben in dipolaren Quantengasen aus Erbium- und Dysprosiumatomen suprasolide Zustände beobachtet. Im Dysprosiumgas ist dieser exotische Materiezustand außerordentlich langlebig, was die Tür für eingehendere Untersuchungen weit aufstößt.

Suprasolidität ist ein paradoxer Zustand, in dem die Materie sowohl supraflüssige als auch kristalline Eigenschaften besitzt. Die Teilchen sind wie in einem...

Im Focus: Quantum gas turns supersolid

Researchers led by Francesca Ferlaino from the University of Innsbruck and the Austrian Academy of Sciences report in Physical Review X on the observation of supersolid behavior in dipolar quantum gases of erbium and dysprosium. In the dysprosium gas these properties are unprecedentedly long-lived. This sets the stage for future investigations into the nature of this exotic phase of matter.

Supersolidity is a paradoxical state where the matter is both crystallized and superfluid. Predicted 50 years ago, such a counter-intuitive phase, featuring...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz: Lernen von der Natur

17.04.2019 | Veranstaltungen

Mobilität im Umbruch – Conference on Future Automotive Technology, 7.-8. Mai 2019, Fürstenfeldbruck

17.04.2019 | Veranstaltungen

Augmented Reality und Softwareentwicklung: 33. Industrie-Tag InformationsTechnologie (IT)²

17.04.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer LED-Leuchtstoff spart Energie

24.04.2019 | Energie und Elektrotechnik

Control 2019: Fraunhofer IPT stellt High-Speed-Mikroskop mit intuitiver Gestensteuerung vor

24.04.2019 | Messenachrichten

Warum der moderne Mensch aus Afrika kommt

24.04.2019 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics