Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wurmmittel für Weidetiere können die Keimung von Pflanzensamen beeinflussen

27.04.2017

Standardpräparat schränkt Entwicklung um bis zu zwei Drittel ein

Was der Gesundheit von Weidetieren wie Rindern und Schafen nutzt, kann der Vermehrung von Pflanzen schaden. Das haben Wissenschaftler in einer Studie unter Federführung von Dr. Carsten Eichberg von der Universität Trier herausgefunden.


Insbesondere Schafe tragen erheblich zum Austausch von Pflanzensamen und somit zum Artenreichtum bei.

Foto: Katrin Kifner

Erstmalig haben die Forscher gezeigt, dass ein Standardpräparat zur Bekämpfung von Parasiten bei Weidetieren die Keimung typischer Pflanzenarten des Graslandes um bis zu zwei Drittel einschränkt. Die Europäische Kommission schätzt diese neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse als sehr relevant ein und hat sie nun auf ihrer Homepage veröffentlicht.

Sie könnten auch Auswirkungen für die Halter von Weidetieren haben: Ihnen empfehlen die Forscher aus ökologischen Gründen, das Wurmmittel nur in Zeiträumen zu verabreichen, in denen die pflanzliche Vermehrung möglichst wenig beeinträchtigt wird - sofern sich dies mit tiergesundheitlichen Aspekten vereinbaren lässt.

Die Studie wurde von Dr. Carsten Eichberg (Geobotanik der Universität Trier) in Zusammenarbeit mit PD Dr. Tobias W. Donath (Landschaftsökologie, Universität Kiel), Dipl.-Chem. Manuel Wohde und Prof. Dr. Rolf-Alexander Düring (Bodenkunde und Bodenerhaltung, Universität Gießen) erstellt.

Wurmmittel wie das Standardpräparat Cydectin® werden Rindern, Schafen und anderen Weidetieren verabreicht, um Innenparasiten zu bekämpfen. Vor allem Fadenwürmer können die Gesundheit der Tiere erheblich beeinträchtigen. Bei der Bekämpfung spielt insbesondere die Wirkstoffgruppe der makrozyklischen Laktone eine wichtige Rolle. Diese wirken bereits in kleiner Dosis, haben aber nur geringe Nebenwirkungen auf Weidetiere.

Seit Längerem weiß man, dass Rückstände von Wurmmitteln im Dung Larven von Käfern und Fliegen erheblich schädigen können, die für den Abbau des Dungs wichtig sind. Über mögliche toxische Wirkungen von Wurmmitteln auf Pflanzen war dagegen bisher kaum etwas bekannt.

Neben Insektenlarven befinden sich im Dung auch keimfähige Pflanzensamen, die Weidetiere in ihrem Inneren in großer Anzahl transportieren. Insbesondere Schafe tragen erheblich zum Austausch von Samen und somit zu Artenreichtum bei, der durch intensive Landnutzung im europäischen Grasland gefährdet ist. Der Ausbreitungsprozess gelingt aber nur, wenn der Samen nach dem Ausscheiden keimen kann und nicht durch Wurmmittel eingeschränkt wird.

Die Idee, die potenzielle Toxizität von Wurmmitteln zu testen, ergab sich aus einem Versuchsergebnis im Rahmen einer von Dr. Carsten Eichberg im Fach Geobotanik der Universität Trier betreuten Masterarbeit zur Ausbreitung von Samen in Schafdung. Hierbei kam es zu untypisch niedrigen Keimlingszahlen von Samen aus dem Dung von Schafen, die zuvor mit dem Wurmmittel Cydectin® behandelt worden waren.

Das Forscherteam testete daher den Einfluss dieses Wurmmittels und seines Wirkstoffes Moxidectin auf die Keimung der drei Pflanzenarten Spitz-Wegerich (Plantago lanceolata), Echtes Labkraut (Galium verum) und Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), die regelmäßig auf beweidetem Grasland vorkommen. In einem Fütterungsversuch wurden den Schafen die Samen des Spitz-Wegerichs in definierter Menge verabreicht.

Ein Teil der Schafe bekam danach Cydectin® verabreicht, der andere Teil diente als Kontrollgruppe. Anschließend zeigten Keimungsversuche im Gewächshaus, dass aus dem Dung der behandelten Tiergruppe nahezu zwei Drittel weniger Keimlinge hervorgingen. Zusätzlich ergab ein Klimaschrank-Versuch, in dem die Samen aller drei Arten verschiedenen Konzentrationsstufen von Cydectin® bzw. Moxidectin ausgesetzt wurden, dass sich die Anzahl der Keimlinge verringerte. Darüber hinaus kam es zu Verzögerungen in der Keimung.

Diese ersten Erkenntnisse hat die Europäische Kommission nun auf ihrer Homepage aufgegriffen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind die Effekte von Moxidectin von konkreten Gegebenheiten der Umwelt und des Weidemanagements abhängig. Wie viele Pflanzenarten betroffen sind, müssen nun weitere Studien zeigen.

Kontakt:
Dr. Carsten Eichberg
Universität Trier/Geobotanik
Tel. 0651/201-2248
E-Mail: eichberg@uni-trier.de

Peter Kuntz | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Bäume im Klimawandel: Schneller groß mit leichterem Holz
14.08.2018 | Technische Universität München

nachricht Göttinger Agrarökologen erforschen Nahrungsnetze von Bestäubern und natürlichen Gegenspielern
07.08.2018 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics