Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland im Januar 2009 [1]

Auch solche Schwellenländer, die sich der Abwärtsbewegung zunächst entziehen konnten, sehen sich spürbar gedämpften Wachstumsperspektiven gegenüber. Dies alles hat deutliche Spuren in der deutschen Wirtschaft hinterlassen.

Insbesondere die stark exportabhängige deutsche Industrie ist in Mitleidenschaft gezogen. Die Konjunkturindikatoren deuten an, dass sich der wirtschaftliche Abschwung im vierten Quartal – nach einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um preis-, kalender- und saisonbereinigt [2] von 0,5 % im dritten Quartal – noch einmal beschleunigt fortgesetzt hat und nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes in einer Spanne zwischen -1,5 % und -2,0 % liegen dürfte.

Im abgelaufenen Jahr insgesamt legte die Wirtschaftsleistung daher – weniger deutlich als erwartet – preisbereinigt um 1,3 % [3] bzw. kalenderbereinigt um 1,0 % zu. Gleichzeitig erreichte die Beschäftigung mit jahresdurchschnittlich 40,35 Mio. Personen in 2008 den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung.

Für das aktuelle Jahr bleiben die Perspektiven zunächst stark eingetrübt. Dafür sprechen die Tiefstände wichtiger Stimmungsindikatoren. Zudem bestehen die Risiken aus den Finanzmarktverwerfungen, trotz gewisser Anzeichen einer Stabilisierung, nach wie vor fort. Weltweit stemmen sich aber Regierungen und Zentralbanken gegen den Wirtschaftseinbruch und die Finanzmarktkrise. Die Bundesregierung hat mit dem „Pakt für Beschäftigung und Stabilität“ ein zweites umfangreiches Maßnahmenpaket aufgelegt. Zusammen mit dem ersten Maßnahmenpaket vom November 2008 ergibt sich ein Volumen von rund 80 Mrd. Euro für die Jahre 2009 und 2010. Verstärkt um die Wirkungen der automatischen Stabilisatoren wird dieser Impuls dazu beitragen, die negativen Folgen des globalen Konjunkturabschwungs für die deutsche Wirtschaft abzumildern und Wachstum und Beschäftigung zu stabilisieren. Darüber hinaus wirken auch die Geldpolitik und die rückläufigen Rohstoff- und Energiepreise stützend. Angesichts des Ausmaßes der Belastungen ist aber kaum mit einer schnellen wirtschaftlichen Erholung zu rechnen.

Der starke Produktionsrückgang im Produzierenden Gewerbe setzt sich ungebremst fort. Die Erzeugung wurde im November preis-, kalender- und saisonbereinigt um 3,1 % eingeschränkt, nach -1,8 % im Oktober. Die Produktionsschwäche geht vor allem auf kräftige Ausfälle in der Industrie zurück. Die Industrieerzeugung büßte im November gegenüber Oktober um 3,5 % und im Dreimonatsvergleich um 4,6 % ein. Die Produktion im Bauhauptgewerbe schwächte sich in der Tendenz, bei einer Stabilisierung im November (+0,0 %), hingegen deutlich weniger kräftig ab (Dreimonatsvergleich: -0,6 %). Binnen Jahresfrist gab die Produktion arbeitstäglich bereinigt im Dreimonatsdurchschnitt in der Industrie um 4,1 % und im Bauhauptgewerbe um 2,0 % nach. Ein Ende der rückläufigen Entwicklung ist noch nicht in Sicht. Die Nachfrage nach industriellen Erzeugnissen hat seit einem Jahr abgenommen und die vorhandenen Auftragspolster dürften stark abgeschmolzen sein. Im November gab es erneut ein kräftiges Auftragsminus von preis- und saisonbereinigt 6,0 %. Im Dreimonatsvergleich war eine Abnahme um 12,4 % zu verzeichnen. Die Talfahrt erfolgt auf breiter Front sowohl bei den Auftragseingängen aus dem In- als auch aus dem Ausland und nahezu gleichermaßen stark bei Vorleistungs- und Investitionsgüterherstellern. Auch im Bauhauptgewerbe zeigt sich die Bestelltätigkeit schwach (Dreimonatsvergleich: -4,9 %). In der Bauwirtschaft ist daher ebenfalls zunächst mit einer gebremsten Produktionstätigkeit zu rechnen. Impulse werden aber von den im Rahmen des zweiten Konjunkturpakets beschlossenen Maßnahmen ausgehen. Die weiter gefallenen Stimmungsindikatoren bestätigen das insgesamt deutlich eingetrübte Bild.

Der private Konsum zeigte sich angesichts der Konjunkturschwäche in der zweiten Jahreshälfte 2008 noch vergleichsweise robust. Neben der weiterhin günstigen Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung trug dazu die anhaltende Beruhigung des Preisauftriebs bei. Zwar gingen die Einzelhandelsumsätze im engeren Sinne (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen und ohne Tankstellen) im November preis- und saisonbereinigt um 0,4 % zurück, nach bereits -1,3 % im Oktober, ein zufrieden stellendes Weihnachtsgeschäft dürfte sich im Dezember aber positiv auf die Umsätze ausgewirkt haben. Insgesamt dürfte von den privaten Konsumausgaben vor dem Hintergrund der positiven Rahmenbedingungen im vierten Quartal noch ein leicht positiver Wachstumsimpuls ausgegangen sein.

Der Außenhandel dürfte im vierten Quartal das Wirtschaftsgeschehen deutlich negativ belastet haben. Dafür spricht die Entwicklung der Warenexporte, die im November saisonbereinigt um 10,6 % einbrachen. Sie sind nunmehr auch in der Tendenz deutlich abwärts gerichtet (Dreimonatsvergleich: -3,8 %). Das Niveau des Vorjahres wurde – gemessen an den Ursprungswerten – im Dreimonatsdurchschnitt erstmals um 1,3 % unterschritten. Die Wareneinfuhren in jeweiligen Preisen gingen im November ebenfalls deutlich um saisonbereinigt 5,6 % zurück, nach -3,7 % im Oktober. Im Dreimonatsvergleich schwächten sie sich um 3,0 % ab. Der Vorjahresstand wurde im Dreimonatsvergleich allerdings weiterhin mit 6,0 % (Ursprungszahl) übertroffen. Die Indikatoren deuten auch absehbar auf eine schwache Entwicklung des Außenhandels hin. Mit nennenswerten Impulsen für die Gesamtwirtschaft ist erst einmal kaum zu rechnen.

Der Aufschwung am Arbeitsmarkt geht zu Ende. Zwar erhöhte sich die Beschäftigung im Inland im November noch saisonbereinigt um +23.000 Personen, die Dynamik des Beschäftigungszuwachses hat sich aber spürbar abgeschwächt. Insgesamt gab es im November 40,89 Mio. Erwerbstätige (Ursprungszahl), 483.000 mehr als vor einem Jahr. Der Aufbau beruht auf dem Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse, die im Oktober binnen Jahresfrist um 511.000 zunahmen. Bei der Arbeitslosigkeit ist die negative Trendwende im Dezember erfolgt. Die Zahl der Arbeitslosen stieg in saisonbereinigter Rechnung erstmals seit knapp drei Jahren wieder um 18.000 Personen an. Insgesamt waren im Dezember 3,102 Mio. Personen arbeitslos registriert, 304.000 Personen weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich auf 7,4 %. Auch deutlich gestiegene Anträge auf Kurzarbeit und eine spürbar abnehmende Einstellungsbereitschaft der Unternehmen signalisieren, dass die schwache Konjunktur immer stärker auf den Arbeitsmarkt durchschlägt.

Das Preisklima hat sich im Dezember weiter entspannt. Die Jahresteuerungsrate der Verbraucherpreise ging auf 1,1 % zurück, nach 1,4 % im November. Ursache für die Entspannung ist vor allem die Entwicklung der Energiepreise. Der Rohölpreis der Sorte Brent lag zur Monatsmitte im Januar bei rund 43 US-Dollar je Barrel, nachdem er um Weihnachten sogar auf bis zu 32 Dollar je Barrel gesunken war. Die Kernrate – also die Preissteigerungen ohne Energie und saisonabhängige Nahrungsmittel – betrug im Dezember 1,3 %. Gegenüber dem Vormonat erhöhte sich der Preisindex um 0,3 %. Dies war aber saisonbedingten Preisanstiegen insbesondere bei Pauschalreisen und Ferienunterkünften sowie bei Nahrungsmitteln geschuldet. Saisonbereinigt gingen die Verbraucherpreise dagegen im Dezember weiter um 0,3 % zurück.

[1] In diesem Bericht werden statistische Daten verwendet, die bis zum 15. Januar 2009 vorlagen.

[2] Wenn nicht anders vermerkt, handelt es sich bei den saisonbereinigten Angaben um Berechnungen nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA.

[3] Jahresmeldung des Statistischen Bundesamtes vom 14. Januar 2009. Die Ergebnisse für das vierte Quartal 2008 werden als Schnellmeldung am 13. Februar 2009 veröffentlicht.

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