Wirtschaftswissenschaftler untersuchen die Besteuerung von Konzernen in Europa

Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert Projekt – Optionen für einheitliche Bemessungsgrundlage


Die Besteuerung von Konzernen in Europa untersuchen Wirtschaftswissenschaftler der Universität Göttingen in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt. Die Forscher am Institut für deutsche und internationale Besteuerung wollen Optionen für eine einheitliche konsolidierte Bemessungsgrundlage für grenzüberschreitend tätige Konzerne in der Europäischen Union entwickeln. Zugleich werden sie die damit verbundenen Konsequenzen für die Steuerbelastung von Unternehmen sowie die zwischenstaatliche Verteilung des Steueraufkommens abschätzen. Im Rahmen der auf fünf Jahre angelegten Untersuchung kooperiert das Team unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Oestreicher mit Wissenschaftlern der Universitäten Hamburg und Gießen sowie Experten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. Für den ersten zweijährigen Projektabschnitt stellt die DFG Personalstellen sowie Sachmittel in Höhe von 22.600 Euro zur Verfügung.

Das deutsche Steuersystem kennt wie auch das Steuerrecht der europäischen Nachbarn keine eigenständige Konzernbesteuerung. Vielmehr werden die einzelnen Unternehmen nach unterschiedlichen Regelungen separat besteuert. „Das Nebeneinander der unterschiedlichen Systeme verzerrt Standort-, Investitions- und Finanzierungsentscheidungen und behindert die grenzüberschreitende Geschäftstätigkeit von Unternehmen innerhalb der EU“, erläutert Prof. Oestreicher. Hindernisse bilden zum Beispiel die unterschiedliche Ermittlung des zu versteuernden Einkommens in den Mitgliedstaaten und die Notwendigkeit von Verrechnungspreisen für den konzerninternen Liefer- und Leistungsverkehr. Die Europäische Kommission hat deshalb vorgeschlagen, die Besteuerung auf einer konsolidierten Basis durchzuführen. Dazu müssen die auf der Ebene der einzelnen Konzernunternehmen ermittelten Gewinne zu einem Konzerngewinn zusammengefasst werden, um diesen anschließend auf die Unternehmen zu verteilen, die an der Entstehung dieses Gewinns beteiligt waren.

Im ersten Teil des Forschungsprojektes beschäftigen sich die Wissenschaftler mit qualitativen Aspekten. Dabei geht es um die Fragen, wie die steuerliche Gewinnermittlung europaweit vereinheitlicht werden kann, welche Konsolidierungstechnik anzuwenden ist und wie die steuerlichen Gewinne eines Konzerns auf die beteiligten Unternehmen zu verteilen sind. Prof. Oestreicher: „Darüber hinaus untersuchen wir, welche weiteren Anpassungen der nationalen Steuerrechtsordnungen jenseits der Besteuerung nach einer gemeinsamen Bemessungsgrundlage erforderlich sind.“ Ein damit verbundener Wechsel des Besteuerungssystems wäre nicht ohne Auswirkungen auf die Steuerbelastung der Unternehmen und das Steueraufkommen. Um diese Konsequenzen bestimmen zu können, werden die Forscher typische Konzernstrukturen, das in europäischen Unternehmen vorhandene Verlustpotenzial sowie Art und Umfang der Liefer- und Leistungsbeziehungen innerhalb eines Konzernes ausloten.

Aus den Ergebnissen dieser Untersuchungen wollen die Wissenschaftler Optionen für eine Besteuerung von Unternehmen in der EU auf konsolidierter Basis entwickeln. Eine Wirkungsanalyse auf der Grundlage von Simulationen erfolgt in dem darauf aufbauenden zweiten Teilprojekt.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Andreas Oestreicher
Georg-August-Universität Göttingen
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Institut für deutsche und internationale Besteuerung
Platz der Göttinger Sieben 3, 37073 Göttingen
Telefon (0551) 39-7308, Fax (0551) 39-7874
e-mail: andreas.oestreicher@uni-goettingen.de

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Marietta Fuhrmann-Koch idw

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