Esslinger Fahrzeugtechniker entwickeln neues Verfahren in der Fügetechnik für den Automobilbau

Hierbei wird ein nagelähnliches Fügeelement auf hohe Geschwindigkeit beschleunigt und in nicht vorgelochte Bleche oder Hohlprofile eingetrieben. Dieser Vorgang dauert weniger als eine Millisekunde, d.h. weniger als ein ganz schneller Hammerschlag. Die Voraussetzung für das äußerst schnelle Verfahren: Die Fügeteile müssen eine ausreichende Steifigkeit besitzen, damit sie für das Eindringen des Bolzens eine ausreichende Abstützung bieten.

Die besondere Herausforderung im Forschungsprojekt von Martin Greitmann: Die häufig bereits wärmebehandelten Materialien sollen möglichst ohne Wärme gefügt werden, damit sie ihre Eigenschaften für die Weiterverarbeitung beibehalten. Infolge von Spannungsrelaxation verlieren mechanische Fügeverbindungen, z. B. Clinchen, Stanznieten, Crimpverbindungen, an Kupferwerkstoffen bereits bei Betriebstemperaturen größer 120 °C abhängig vom Grad der Kaltumformung ihre Festigkeit – sie werden weich. Entsprechend steigt mit abnehmender Flächenpressung im Bereich der Fügestelle der Übergangswiderstand, was wiederum zu vorzeitigen Ausfällen von elektrischen Anschlüssen führen kann.

Daher untersucht der Esslinger Wissenschaftler die möglichen Anwendungen dieses Verfahrens für Kupferwerkstoffe. Das Nageln mit Kupfer soll dabei als hybrides Fügeverfahren auch durch so genanntes Kaltpressschweißen geschehen. Dies habe eben den beschriebenen und erwünschten großen Vorteil, dass extern keine Wärme zugeführt werden muss und beim Nageln abhängig vom Prozessablauf werkstoffabhängig auch eine stoffschlüssige Schweißverbindung zu erwarten ist, sagt Martin Greitmann, der an der Universität Stuttgart Maschinenbau studiert, auf dem Gebiet der Fügetechnik promoviert hat und sich seit über 25 Jahren mit Fügetechnik beschäftigt. Konkrete Ergebnisse wollen Greitmann und sein Forschungsteam bis Herbst 2014 vorlegen. In der derzeit laufenden ersten Projektphase soll der genaue Prozessablauf gemessen und analysiert werden. Hierfür wird derzeit an einem entsprechend instrumentierten Laboraufbau gearbeitet.

Das Nageln kombiniert mit Kaltpressschweißen (hybrider Fügeprozess) könnte sich besonders für die Automobilindustrie eignen, erläutert Greitmann: „Wenn es gelingt Kaltpressschweißungen bei diesem Hochgeschwindigkeits-Fügeprozess für Kupferwerkstoffe darzustellen, dann wird das der Renner.“

Text: Antje Fürth

Kontakt:
Hochschule Esslingen
Prof. Dr-Ing. Martin J. Greitmann
Fakultät Fahrzeugtechnik
Kanalstraße 33
73728 Esslingen
Tel. 0711.397 – 33 74
Martin.greitmann@hs-esslingen.de

Media Contact

Cornelia Mack idw

Weitere Informationen:

http://www.hs-esslingen.de/mb

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie

Dieses Fachgebiet umfasst wissenschaftliche Verfahren zur Änderung von Stoffeigenschaften (Zerkleinern, Kühlen, etc.), Stoffzusammensetzungen (Filtration, Destillation, etc.) und Stoffarten (Oxidation, Hydrierung, etc.).

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Trenntechnologie, Lasertechnologie, Messtechnik, Robotertechnik, Prüftechnik, Beschichtungsverfahren und Analyseverfahren.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Schlüsselprotein zur Kontrolle der Zellform in Magnetbakterien

Die lebenden Zellen aller Organismen enthalten ein Zytoskelett, das ihre innere Struktur und ihre äußere Form stabilisiert. Dies gilt auch für magnetotaktische Bakterien. Sie erzeugen magnetische Nanopartikel, die sich in…

Ein verblüffender dreidimensionaler Blick auf dichtes interstellares Gas in der Milchstraße

Ein internationales Forscherteam unter MPIfR-Beteiligung hat mit dem APEX-Teleskop einen über 80 Quadratgrad großen Teil der Ebene der Milchstraße vermessen. Die Spektrallinien von Molekülen wie 13CO und C18O ermöglichen die…

Was soziale Distanzierung mit dem Gehirn macht

Wissenschaftler entdecken ein Neuropeptid, das die soziale Umgebung von Fischen widerspiegelt Haben Sie sich in letzter Zeit gefragt, wie sich soziale Distanzierung und Selbstisolation auf Ihr Gehirn auswirken können? Ein…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close