Urin als neuer Treibstoff

Auf der Autobahn-Raststation werden in der Regel zwei Dinge gemacht. Ein Tank wird aufgefüllt, ein anderer entleert.

Forscher der Ohio University haben nun entdeckt, dass Urin sogar als wertvoller Treibstoff der Zukunft dienen könnte, denn mit Hilfe eines sehr günstigen Katalysators kann der menschliche Abfallstoff zur billigen Wasserstoffquelle werden.

Dass es sich bei der Untersuchung um keinen Scherz handelt, sondern um ernstzunehmende Forschung, bestätigt Jon Edwards, Media Relations Officer der Royal Society of Chemistry in London im pressetext-Interview. Das Studienergebnis wurde im Fachmagazin der Royal Society, Chemical Communications, veröffentlicht.

„Die Entdeckung könnte nicht nur dazu führen in Zukunft Autos mit günstigem Wasserstoff zu versorgen, sondern auch zur besseren Reinigung von Abwässern dienen“, so Edwards. Die Chemikerin Gerardine Botte hat mit Hilfe der Elektrolyse aus dem Urin Wasserstoff hergestellt. „Im Vergleich zu Wasser befinden sich im Hauptbestandteil des Urins, dem Harnstoff-Molekül, vier Wasserstoffatome, die – und das ist wichtig – weniger stark aneinander gebunden sind als Wasserstoffatome im Wasser“, erklärt Edwards.

Der zweite wesentliche Faktor sei die Verwendung eines sehr preiswerten Katalysators bei der Elektrolyse. „Eine neue nickelbasierte Elektrode und eine Spannung von 0,37 Volt reichen für die Elektrolyse aus“, berichtet Botte. Im Vergleich dazu benötigt man bei der Elektrolyse von Wasser 1,23 Volt.

Während des elektrochemischen Prozesses wird der Harnstoff auf der Oberfläche der Nickel-Elektrode absorbiert, erklärt die Chemikerin. Auch, wenn das System nicht zur Herstellung von Wasserstoff verwendet wird, könnte es in der Abwasserklärung Verwendung finden. Die derzeit gängigen Systeme sind nämlich nach Ansicht von Botte viel zu teuer und zu wenig effizient. „Wir müssen nicht das Rad neu erfinden, da es schon genügend Elektrolyte gibt, die in verschiedenen Anwendungen genutzt werden.“ Die einzigen Vorbehalte gegenüber dem Harnstoff hat die Forscherin aufgrund des hohen Salzgehaltes.

Media Contact

Wolfgang Weitlaner pressetext.austria

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