Personalberatung in Deutschland 2008/2009

Personalberater erwarten für das laufende Jahr ein schwieriges Personalsuchgeschäft – 2008 legte der Branchenumsatz in der Personalberatung nochmals um 8,5 Prozent zu

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind besonders Fach- und Führungskräfte gefragt, die Erfahrungswissen im Umgang mit Krisensituationen und Konsolidierungsprozessen in den neuen Job mitbringen können.

Bedingt durch die Einstellungszurückhaltung der Unternehmen in vielen Branchen, erwarten die deutschen Personalberater für das laufende Jahr eine schwächere Nachfrage seitens ihrer Klienten bei der Personalsuche. Der damit verbundene und prognostizierte Umsatzrückgang könnte gemäß Marktbefragung Ende 2009 bei knapp 20 Prozent liegen. 2008 legte der Umsatz in der Personalberatungsbranche hingegen nochmals um 8,5 Prozent auf 1,49 Milliarden Euro (2007: 1,37 Milliarden Euro) zu.

Dies sind zentrale Ergebnisse der Marktstudie „Personalberatung in Deutschland 2008/2009“, die der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V. heute bei seiner Pressekonferenz im Rahmen des 11. Deutschen Personalberatertages auf dem Petersberg bei Bonn vorgestellt hat.

Das Anforderungsprofil der Auftraggeber von Personalsuchprojekten hat sich kräftig gewandelt. In den vergangenen Boomjahren und bis Mitte 2008 waren besonders Fach- und Führungskräfte mit Marketing- und Vertriebsqualifikationen gefragt. 31,7 Prozent der Suchaufträge in der Personalberatung entfielen 2008 auf diese Positionen (2007: rund 28 Prozent).

Ebenso vergaben die Klienten 2008 vermehrt Suchaufträge für die Unternehmensbereiche Entwicklung und Produktion. In knapp einem Fünftel aller Suchprojekte standen geeignete Kandidaten für technische Positionen auf der Wunschliste (2007: 14,4 Prozent). Im letzten Quartal 2008 und im ersten Quartal 2009 hat sich das Nachfrageverhalten der Unternehmen aus Industrie und Wirtschaft aber deutlich verschoben. „Angesichts der großen Herausforderungen der Unternehmen hinsichtlich Liquidität, Ertragsverbesserung und strategische Neuausrichtung sind aktuell vor allem hoch qualifizierte Führungskräfte gefragt, die belastbare Nachweise ihrer Qualifikation in diesen Themenstellungen vorweisen können“, sagte Dr. Wolfgang Lichius, Vorsitzender des BDU-Fachverbandes Personalberatung. Auch Controlling-, Einkaufs- und Logistikprofis hätten bessere Jobchancen.

Unternehmen haben in ihrer Personalpolitik schnell reagiert Ab Mitte des Jahres 2008 – und besonders im letzten Quartal – machten den Personalberatern die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise vermehrt zu schaffen. Der BDU-Geschäftsklima-Index für Personalberater fiel infolge von +51,5 im Februar 2008 auf -29,1 im Februar 2009. Die Zahlen verdeutlichen, wie schnell die Auftraggeber aus Industrie und Wirtschaft auf die Zuspitzung der Krise in ihrer Personalpolitik reagiert haben. Ende 2008 und zu Beginn des laufenden Jahres wurden Suchaufträge nur sehr zögerlich vergeben. Im April 2009 hat sich die Situation leicht verbessert, der BDU-Geschäftsklima-Indexwert ist wieder auf -14,4 angestiegen. Gut ein Viertel der befragten Personalberatungsunternehmen erwartet in den kommenden sechs Monaten eine günstigere Geschäftsentwicklung, 52 Prozent prognostizieren gleich bleibende Rahmenbedingungen.

Deutlich mehr Personalsuchprojekte im Jahr 2008 2008 wurden mehr als 71.000 Such- und Auswahlprojekte von den Klienten in Wirtschaft, Industrie und Verwaltung in Auftrag gegeben. Im Jahr 2007 hatte die Zahl bei knapp 67.000 und im Jahr 2006 bei knapp 58.000 gelegen. Die Bandbreite des durchschnittlichen Unternehmenswachstums in der Personalberatungsbranche lag 2008 je nach Größenklasse zwischen sieben und zehn Prozent. Der Branchenumsatz legte 2008 zum fünften Mal in Folge zu und hat seit 2003 ein Plus von 72 Prozent zu verzeichnen.

Krise der Finanzdienstleister mit Auswirkungen auf Personalberaterbranche Die gute Auftragslage der Personalberater-Klienten des Verarbeitenden Gewerbes, die zum Teil noch aus dem Jahr 2007 stammte, sowie die weiterhin noch stabile Exportquote im ersten Halbjahr 2008 haben dafür gesorgt, dass 2008 die Nachfrage nach Personalberatung aus diesem Klientensegment gestiegen ist. Der Umsatzanteil stieg von 44,1 Prozent im Jahr 2007 auf 47,4 Prozent im Jahr 2008. Der Maschinenbau hatte an dieser Entwicklung mit einem markanten Anstieg von 10,3 Prozent auf 14,3 Prozent einen großen Anteil. Hingegen hat die Finanzkrise bereits 2008 erhebliche Auswirkungen auf die zweitwichtigste Klientenbranche der Personalberater gehabt. Der Anteil der Finanzdienstleister am Branchenumsatz sank von 15,5 Prozent im Jahr 2007 auf 11,2 Prozent im Jahr 2008.

88,4 Prozent des Gesamtumsatzes in der Personalberatungsbranche entfielen 2008 auf die Suche und Auswahl von Fach- und Führungskräften (2007: 90,4 Prozent), dies entspricht in absoluten Zahlen einem Umsatz von knapp 1,32 Milliarden Euro (2007: 1,24 Milliarden Euro). Steigende Umsätze verzeichneten die Personalberater mit Beratungsprojekten im Beratungsfeld Management-Audits/-Diagnostik, in denen individuelle Managementfähigkeiten und Entwicklungspotenziale bewertet werden. Der Umsatzanteil stieg hier von 3,3 Prozent auf 4,5 Prozent.

Weitere Kennzahlen: An der Personalberater-Marktstudie beteiligten sich im März/April 2009 rund 300 auf die Suche und Auswahl von Fach- und Führungskräften spezialisierte Beratungsunternehmen, darunter 60 Prozent der TOP-20-Personalberatungen. Rund 1.975 Personalberatungsfirmen (2007: 1.945 ) haben im Jahr 2008 ihre Dienstleistungen angeboten. Sie beschäftigten knapp rund 5.425 Bera-ter (2007: 5.250 Berater), rund 2.525 Researcher (2007: gut 2.400 Researcher) sowie 3.275 sonstige Mitarbeiter (2007: 3.225 sonstige Mitarbeiter).

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Weitere Informationen:

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