Marktanalyse Galvanotechnik

Zum Thema Oberflächentechnik sind in den letzten Jahren einige Studien mit unterschiedlicher Zielsetzung erschienen. Aber nur eine Studie aus dem Jahr 2001 beschäftigt sich im Rahmen der Informationsinitiative Oberflächentechnik mit der Situation galvanotechnischer Betriebe in Deutschland. Die nun vorliegende Studie »Marktanalyse Galvanotechnik« des Fraunhofer IPA stellt eine der wenigen Bestandsaufnahmen der Branche dar. Ihr Ziel war es, die Situation der Galvanobranche zu erkunden und anhand bestimmter Fragestellungen die Themen zu finden, die heute relevant sind. Zu diesen in der Studie ausführlich untersuchten Themen zählen:

  • Maßnahmen zur Prozess- und Produktüberwachung, zur Qualitätssicherung und Verbesserung von Prozessfähigkeit,
  • Innovationsfelder und ihre Bedeutung,
  • der aktuelle technologische Entwicklungsbedarf und
  • die Organisation von Forschung und Entwicklung in den Firmen.

Die Situationsanalyse hatte zum Ziel, den praxisnahen Forschungs- und Entwicklungsbedarf der Beschichtungsfirmen zu erkennen und aufzuzeigen, mit welchen konkreten Themen dieser bedient werden kann. Der Schwerpunkt lag dabei auf der produktionstechnischen Perspektive. Andererseits sollten auch die bestehenden Einschätzungen der Anwender zur aktuellen und zukünftigen technologischen Entwicklung dargestellt werden. Mit den nun vorliegenden Erkenntnissen lassen sich die Interessen der Branche nach innen und außen klar und wirkungsvoll darstellen. Von 792 angeschriebenen Firmen antworteten 100; dies entspricht einem Rücklauf von 13 Prozent. Es kann also von repräsentativen Ergebnissen ausgegangen werden.

Neben einer Vielzahl technologischer Ergebnisse aus der Befragung gehören die Antworten auf die Frage nach der Zukunftsperspektive der Branche zu den aufschlussreichsten Ergebnissen. Mit Hilfe der Antworten zu drei Fragen sollte ein Bild der allgemeinen Situation und Perspektive der Beschichter in Deutschland gezeichnet werden:

  • Spielt der Wirtschafts- und Investitionsstandort Deutschland in fünf bis zehn Jahren noch eine Rolle für die Galvanotechnik?
  • Wie wichtig ist die Produktionsverlagerung nach Osteuropa für die Galvanotechnik?
  • Spielt die Galvanotechnik in fünf bis zehn Jahren noch eine Rolle bei der High-Tech-Fertigung und den High-Tech-Produkten?

Fast drei Viertel der befragten Unternehmen (oder Personen) glauben an die Bedeutung des Standortes Deutschland für die Branche auch in fünf bis zehn Jahren. Viele haben dazu mit einem uneingeschränkten »Ja« geantwortet (Bild 1). Noch positiver ist die Einschätzung der Rolle, die Galvanotechnik in fünf bis zehn Jahren bei High-Tech-Fertigung und High-Tech-Produkten spielt. Hier antworteten 89 Prozent der Befragten mit »Ja« und weitere acht Prozent mit »wahrscheinlich oder teilweise«, nur drei Prozent sehen die Zukunft düster.

Trotz dieses Optimismus´ machen sich viele der Befragten Sorgen um den zunehmenden Wettbewerb osteuropäischer Standorte (Bild 2). Nur 21 Prozent meinen, die Frage der Produktionsverlagerung nach Osteuropa habe für ihre Betriebe keine oder geringe Bedeutung. Weitere 20 Prozent sehen die Bedeutung dieses Themas abhängig von weiteren Entwicklungen, aber 45 Prozent halten es für bedeutungsvoll oder eine (Teil-) Verlagerung von Produktionskapazitäten für unvermeidlich. Keine Angabe machten hier 14 Prozent der Befragten.

Insgesamt ergibt sich eine positive Zukunftseinschätzung der Befragten (Bild 3). Vielen ist jedoch klar, dass die Konkurrenz aus Osteuropa (und wohl auch Ostasien, Anmerkung d. Verfassers der Studie) ihre Zukunft prägen und die Bedingungen der Produktion in Deutschland verändern wird – zumindest für einzelne Kundenbranchen.

Die Branche besitzt offenbar einen robusten technologischen Optimismus und ist sich der Bedeutung ihrer Produkte durchaus bewusst. Ökonomische und gesetzliche Veränderungen sorgen schon seit einiger Zeit für eine gewisse Verunsicherung, die aber durchaus nicht alle Betriebe erfasst. Eine konsequente Auseinandersetzung mit Themen wie Gesetzgebung oder Prozessfähigkeit scheint nicht überall gegeben. Viele Betriebe wirken getrieben von den Umständen und ihren Kunden, sowohl bei technologischen Entwicklungen als auch bei der ökonomischen Optimierung ihrer Abläufe. Diejenigen Betriebe, welche hauptsächlich oder teilweise Beschichtungsdienstleistungen für die Automobilbranche erbringen, scheinen agiler und auch bei den Technologien breiter aufgestellt. Schwerpunkte bei Forschung und Entwicklung sind die Prozesstechnologien, Produktions- und Qualitätstechnik spielen eine eher untergeordnete Rolle und die Hauptakteure sind eher die größeren Firmen. Dabei besitzen auch kleine Firmen durchaus Innovationspotenziale wie ihre häufige Nutzung zukunftsträchtiger Technologien zeigt.

Das Fraunhofer IPA hat diese Studie durchgeführt und veröffentlicht. Die komplette Studie kann über den Leuze-Verlag bezogen werden.

Marktanalyse Galvanotechnik, Hrsg. Fraunhofer IPA, Stuttgart, 2005
ISBN 3-87480-214-0
Bezug: Eugen G. Leuze Verlag, Karlstr. 4, 88348 Bad Saulgau/Württ.
Telefon: +49(0)7581/4801-0, E-Mail: mail@leuze-verlag.de

Ihr Ansprechpartner für weitere Informationen:
Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA
Dipl.-Ing. Harald Holeczek
Telefon: +49(0)711/970-1733, E-Mail: holeczek@ipa.fraunhofer.de

Media Contact

Jörg-Dieter Walz Fraunhofer IPA

Weitere Informationen:

http://www.ipa.fraunhofer.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen

Hier bietet Ihnen der innovations report interessante Studien und Analysen u. a. aus den Bereichen Wirtschaft und Finanzen, Medizin und Pharma, Ökologie und Umwelt, Energie, Kommunikation und Medien, Verkehr, Arbeit, Familie und Freizeit.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Hochleistungs-Metalloptiken mit Lothar-Späth-Award 2021 ausgezeichnet

Fraunhofer IOF und HENSOLDT Optronics entwickeln optisches Teleskop zur Erforschung des Jupitermondes Ganymed. Forscher des Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF sind gemeinsam mit ihrem Partner für die Entwicklung…

Chemiker designen „molekulares Flaggenmeer“

Forschende der Universität Bonn haben eine molekulare Struktur entwickelt, die Graphit-Oberflächen mit einem Meer winziger beflaggter „Fahnenstangen“ bedecken kann. Die Eigenschaften dieser Beschichtung lassen sich vielfältig variieren. Möglicherweise lassen sich…

Der nächste Schritt auf dem Weg zur Batterie der Zukunft

Kompetenzcluster für Festkörperbatterien „FestBatt“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung geht in die zweite Förderphase – Koordination durch Prof. Dr. Jürgen Janek vom Gießener Zentrum für Materialforschung – Rund 23…

Partner & Förderer