Weniger Verkehr durch Online-Shopping?

Umfrage startet

Immer mehr Menschen in Deutschland nutzen das Internet zum Einkaufen. Beim Weihnachtsgeschäft 2005 war der über das Internet erreichte Umsatz deutlich höher als im Vorjahr; und die Prognose des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) für das Jahr 2006 ist mit einer Steigerung von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr viel versprechend. Vom Buchhandel bis zum Versandhaus sind mittlerweile alle Branchen auf dem virtuellen Marktplatz vertreten und unterbreiten den Kunden zu Hause oder zunehmend auch mobil ein umfangreiches Warenangebot. Wenn zukünftig „halb Deutschland“ online einkauft, welche Konsequenzen hat das für den Straßenverkehr – endlich freie Fahrt oder noch mehr Verkehr?

Surfen statt fahren

Die Wirkungen eines Online-Einkaufs sind einfach zu beschreiben: Wird ein Buch nicht mehr beim Händler im Ladengeschäft erworben, sondern beim Online-Anbieter im weltweiten Netz, so fällt die Fahrt des Kunden dorthin weg. Ähnlich sieht es aus, wenn es um die Information über Waren geht, deren Kauf in nächster Zeit ansteht: Anstatt mit dem Pkw von einem Geschäft ins nächste zu fahren, um das aktuelle Angebot zu sichten, technische Details zu vergleichen und nicht zuletzt das günstigste Angebot zu finden, kann bequem ohne Stau, Parkplatzsuche und Ärger über steigende Benzinpreise rund um die Uhr am Computer recherchiert werden.

Doch bei genauerem Hinsehen stehen der These von der Substitution von Verkehr durch Online-Information und Online-Shopping eine ganze Reihe von Faktoren und Verhaltensweisen entgegen: Durch die Informationsfülle im Internet finden sich beispielsweise „neue“ und weiter entfernte Ladengeschäfte, die dann doch aufgesucht werden. Auch Rahmenbedingungen wie das Ladenschlussgesetz oder die Buchpreisbindung beeinflussen die Entscheidung des Kunden, real oder virtuell einzukaufen. Ausführlich mit der Theorie haben sich die Forscher des Virtuellen Instituts für Verkehrsanalysen (vi-va) beschäftigt, an dem auch Wissenschaftler der Uni Stuttgart beteiligt sind.

Online-Umfrage startet

Nun soll die Theorie in der Praxis überprüft werden: Mit einer Online-Umfrage zum Einkaufsverhalten der Endkunden versuchen die Wissenschaftler der vi-va-Forschergruppe aus Stuttgart und Hamburg ab sofort die Frage nach den Auswirkungen des Internet-Einkaufs auf den Personenverkehr zu beantworten: Führt On-line-Shopping tatsächlich zu weniger Verkehr? An der Umfrage auf www.vi-va.de können sich die Internet-Nutzer Deutschlands bis Ende Februar beteiligen. Als kleiner Dank werden unter allen Teilnehmern zehn MP3-USBSticks (512 MB Speicher) verlost.

vi-va

Das Virtuelle Institut für Verkehrsanalysen (vi-va) ist ein Zusammenschluss verschiedener Hochschuleinrichtungen, die gemeinsam an verkehrswissenschaftlichen Fragestellungen forschen. Zentrales Thema ist die Entwicklung und Umsetzung innovativer Konzepte und Methoden zur Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und Verkehr. Partner des von der Helmholtz-Gemeinschaft geförderten Virtuellen Instituts sind das Institut für Straßen- und Verkehrswesen der Universität Stuttgart (Lehrstuhl für Straßenplanung und Straßenbau), die Geographischen Institute der Universitäten Berlin und Würzburg, der Arbeitsbereich Technikbewertung und Technikgestaltung der Technischen Universität Hamburg-Harburg sowie das Institut für Verkehrsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Weitere Informationen:
Dr.-Ing. Walter Vogt und Dipl.-Ing. Felix Schiffner, Institut für Straßen- und Ver-kehrswesen der Universität Stuttgart, Tel. 0711/685-6437, e-mail: schiffner@isv.uni-stuttgart.de

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Ursula Zitzler idw

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