2003: Deutschland verreist kürzer und billiger

Reisestudie sieht Italien, Türkei und Kroatien als Tourismus-Gewinner

Die Reiselust der Deutschen bleibt ungebrochen, aber die Tourismuswirtschaft wird sich auf grundlegende Veränderungen einstellen müssen. Die Zeiten, in denen die Deutschen grenzenlos verreisen und grenzenlos Geld ausgeben konnten sind vorbei. Die Tourismusbranche wird sich auf den Trend hin zu kürzeren billigeren Preisen und weniger Flugurlaube einstellen müssen. Dies geht aus der 19. Deutschen Tourismusanalyse des Freizeit-Forschungsinstituts der British American Tobacco hervor, die heute, Mittwoch, in Hamburg vom Institutsleiter Horst W. Opaschowski präsentiert wurde.

Die Bilanz der vergangenen Reisesaison 2002 zeigte, dass die Reiseintensität der Bundesbürger, die wenigstens fünf Tage verreisten mit 54 Prozent den Stand von 1998 wieder erreichte, aber dies auf einen Zuwachs der kürzeren Reisen von fünf bis 13 Tage zurückzuführen ist. Der klassische Jahresurlaub von mindestens zwei Wochen verliert laut Studie aus Kostengründen Anteile (2001: 41 Prozent; 2002: 39 Prozent). Begründet wird der Trend zu kürzeren Reisen mit der konjunkturellen Entwicklung. In Puncto Inlandsreisezielen bauten Ferienregionen an der Ostsee und Bayern ihre Spitzenposition aus, Urlaubsziele an der Nordsee büßten Anteile ein. „Der Wettbewerb um innerdeutsche Marktanteile wird härter“, erklärt Opaschowski. Hier könnten die Wellen in den nächsten Jahren noch höher schlagen.

Hauptverlierer bei den Auslandsreisezielen 2002 waren Spanien, Tunesien und Marokko. Der Rückzug der Deutschen aus Spanien wird mit dem schlechten Preis-Leistungsverhältnis in vielen Zentren des spanischen Massentourismus begründet. Die konjunkturelle Entwicklung trug zusätzlich dazu bei, dass sich der deutsche Reisestrom von Spanien in die Türkei (2002: 5,5 Prozent; 2002: 6,3 Prozent) verlagerte. 2002 hat die Türkei das klassische Reiseland der Deutschen, Österreich (6,4 Prozent), fast eingeholt. Neben der Türkei gehören auch Kroatien und Slowenien zu den Gewinnern der Konjunkturkrise (2001: 1,5 Prozent; 2002: 2,8 Prozent). „Der Fernreisemarkt bleibt schon aus finanziellen Gründen nur eine attraktive Ergänzung, aber keine Alternative zu mediterranen Ferienzielen. Der große Durchbruch lässt weiter auf sich warten“, betont Opaschowski. Die Karibik, insbesondere Kuba und die Dominikanische Republik hätten an Glanz verloren.

Gewinner der Reisesaison 2003 könnte neben der Türkei auch Italien sein. Italien konnte seine Spitzenposition im Vorjahr ausbauen (2001: 7,8 Prozent; 2002: 8,3 Prozent). Ein „normales“ Reisejahr wird 2003 aber aller Voraussicht nach nicht werden: Viele Reisende ändern ihre Pläne und Reiseveranstalter ihre Routen. Die kommende Reisesaison wird von einer besonderen Tourismussituation geprägt sein, dies heißt, Reisende und Reiseveranstalter agieren und reagieren kurzfristig und flexibel. „Von ‚Frühbuchungen‘ und ‚Langzeitpolstern‘ kann die Branche nur träumen. Immer mehr Bundesbürger werden ihren Urlaub erst wenige Wochen vor Antritt der Reise buchen. Andere Zeiten, andere Ziele und andere Verkehrsmittel werden gefragt sein, d.h. die konjunkturelle und weltpolitische Unsicherheit wirkt sich nachhaltig vor allem auf Flugreisen aus“, so Opaschowski. Dafür werden sich immer mehr Urlauber für Fahrten mit Auto, Bus und Bahn entscheiden oder eine Kreuzfahrt buchen, die ein wenig Sicherheitsgefühl „wie auf einer Insel“ vermittelt.

Wachstumsmärkte im Deutschland-Tourismus der Zukunft werden Russland und die Baltischen Staaten, Ungarn und die Tschechische Republik sein. Hinzu kommen China und Hongkong.

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Sandra Standhartinger pressetext.deutschland

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