Aktuelle Studie erfasst Bedeutung von Social Media für Wirtschaftsförderungen

Die empirische Untersuchung erfolgte im Rahmen der Arbeiten des Innovationslabors für angewandte IT in der Wirtschaftsförderung (WiföLAB) am Fachbereich Verwaltungswissenschaften der Hochschule Harz.

Darüber hinaus beteiligte sich die kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) aus Köln als langjähriger Forschungspartner des Kompetenzzentrums für Informations- und Kommunikationstechnologien, Tourismus, Dienstleistungen der Hochschule Harz. Alle Ergebnisse können kostenfrei unter http://wifoe-lab.hs-harz.de angefordert werden.

Dass soziale Medien eine direkte Kommunikation und Interkation mit dem Adressaten ermöglichen, hat bereits ein Großteil (44%) der befragten Wirtschaftsförderer erkannt und stuft Social Media für die eigenen Marketingaktivitäten als wichtig bzw. sehr wichtig ein. Im Hinblick auf die tatsächliche Nutzung in der eigenen Organisation gab über die Hälfte (55%) der Befragten an, soziale Medien bereits für Marketingaktivitäten einzusetzen bzw. die Nutzung konkret zu planen.

Am stärksten setzen dabei privatwirtschaftlich organisierte Wirtschaftsförderungen (GmbH oder Mischform aus GmbH und Amt) entsprechende Instrumente ein oder planen dies. Dagegen ist ein Großteil der Wirtschaftsförderungsämter im Social Media Bereich weder aktiv noch ist die Nutzung geplant. Institutionen mit sechs bis zehn Mitarbeitern nutzen soziale Medien stärker (58%) als personell kleinere Wirtschaftsförderungen (weniger als drei Beschäftigte; 26%). Ein entsprechendes Engagement ist allerdings auch hier bei einem Großteil aktiv geplant.

Insgesamt bewerten die befragten Wirtschaftsförderer den bisherigen Erfolg ihrer realisierten Social Media Aktivitäten als eher positiv. Meistgenutzte Plattformen sind dabei soziale Netzwerke (86%), allen voran Facebook und XING. Auch Videoplattformen (28%), Microblogs (19%) und Diskussionsforen (18%) spielen bei der Nutzung eine wichtige Rolle. Über diese Kanäle sollten vor allem Veranstaltungen (83%), Standortinformationen (80%) und Tourismusinformationen (54%) publiziert werden.

Als Chancen bei der Nutzung sozialer Medien gab ein Großteil (65%) der Befragten die Außenwirkung der eigenen Institution sowie die Aktualität (63%), die Reichweite (53%) und die Schnelligkeit (51%) des Mediums an. Problematisch sind hingegen der zeitliche Mehraufwand (70%), eine mögliche Informationsflut (54%), der Datenschutz (45%) und zusätzliches Personal (38%). Die Umsetzung von Social Media Marketing in Wirtschaftsförderungen ist stark von der Größe, den verfolgten Zielen und den finanziellen Mitteln der jeweiligen Institution abhängig. Prinzipiell sprachen sich die Befragten für eine interne Organisation aus. Eine bestmögliche Umsetzung könnte allerdings auch Verbindungen zu (anderen) Ämtern (49%) und/oder externen Beratern (56%) sicherstellen.

Schlussendlich lässt sich zusammenfassen, dass ein Großteil der befragten Wirtschaftsförderer bereits positive Erfahrungen mit Social Media Aktivitäten gesammelt hat. Dennoch herrscht große Ungewissheit darüber, was z. B. die (datenschutz-)rechtlichen Rahmenbedingungen der Plattformbetreiber oder konkrete Kosten-Nutzen-Effekte beim Einsatz von Social Media betrifft. Die Studie hat überdies gezeigt, dass sich die Zielgruppe der Wirtschaftsförderung zwar zunehmend stärker aber aktuell noch eher verhalten im Social Web präsentiert, was derzeit gegen ein Marketing allein über diesen Kanal spricht.

Aus den Befragungsergebnissen leiten die Autoren Nadine Reichert und André Göbel vom Halberstädter Fachbereich Verwaltungswissenschaften der Hochschule Harz folgende Handlungsimpulse für die kommunale Wirtschaftsförderung ab: Aktivitäten in sozialen Netzen können nur ein begleitendes Element zur Kommunikations- und Servicestrategie der Wirtschaftsförderung und der Kommune darstellen. Des Weiteren muss ein großzügiger und rechtssicherer Kommunikationsspielraum für die öffentlich Beschäftigten gewährleistet werden. Dieser ist durch interne Richtlinien zur Nutzung der neuen Medienkanäle transparent zu regeln (Media Guidelines). Die oftmals vermuteten rechtlichen Risiken können durch einen sensiblen Umgang mit den Daten, die Nutzung von Media Guidelines und der Beschränkung auf einige wenige Plattformen minimiert werden.

Auch durch die Unterstützung von Juristen aus dem Gebiet des Medienrechts können vermeintliche lokalspezifische oder Einzelfall-bezogene Hinderungsgründe ausgeräumt werden. Gleichwohl gehört eine veränderte, aufgeschlossene und aktive Kommunikationsart ins soziale Netz, was zweifelsfrei einen Wandel in der traditionellen Interaktion zwischen kommunalen Behörden und Unternehmen, aber auch in der Kommunikation zwischen Wirtschaftsförderungen und Unternehmen darstellt.

Media Contact

Andreas Schneider idw

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