Brite Austria soll Informationen zur Entstehung des Universums liefern

Erster rein österreichischer Satellit hebt 2007 ab

Der Vertrag zum Bau des ersten rein österreichischen Satelliten wurde heute, Freitag, in Wien von Vertretern der Universitäten im Beisein von Staatssekretär Eduard Mainoni unterzeichnet. Brite Austria, so der Satellitenname, wird in Zusammenarbeit der Technischen Universität Graz (TUG) und der Universität Wien entwickelt. Die Finanzierung von einer halben Mio. Euro übernimmt die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). „Es freut mich sehr, dass wir nun den ersten Satelliten mit rot-weiß-roter Fahne bauen werden“, sagte Mainoni bei der Vertragsunterzeichnung.

Brite Austria ist ein fünf Kilogramm schwerer Nanosatellit. Er hat die Form eines Würfels mit einer Kantenlänge von 20 Zentimetern. „Wir haben einen Satelliten entwickelt, der relativ schnell und vor allem kostengünstig produziert werden kann. Die Ausrichtung künftiger Missionen kann somit auf einem soliden technisch-wissenschaftlichen Fundament aufbauen, das wir geschaffen haben. Wir wollen keine Eintagsfliege bauen sondern er soll der Erste in einer Serie von Kleinsatelliten sein“, meinte der Rektor der TUG, Hans Sünkl.

Aufgabe des Satelliten ist es, Helligkeiten von Sternen zu messen. „Diese Messungen erlauben es, auf die Struktur der hellsten massereichen Sterne zu schließen und ihre Wechselwirkungen mit der interstellaren Materie zu untersuchen, aus der dann wiederum neue Sterne entstehen“, erläuterte der Astronom Werner Weiss von der Uni Wien. Diese Daten können vom Boden aus nur schwer und sehr ungenau beobachtet werden, „hingegen vom Weltall aus sind die Messungen extrem präzise. Dies bringt uns vielleicht ein Stück näher, die Entstehung und Entwicklung des Universums erklären zu können“, definierte Weiss gegenüber pressetext die Erwartungen an den Satelliten. Die Auswertung der Daten geschieht in Wien und an einem Partnerinstitut in Toronto.

Gebaut wird der zukünftige Erdtrabant von Wissenschaftlern und Studenten in Graz. „Bei der Entwicklung gehen wir einen neuen Weg der Lehre. Die Realisierung des Hightech-Produktes erfolgt universitäts- und fakultätsübergreifend. Zudem binden wir vermehrt Diplomanten und Dissertanten ein“, meinte Projektverantwortlicher Otto Kudelka. Weiters arbeiten die Forscher auch mit Unternehmen aus der Industrie zusammen. Beispielsweise steuere Siemens www.siemens.at die Technik zur Datenkommunikation bei, so Kudelka.

Der Start des TUG SAT-1, so der Serienname, ist für Herbst 2007 geplant. Von welchem Raumhafen der Austro-Sat abheben soll ist noch nicht geklärt. „Das hängt natürlich auch von den Kosten ab“, so Klaus Pseiner, Geschäftsführer der FFG. „Wir hoffen, dass wir einen günstigen Startplatz finden werden.“ Aktuell liege der Startpreis zwischen 15.000 – 20.000 Euro pro Kilogramm, meinte Kudelka. Nach erfolgreichem Aussetzen im All soll Brite Austria mindestens zwei Jahre lang Daten liefern. „Die durchschnittliche Lebensdauer eines solchen Satelliten liegt bei etwa fünf Jahren. Ich hoffe allerdings, dass alles optimal verläuft und er bis über meine Pensionierung hinaus Daten liefern wird“, zeigte sich Weiss optimistisch.

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Andreas List pressetext.austria

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