Haushaltschemikalie als Hormongift

Die Substanz Nonylphenol, die in zahlreichen Kosmetika und anderen Produkten enthalten ist, steht schon seit längerem in Verdacht, dass sie hormonell wirkt. Britische Forscher haben nun entdeckt, dass der Stoff Austern zu sterilen Hermaphroditen macht, berichtet BBC-Online. Die Forscher vermuten nun, dass Nonylphenol auch bei anderen Lebewesen schwere gesundheitliche Schäden hervorrufen kann.

Die Wissenschaftler hatten die Auswirkungen der Chemikalie auf pazifische Austern (Crassostrea gigas) in einer kommerziellen Austernzucht in Whitstable in der Grafschaft Kent untersucht. Bei der Auswertung der Ergebnisse stießen die Forscher auf schreckliche Abnormalitäten unter den entwicklungsfähigen Larven der Tiere: Ein Teil der Larven hat die Chemikalie nicht überlebt. Von den Überlebenden entwickelte sich ein Drittel der Larven zu Hermaphroditen, sie hatten sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsorgane. „Und das geschah unter einer realistischen Konzentration der Chemikalie, die nur ein Zehntel der erlaubten Grenzwerte betrug“, so Helen Nice von der UK Environment Agency. Die Resultate seien zutiefst beunruhigend, meinte die Expertin. Die Gefahren, dass dieses Umweltgift auch andere Lebewesen in Mitleidenschaft zieht, seien naheliegend.

Die pazifische Auster ist eine von zwei Austern, die in Europa vermarktet werden. Studienleiter Michael Thorndyke glaubt, dass auch andere Weichtiere wie Muscheln und Schnecken, aber auch Krustentiere von Nonylphenol geschädigt werden könnten. Der Forscher warnt davor, dass das Verschwinden von einzelnen Lebewesen aus dem Meer zum Verlust des ökologischen Gleichgewichts führen würde. Umweltorganisationen haben den Stoff Nonylphenol schon länger in Verdacht, dass er wie ein Östrogen wirke.

Nonylphenol (C6 H4 OHC9 H19) ist ein Vorprodukt für Nonylphenolethoxylate (NPEs), der wichtigsten Untergruppe der Alkylphenolethoxylate (APEs). In der Umwelt werden NPEs wieder zu giftigem Nonylphenol abgebaut. APEs sind so genannte Großchemikalien, von denen weltweit jährlich etwa 650.000 Tonnen hergestellt werden für die Verwendung in Reinigungs- und Desinfektionsmitteln, Lebensmittel-Verpackungen (wie etwa PVC-Folien), Pestiziden (als Emulgatoren), Druck- und Wandfarben und Chemikalien zur Rohöl-Förderung. Der größte europäische Produzent von Nonylphenol und APEs ist die Sasol Germany GmbH. Die Umweltorganisation Greenpeace Deutschland hat bereits vor einem Jahr davor gewarnt, dass Nonylphenol in vielen Lebensmitteln enthalten ist. „Die gefährlichen Substanzen werden in Pestiziden und Alltagsprodukten wie Reinigungsmitteln und Verpackungen eingesetzt, aus denen der Stoff sich auf die Lebensmittel überträgt. Die Substanz kann den Hormonhaushalt des Menschen schädigen und Allergien auslösen“, berichtet Manfred Krautter, Chemie-Experte von Greenpeace Deutschland. Greenpeace fordert Maßnahmen, damit Nonylphenol nicht mehr in Umwelt, Lebensmittel und Konsumprodukte gelangt.

Media Contact

Wolfgang Weitlaner pressetext.austria

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz

Dieser Themenkomplex befasst sich primär mit den Wechselbeziehungen zwischen Organismen und den auf sie wirkenden Umweltfaktoren, aber auch im weiteren Sinn zwischen einzelnen unbelebten Umweltfaktoren.

Der innovations report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Klimaschutz, Landschaftsschutzgebiete, Ökosysteme, Naturparks sowie zu Untersuchungen der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Holografie trifft Frequenzkämme

ForscherInnen am MPQ haben eine neue Technik entwickelt, um digitale Hologramme mit zwei interferierenden Frequenzkämmen tausendfach und in allen Regenbogenfarben zu erzeugen. Jeder hat schon einmal Hologramme gesehen, auf einer…

Binäre Mesokristalle aus dem Nanobaukasten

Forscherteam unter Konstanzer Leitung erzeugt erstmals dreidimensionale Mesokristalle aus zwei unterschiedlichen Typen von Nanokristallen – Platin und Magnetit. Dies legt den Grundstein für die Synthese neuartiger nanostrukturierter Festkörper mit bisher…

Hart im Nehmen: Sensorsysteme für extrem raue Umgebungen

Fraunhofer-Leitprojekt eHarsh… Bislang fehlt es der Industrie an robusten Sensoren, die extrem hohe Temperaturen und Drücke aushalten. Im Leitprojekt »eHarsh« haben acht Fraunhofer-Institute jetzt eine Technologieplattform für den Bau solcher…

Partner & Förderer