Aus stinkendem Müll wird saubere Energie


Trotz der Sammel- und Wiederverwertungsfreude beim Müll, bleibt ein stinkender Rest . meist unsortierte Hausabfälle. Diese rotten auf Deponien vor sich hin und belasten mit entstehendem Sickerwasser und Gas die Umwelt. Neben Müllverbrennung soll deshalb biologische Entsorgung die Restmüllberge klein halten. Nach Kompostieranlagen haben hier vor allem Vergärungsverfahren Hochkonjunktur. Sie verringern die Restmenge, und die bei der Gärung entströmenden Biogase können zur Energiegewinnung verwendet werden. Forscher des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB und die Flensburger Firma Schwarting-Uhde verbesserten jetzt diese Technik. Es gelang ihnen die organische Trockensubstanz, die etwa 60 Prozent des Restmülls ausmacht, um fast 90 Prozent zu reduzieren und die Biogasausbeute zu verdoppeln.

Der Trick der Fraunhofer-Forscher: Sie verfeinerten das gängige zweistufige Verfahren. Die luftdicht ablaufenden Prozesse wurden in der zweiten Phase durch Mikrofilter ergänzt. Durch diese fließt das bei der Gärung entstehende Schlammwasser ab. Die Restmasse fault weiter und schrumpft . im Vergleich zum bisherigen Verfahren . auf weniger als die Hälfte zusammen. Anschließend behandeln die Wissenschaftler den verbleibenden Rest unter Zufuhr von Luft mit speziellen Pilzen, um das im Gärprozess schwer abbaubare Lignin zu reduzieren. Der Stoff kommt in fast jeder Pflanze, Frucht- sowie Gemüseart vor und verholzt die Fasern. Schließlich wird die Menge ein weiteres Mal vergoren, um den Restmüll weiter klein zu kriegen. Die geruchlosen Überbleibsel können nun deponiert werden.

Prof. Dr. Walter Trösch vom Fraunhofer IGB erklärt: »Es ist kein Problem bereits bestehende Vergärungsanlagen mit unserem System nachzurüsten, aber natürlich ist es eine Frage des Geldes.« Eine sinnvolle Investition in die Zukunft: Die Ergebnisse erfüllen bereits heute die Anforderungen der neusten Technischen Anleitung für Siedlungsabfälle (TASi) für das Jahr 2005. Das Verfahren eignet sich nicht nur für Hausmüll; auch andere organische Abfälle wie Biomüll, Gülle, Klärschlamm oder industrielle Naturstoffabfälle lassen sich damit nutzbringend verwerten.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Walter Trösch
Telefon: 07 11/9 70-42 20
Telefax: 07 11/9 70-42 00
E-Mail: troe@igb.fhg.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz

Dieser Themenkomplex befasst sich primär mit den Wechselbeziehungen zwischen Organismen und den auf sie wirkenden Umweltfaktoren, aber auch im weiteren Sinn zwischen einzelnen unbelebten Umweltfaktoren.

Der innovations report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Klimaschutz, Landschaftsschutzgebiete, Ökosysteme, Naturparks sowie zu Untersuchungen der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Seltenerd-Verbindungen für Hightech-Anwendungen

Neuer Sonderforschungsbereich SFB 1573 „4f for Future“ erforscht und entwickelt molekulare Verbindungen mit außergewöhnlichen Eigenschaften. Komplexe Materialien auf Basis von Seltenen Erden sind wichtig für viele Hightech-Anwendungen, beispielsweise für Permanentmagnete…

Schnelleres Internet durch Licht

EU-Projekt ELIoT liefert LiFi-Lösungen für den Massenmarkt. Das Projekt ELIoT (Enhance Lighting for the Internet of Things), Teil der EU-Initiative Horizon 2020, ist erfolgreich abgeschlossen worden. Seit 2019 entwickelte das…

Prostatakrebs gezielt bestrahlen

Anwendungsnahe Krebsforschung gefördert: Studie des Universitätsklinikums Freiburg zu präziser Strahlentherapie bei Prostatakrebs erhält 2,8 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern…

Partner & Förderer