Klimawandel: Wird Soja- und Baumwollanbau in Deutschland möglich?


Wie wird sich der künftige Treibhauseffekt auf den Anbau und die Erträge der Nutzpflanzen auswirken? Werden wir in Deutschland in 20 Jahren womöglich neben Getreide und Kartoffeln auch Soja und Baumwolle anbauen? Zu diesen Fragen nimmt der Leiter des Instituts für Agrarökologie der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Prof. Dr. Hans-Joachim Weigel, in der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins ForschungsReport Stellung.

Obwohl sich die Anzeichen häufen, dass der Treibhauseffekt zu einer globalen Erwärmung führt, muss nach Weigels Einschätzung noch offen bleiben, was dies für Mitteleuropa konkret bedeutet. Vorhersagen dazu seien schwierig, weil regionalisierte Prognosen, wie sich Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse ändern werden, nach wie vor nicht möglich sind.

Sicher ist dagegen, dass sich die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre fortlaufend ändert. Die Konzentrationen wichtiger Spurengase (z. B. Kohlendioxid, Ozon, Ammoniak) werden weiter zunehmen. Insbesondere die Konzentration des CO2, so führt der Agrarökologe aus, wird trotz aller Gegenmaßnahmen global weiter ansteigen. Da ein Mehrangebot an CO2 in der Atmosphäre die Photosynthese von Pflanzen stimuliert, könnte man annehmen, dass damit auch die Biomassebildung und die Erträge unserer Kulturpflanzen zunehmen. Ob dies langfristig aber tatsächlich eintrifft oder sich die Pflanzen an das vermehrte CO2-Angebot „gewöhnen“, ist offen.

Gleichzeitig können andere Spurengase, insbesondere das bodennahe Ozon (O3), Wachstum und Erträge von Kulturpflanzen negativ beeinflussen, also dem positiven CO2-Effekt entgegenwirken. Zurzeit wird in Deutschland ein Trend beobachtet, dass zwar die sommerlichen O3-Spitzenbelastungen in ländlichen Gegenden abnehmen, die mittleren Konzentrationen dagegen leicht ansteigen. Diese wiederum sind für empfindliche Pflanzen ebenso schädlich wie sehr hohe, kurzzeitig auftretende Konzentrationen.

Sollten sich extreme Wetterereignisse wie Trocken- oder Hitzeperioden häufen, sind Arten und Sorten mit hoher Ertragssicherheit gefragt.

Das Klima wird sich nach Einschätzung Weigels aber in den nächsten Jahrzehnten nicht so stark wandeln, dass ein kommerzieller Anbau der bisher existierenden Soja- und Baumwollsorten in Deutschland möglich wird.

Der ForschungsReport 1/2000 ist kostenlos zu beziehen über die Geschäftsstelle des Senats der Bundesforschungsanstalten, Tel.: 0531/299-3396, eMail: senat@bba.de


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