Almweiden garantieren artenreiche Gebirgsbäche

Saldurbach im Matschertal (Südtirol-Italien) Eurac Research/Alberto Scotti

Eine geringere Anzahl an Lebewesen wurden hingegen in Bächen verzeichnet, die durch Wälder und felsige Gegenden fließen. Die Studie wurde kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Freshwater Biology“ veröffentlicht.

Südtirolweit haben die Limnologen von Eurac Research 15 Gewässerabschnitte ausgewählt, die durch Gebiete mit unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit fließen: felsiges Gelände über 2.000 Metern, hochgelegene Weideflächen auf rund 2.000 Metern, Nadelwälder zwischen 1.500 und 1.600 Metern und tiefer gelegene Weideflächen zwischen 1.000 und 1.200 Metern.

Um die Ergebnisse vergleichen zu können, wählten die Forscher ähnliche Probepunkte. „Wir haben ausschließlich Bäche ausgewählt, die keinen Gletscher im Einzugsgebiet haben und wo es in unmittelbarer Nähe keinen menschlichen Einfluss gibt, etwa in Form von landwirtschaftlicher Nutzung“, erklärt der Limnologe Alberto Scotti.

„Wir wollten verstehen, ob und wie die im Flussbett lebenden wirbellosen Tiere von den Eigenschaften des angrenzenden Umlandes beeinflusst werden.“

Um das herauszufinden, hat Scotti verschiedene Proben entnommen und insgesamt 70 unterschiedliche Arten und Gattungen an wirbellosen Tieren bestimmt. Das Ergebnis zur Verteilung der Lebewesen hat selbst die Forscher erstaunt: Die Zusammensetzung der wirbellosen Arten ist nämlich nicht primär von der Höhenlage abhängig.

In den Gebirgsbächen, die Weiden durchqueren, haben die Forscher eine höhere Anzahl an Lebewesen und eine größere Artenvielfalt verzeichnet – sowohl auf 2.000 Metern als auch im Talboden.

Doch nicht nur das: In diesen Wasserläufen haben wirbellose Organismen vielfältige Funktionen – unter anderem ernähren sich einige von pflanzlichen Stoffen und zerkleinern sie dadurch gleichzeitig, andere filtern das Wasser.

In jeder Hinsicht sind die Populationen in Gebirgsbächen, die Weiden durchqueren, vielfältiger als in den Gewässern, die durch Wälder und felsige Gegenden fließen.

„Es wurde bereits wissenschaftlich untersucht, dass die terrestrische Biodiversität von Weiden und gemähten Wiesen höher ist. Dass dies auch für aquatische Ökosysteme gilt, hat uns überrascht. „In Gebirgsgewässern führt der Rückzug der Landwirtschaft von hochgelegenen Weiden dazu, dass Bäche eine geringere Biodiversität aufweisen.“

Der Fachartikel ist frei zugänglich unter: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/fwb.13448

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Sara Senoner idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Informationen:

http://www.eurac.edu

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