Herzklappe bei schlagendem Herzen ersetzt

Erstmals in Baden-Württemberg ist jetzt am Universitätsklinikum Heidelberg eine innovative Herzklappenoperation durchgeführt worden, mit deren Hilfe Herzklappen besonders schonend ersetzt werden können: Eine neue Aortenklappe wurde bei schlagendem Herzen durch einen kleinen Schnitt in den Brustkorb und die Herzspitze mit Hilfe eines Katheters eingesetzt.

Bei der Klappe handelt es sich um biologische Herzklappe mit drei Taschen, die aus einem Rinderherzbeutel gefertigt wurde; die Taschen sind in einen Stent/Ring aus rostfreiem Stahl eingenäht. Nach Ballon-Sprengung der verengten Herzklappe des Patienten wird die neue Herzklappe in die geschädigte Aortenklappe des Patienten eingesetzt. Die Herzspitze und der kleine Hautschnitt werden nach Entfernung des Katheters chirurgisch verschlossen; es bleibt eine kosmetisch unauffällige kleine Narbe.

Einstündiger Eingriff in Narkose und unter Röntgen-Sichtkontrolle

Bei dem Eingriff, der unter Röntgen-Sichtkontrolle und Narkose im Herzkatheterlabor der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg durchgeführt wurde und ca. 1 Stunde dauerte, konnte auf die vorübergehende Stilllegung des Herzens durch Einsatz einer Herzlungenmaschine verzichtet werden. Damit sind Begleit-Risiken wie mangelhafte Durchblutung der Organe, Embolie und Entzündungen ausgeschaltet. In der klinischen Praxis der Herzklappenchirurgie sind konventionelle Aortenklappenersatz-Operationen mit Eröffnung des Brustkorbs bislang nur unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine möglich. Für viele Patienten, die an Begleiterkrankungen leiden, birgt eine solche Operation zu große Gefahren.

Geringeres Risiko als herkömmliche große OPs zum Klappenersatz

„Das neue Verfahren hat für ausgewählte Patienten ein deutlich geringeres Risiko im Vergleich zu herkömmlichen Methoden“, stellen die Heidelberger Ärzte fest. Bei der Einführung des minimal-invasiven Verfahrens haben die beiden Kliniken für Herzchirurgie (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Matthias Karck) und Kardiologie, Pulmologie und Angiologie (Professor Dr. Hugo Katus) kooperiert. Federführend bei der Umsetzung waren Privatdozent Dr. Klaus Kallenbach und Privatdozent Dr. Wolfgang Rottbauer, Oberärzte in den Kliniken für Herzchirurgie bzw. Kardiologie.

An einer hochgradigen Verengung der Aortenklappe durch Kalkablagerungen leiden bundesweit ca. drei bis fünf Prozent der Bevölkerung ab 75 Jahren. Bei rund einem Drittel dieser Patienten kann die Klappe wegen ihrer schweren Begleiterkrankungen nicht ersetzt werden.

Der minimal-invasive Eingriff mit Klappenstent bei Aortenklappenstenose wurde erstmals im Jahr 2002 erfolgreich an einem Patienten in Rouen, Frankreich, durch Professor Alain Cribier eingesetzt; in Deutschland fand der erste Einsatz 2005 in einer Klinik in Siegburg statt. Bislang wird der Eingriff nur an wenigen Herzzentren in Deutschland durchgeführt.

Der 81-jährige Patient ist wohlauf / Herkömmliche OP wegen Zusatzerkrankungen nicht möglich

Der 81-jährige Heidelberger Patient, ein Rentner aus dem nördlichen Baden-Württemberg, litt an einer schweren Aortenklappenstenose: Bei dieser Erkrankung der Herzklappe zwischen linker Herzkammer und Hauptschlagader (Aorta) kann das Herz nur noch mit großer Anstrengung Blut durch die verengte Klappe pumpen. Die Folge ist eine Überlastung und schließlich Schwächung des Herzmuskels mit Herzrhythmusstörungen; außerdem droht eine mangelhafte Versorgung des Körpers mit Sauerstoff mit Herzschmerzen und plötzlichen Ohnmachtsanfällen.

Der Heidelberger Patient konnte sich wegen zusätzlicher Erkrankungen nicht dem Risiko einer herkömmlichen großen OP mit Klappenersatz unterziehen. Der neue Eingriff über die Herzspitze war für ihn die einzige Chance, eine bessere Lebensqualität und voraussichtlich höhere Lebenserwartung zu erlangen. Der Patient hat sich inzwischen von der Operation sehr gut erholt und wird in dieser Woche entlassen.

Zwei Techniken: Klappe kann über Katheter in die Herzspitze oder in die Beinarterie eingebracht werden

Die neue Klappe kann prinzipiell über zwei unterschiedliche Zugangswege im Herz platziert werden: entweder über den Brustkorb und die Herzspitze oder durch die Leistenartertie und die Aorta. Die Heidelberger Chirurgen und Kardiologen haben zunächst den Zugang über den Brustkorb und das Herz gewählt. Voraussichtlich in dieser Woche werden sie einen Eingriff über die große Beinarterie vornehmen.

Bei beiden Methoden bringt das kardiochirurgisch-kardiologische Team die Prothese, einen Herzklappen-Stent aus rostfreiem Stahl mit Hilfe eines Katheters in die Aorta vor. In beiden Fällen wird der Stent in die Position der verengten Aortenklappe platziert und mit einem Ballon aufgedehnt („Ballondilatation“). Dabei ersetzt die Prothese die alte degenerierte Herzklappe, indem sie diese zur Seite drängt. Das Implantationsergebnis überwacht das OP-Team mittels Röntgen-Angiographie und Echokardiographie (Ultraschall).

Bei der transapikalen Operation nimmt der Herzchirurg nur einen kleinen, etwa fünf bis zehn Zentimeter langen Schnitt im Zwischenraum des fünften Rippenbogens der linken Thoraxhälfte vor. Dort legt er die Herzspitze frei und schafft einen kleinen Zugang für den Katheter. Auf diesem wird die Herzklappen-Prothese aufgezogen und von vorne vorgebracht.

Die transfemorale OP über den Leistenarterienzugang erfolgt dagegen ganz ohne Öffnung des Brustkorbs. Dabei wird der die Stent-Klappe tragende Katheter bis zur Aorta von der Rückseite des Herzens her vorgeschoben. Bei der Operation durch die Leistenarterie kann auf eine Vollnarkose verzichtet werden; der Patient kann bereits nach wenigen Tagen nach Hause entlassen werden.

Kontakt:

Privatdozent Dr. Klaus Kallenbach
Oberarzt
Herzchirurgie
Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 6527
E-Mail: klaus.kallenbach@med.uni-heidelberg.de
Privatdozent Dr. Wolfgang Rottbauer
Oberarzt
Kardiologie, Angiologie, Pneumologie
Medizinische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 8851
E-Mail: wolfgang.rottbauer@med.uni-heidelberg.de
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
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