Zitronenmelisse hält Herpes-Viren in der Zellkultur in Schach

Schon die Kräutermedizin des Mittelalters setzte bei Entzündungen auf die Zitronenmelisse. Jetzt haben Wissenschaftler am Universitätsklinikum und der Universität Heidelberg nachgewiesen, dass sie das Herpesvirus, das bei rund 20 Prozent der Bevölkerung Entzündungen an der Lippe (Lippenherpes) hervorruft, im Reagenzglas in Schach halten kann.

Die Wissenschaftler wurden dafür im November 2008 mit dem Sebastian-Kneipp-Preis 2008 ausgezeichnet. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis ging zu gleichen Teilen an das Forscherteam Privatdozent Dr. Paul Schnitzler, Abteilung Virologie des Hygiene-Instituts am Universitätsklinikum Heidelberg, und Professor Dr. Jürgen Reichling, Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie der Universität Heidelberg, und Professor Dr. Veronika Butterweck, University of Florida, USA, für ihre Untersuchung der angstlösenden Wirkung von Arzneipflanzen.

Seit acht Jahren überprüfen die Heidelberger Wissenschaftler die therapeutische Wirkung von Heilpflanzen, die in historischen Berichten überliefert ist: „Wir fanden heraus, dass Extrakte von Heilpflanzen in Zellkulturen effektiv die Infektion mit verschiedenen Bakterien, Herpesviren, Erkältungsviren und Hefepilzen eindämmen können“, erklärt Professor Reichling. Als wirksam erwiesen sich ätherische Öle aus Kamille, Rosmarin, Pfefferminze, Manuka- und Teebaum sowie wässrige oder alkoholische Extrakte aus Melisse, Salbei oder Pfefferminze. Die Heidelberger Forscher identifizierten zudem die Inhaltsstoffe, die den Krankheitserreger entgegenwirken. Die Naturstoffe sind auch deshalb interessant, weil die Erreger in zunehmendem Maße resistent gegen Antibiotika oder Anti-Viren-Mittel werden.

Öl der Zitronenmelisse blockiert Befall der Zellen mit Herpesviren

Aktuell sind die Arbeiten zur Zitronenmelisse: Ihr Öl verringert die Infektion einer Zellkultur mit Herpes-Viren um mehr als 97 Prozent, indem es die Viren vor dem Befall der Zellen blockiert. Diese Ergebnisse wurden 2008 im Fachjournal „Phytomedicine“ veröffentlicht. Da die Pflanzenöle gut in der Haut resorbiert werden, ist eine einfache äußerliche Anwendung denkbar. Außerdem wirken die Öle bereits in so geringen Konzentrationen, dass schädliche Nebenwirkungen für den Körper bisher selten beobachtet werden.

Erste klinische Tests, die von australischen Medizinern mit Teebaumöl durchgeführt werden, belegen den Nutzen der Salbentherapie. Allerdings steht der Beweis für die Wirksamkeit in einer klinischen Studie noch aus. Die Heidelberger Wissenschaftler sind mit den Ärzten des Universitätsklinikums Heidelberg nun im Gespräch, die Wirksamkeit der Zitronenmelisse klinisch zu testen.

Sebastian-Kneipp-Preis 2008 würdigt wissenschaftliche Untersuchungen von Heilpflanzen

Ziel des ganzheitlichen Therapiekonzeptes nach Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) ist es, das körpereigene Abwehrsystem zu stärken und die Selbstheilungskräfte zu fördern. Die Kneipp-Therapie baut auf fünf Säulen auf: Bewegung, Ernährung, Ordnung, Wasser und Pflanzen. Zubereitungen aus Heilpflanzen werden dabei als unterstützende therapeutische Maßnahme eingesetzt. Die mit dem Kneipp-Preis ausgezeichneten Arbeiten tragen dazu bei, das therapeutische Wirkungsspektrum verschiedener Heilpflanzen genauer zu untersuchen und wissenschaftlich zu untermauern.

Ansprechpartner:
Privatdozent Dr. Paul Schnitzler
Abteilung für Virologie am Hygiene-Institut
des Universitätsklinikums Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 50 16
E-Mail: Paul.Schnitzler@med.uni-heidelberg.de
Literatur:
Schnitzler P., Schuhmacher A., Astani A., Reichling J. (2008) Melissa officinalis oil affects infectivity of enveloped herpesviruses.

Phytomedicine, 15, 734-40.

Schnitzler P., Koch C., Reichling J. (2007) Susceptibility of drug-resistant clinical HSV-1 strains to essential oils of ginger, thyme, hyssop and sandalwood.

Antimicrob. Agents Chemother., 51, 1859 – 1862.

Reichling J., Suschke U., Schneele J., Geiss H.K. (2006) Antibacterial activity and irritation potential of selected essential oil components – structure-activity relationship.

Nat. Prod. Comm. 11, 1003-1012.

Nolkemper S., Reichling J., Stintzing F.C., Carle R., Schnitzler P. (2006) Antiviral effect of aqueous extracts from species of the Lamiaceae family against herpes simplex virus type 1 and type 2 in vitro.

Planta Med. 72, 1378 – 1382.

Klinische Studie:

CF Carson et al.: Melaleuca alternifolia (tea tree) oil gel 6%) for the treatment of recurrent herpes labialis, J Antimicrob Chemother 2001; 48: 450 – 451

Information im Internet:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Schnitzler.6549.0.html
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg:
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

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