Ursachen und Häufigkeiten von Krebs bestimmen

Krebsregister sind wichtig, um die Ursachen der verschiedenen Krebserkrankungen genauer erforschen und den Kampf gegen die Krankheit weiter voranbringen zu können. Im Rahmen eines neuen Förderschwerpunktprogramms der Deutschen Krebshilfe suchen Wissenschaftler nach Risikofaktoren, erstellen Statistiken und analysieren die Heilungsraten von Krebs-Patienten. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt diese Forschungsvorhaben über einen Zeitraum von drei Jahren mit rund 3,3 Millionen Euro.

Bei einem ersten Treffen aller beteiligten Forschergruppen am 30. April 2010 in Saarbrücken stellten die Wissenschaftler die einzelnen Projekte des Förderprogramms „Epidemiologische Forschung mit Daten bevölkerungsbezogener Krebsregister“ vor. Ziel ist es, Risikofaktoren für unterschiedliche Tumorformen zu bestimmen und die medizinische Versorgung von Krebskranken in Deutschland genauer unter die Lupe zu nehmen. Alle Projekte verwenden Daten aus so genannten bevölkerungsbezogenen (epidemiologischen) Krebsregistern. Diese Datenbanken enthalten Informationen zu den Tumorerkrankungen, die in einer bestimmten Region auftreten: Tumorform, Erkrankungsalter, Geschlecht des Patienten. Darüber hinaus werden zusätzliche Angaben zum Lebensraum des Krebs-Patienten und zu seinen Kontakten mit Umweltschadstoffen erfasst.

Im Themenfeld „Risikofaktoren“ des Schwerpunktprogramms analysieren die Forscher Informationen zur Lebensweise und zu Umweltfaktoren. Ziel ist es hier, neue Erkenntnisse darüber zu erhalten, wodurch Krebs entsteht. Untersucht werden soll beispielsweise, welchen Einfluss Vitamine und Spurenelemente haben. Ein Projekt konzentriert sich auf Vitamin D und Selen, denn ein Mangel an beiden Nährstoffen steht im Verdacht, Krebs zu verursachen: „Wir wollen in einer großen Studie im Saarland untersuchen, ob Personen mit einem niedrigen Blutspiegel an Vitamin D3 und Selen ein höheres Krebsrisiko haben“, erläutert Dr. Ulrike Haug, Abteilung für Klinische Epidemiologie und Alternsforschung des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg. Aus den Forschungsergebnissen könnten Empfehlungen für die Krebs-Vorbeugung abgeleitet werden.

Thema des zweiten Schwerpunktes ist die Qualität der medizinischen Versorgung in Deutschland. Da mittlerweile immer mehr Patienten ihre Krebserkrankung überleben, sollen auch die langfristigen Auswirkungen der verschiedenen Therapieformen betrachtet werden. „Wir berücksichtigen hierbei sowohl körperliche Aspekte als auch psychosoziale Folgen der Erkrankung. Das bedeutet: Wir halten die Art der Therapie und bleibende Einschränkungen fest und beachten auch die soziale Unterstützung, die ein Patient erfahren hat“, erläutert Professor Dr. Hermann Brenner, Leiter der Abteilung für Klinische Epidemiologie und Alternsforschung am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Brenner koordiniert den Förderschwerpunkt der Deutschen Krebshilfe.

„Die Deutsche Krebshilfe hat in der Vergangenheit intensiv den Aufbau epidemiologischer Krebsregister in Deutschland unterstützt, damit Krebserkrankungen in Deutschland flächendeckend registriert werden“, sagt Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. Der Förderschwerpunkt „Epidemiologische Forschung mit Daten aus bevölkerungsbezogenen Krebsregistern“ soll nun die bisher erhobenen Daten Angaben intensiv nutzen und nach unterschiedlichen Gesichtspunkten auswerten. „Die gewonnenen Erkenntnisse sollen Krebs-Patienten schnellstmöglich zu Gute kommen“, so Nettekoven. Insgesamt werden fünf Einzel- und fünf Verbundprojekte bundesweit mit rund 3,3 Millionen Euro unterstützt.

Hintergrund-Info: Krebs-Epidemiologie

Der Begriff Epidemiologie leitet sich vom griechischen „epi“ (über) und „demos“ (Volk) ab. Die wissenschaftliche Fachrichtung untersucht die Verbreitung von Krankheiten in der Bevölkerung. Aus den Studien zur Krebs-Epidemiologie lassen sich beispielsweise Risikofaktoren für Erkrankungen ableiten. Ebenso können Bedingungen erfasst werden, die den Ausbruch der Krankheit verhindern. Um die Krebs-Epidemiologie in der Bundesrepublik zu verbessern, hat die Deutsche Krebshilfe bundesweit den Auf- und Ausbau von Krebsregistern unterstützt. Insgesamt investierte die gemeinnützige Organisation 18,3 Millionen Euro in dieses Gebiet.

Media Contact

Dr. med. Eva M. Kalbheim

Weitere Informationen:

http://www.krebshilfe.de

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