Kombinationspräparat mindert Schlaganfall-Risiko

Ärzte raten Schlaganfall-Patienten derzeit, umgehend Aspirin einzunehmen, um das Risiko eines erneuten Schlaganfalls zu mindern. Die sofortige Gabe eines Kombinationspräparats aus Dipyridamol und Acetylsalicysäure (ASS) wie Aspirin innerhalb von 24 Stunden ist jedoch bei gleicher Sicherheit wirkungsvoller.

Zu diesem Ergebnis kam eine von Professor Dr. Reinhard Dengler, Klinik für Neurologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), geleitete Studie, an der aus Hannover auch Professorin Dr. Karin Weißenborn, MHH-Klinik für Neurologie, und Professor Dr. Andreas Schwartz, Klinikum Nordstadt des Klinikums Region Hannover beteiligt waren. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Studie in der aktuellen Ausgabe des renommierten Magazins Lancet Neurology. An der Untersuchung beteiligten sich mehr als 250 Neurologen und 543 Patienten aus 46 deutschen Spezialstationen für Schlaganfallpatienten, den so genannten Stroke Units.

Das Kombinationspräparat ist kein neues Medikament. Es kam zunächst als Medikament zur Vorbeugung von Thrombose auf den Markt. Derzeit kommt bereits in der Schlaganfall-Therapie zum Einsatz – jedoch meist erst einige Zeit später, weil die Sicherheit, insbesondere die Blutungsgefahr, bei einer zeitigeren Gabe bisher noch nicht erforscht worden war. „Unsere Studienergebnisse zeigen jedoch, dass das Kombinationspräparat genauso sicher wie Aspirin allein ist“, erläutert Professor Dengler. Darüber hinaus ist es wirkungsvoller, weil es nicht nur wie Aspirin das Blut „verdünnt“ und die Verklebung von Blutplättchen verhindert, sondern auch Gefäßwandentzündungen mindert. Die Studie verdeutlicht zudem, dass das Risiko eines erneuten Schlaganfalls umso kleiner ist, je eher die Patienten das Kombinationspräparat nach dem ersten Schlaganfall einnehmen.

„Unsere Untersuchungen beweisen darüber hinaus eindrücklich, dass das Wiederholungsrisiko auch bei leichten Schlaganfällen groß ist. Dies sind solche, bei denen sich die Symptome innerhalb von 24 Stunden zurückbilden (sogenannte TIA) oder nur sehr leicht ausgeprägt sind“, sagt Professor Dengler. Patienten und Ärzte müssten deswegen beispielsweise auch kurzdauernde neurologische Symptome wie Sprach- oder Sehstörungen sehr ernst nehmen und behandeln.

Das Risiko, nach einem Schlaganfall einen zweiten zu bekommen, liegt – je nach Ursache – in den ersten drei Monaten bei 15 bis 20 Prozent. Aspirin mindert dieses Risiko um 17 Prozent, das Kombinationspräparat reduziert das Risiko hingegen im Mittel um etwas über 30 Prozent. „Wir müssen uns deshalb in der MHH überlegen, die frühe Kombinationstherapie zu forcieren“, meint Professor Dengler.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Reinhard Dengler, Direktor der MHH-Klinik für Neurologie, dengler.reinhard@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-2391.

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Stefan Zorn idw

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