Höhere Lebenserwartung bei Diabetes Typ 2 durch multifaktorielle Therapie

Studienergebnisse zeigen, dass eine Therapie, die weitere Risikofaktoren neben dem Blutzucker berücksichtigt, das Risiko von Folgeerkrankungen deutlich senkt und die Lebenserwartung dieser Patienten erhöht. Wie Ärzte ihre Patienten optimal einstellen können, ist ein Thema der Pressekonferenz am 7. November 2008 in Berlin anlässlich der diesjährigen Herbsttagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG).

Im Gegensatz zu der konventionellen Behandlung berücksichtigt die intensive – auch multifaktorielle Therapie genannt – mehrere Risikofaktoren. Denn bei Patienten mit Typ 2 Diabetes sind nicht nur die Blutzuckerwerte erhöht. Sie haben meist auch ungünstige Blutfettwerte und einen erhöhten Blutdruck. Darüber hinaus sind ihre Blutplättchen überaktiv, was die Blutgerinnung stört.

„Eine zielwertorientierte, multifaktorielle Therapie des Typ 2 Diabetes berücksichtigt alle vorhandenen Risikofaktoren. Dadurch können wir langfristig diabetische Folgeerkrankungen reduzieren und sowohl individuelles Leid als auch Kosten vermindern“, betont Professor Dr. med. Stephan Matthaei, Tagungspräsident der Herbsttagung der DDG und Chefarzt am Diabetes-Zentrum Quakenbrück. Die zielwertorientierte Therapie kann und sollte von allen behandelnden Ärzten umgesetzt werden.

Dass sich solche intensiven Bemühungen lohnen, zeigt die STENO-2-Studie, eine Langzeitstudie aus Dänemark. Insgesamt 160 Patienten mit Diabetes Typ 2 wurden in zwei Gruppen entweder konventionell vom Hausarzt oder intensiv multifaktoriell durch ein multidisziplinäres Team in einem Zentrum behandelt. Die Ärzte hatten strenge Zielvorgaben, insbesondere zu Blutdruck- und Blutfettwerten sowie zur Nahrung und körperlicher Aktivität.

„Die aktuelle Analyse der Daten nach 13,3 Jahren Studiendauer belegt, dass die Sterblichkeit in der intensiviert behandelten Gruppe um absolut 20 Prozent abnahm“, erläutert Professor Matthaei. Auch eine frühere Auswertung der Steno-2-Studie nach acht Jahren zeigte, dass Patienten von einer intensivierten Behandlung profitierten: Ihr Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko halbierte sich. Die Anzahl der Fälle von Nierenversagen oder diabetischen Augenkomplikationen war ebenfalls um 50 Prozent reduziert.

„Eine multifaktorielle Therapie ist der herkömmlichen weit überlegen“, folgert Professor Matthaei. Ärzte könnten mit dieser umfassenden Behandlung die Lebensqualität ihrer Patienten deutlich verbessern. Aber auch das Gesundheitsbudget, das jährlich für Diabetes und dessen Folgen ausgegeben wird, würde langfristig durch Vermeidung der kostenintensiven Folgeerkrankungen sinken. Zurzeit betragen die Gesamtkosten des Typ 2 Diabetes in Deutschland etwa 25 Milliarden Euro pro Jahr. „Die Kosten für das Gesundheitssystem werden noch weiter ansteigen, wenn wir unsere Patienten mit Typ 2 Diabetes nicht zielwertorientiert und multifaktoriell behandeln“, erklärt Matthaei. Denn nach Einschätzungen der WHO nimmt die Zahl der Typ 2 Diabetes-Patienten in den nächsten Jahren weiter zu, von aktuell 240 Millionen auf 380 Millionen Patienten im Jahr 2025.

Die Fort- und Weiterbildung aller Berufsgruppen, die in der Diabetes-Therapie tätig sind, ist ein wichtiges Anliegen der DDG. Die Fachgesellschaft stellt auf ihrer Herbsttagung praxisrelevanten Themen und praxisbezogene Workshops in den Mittelpunkt. Das vollständige Tagungsprogramm ist im Internet unter www.herbsttagung-ddg.de abrufbar.

Terminhinweise:

Eröffnung der Herbsttagung:
Freitag, 7. November 2008, 9.00 Uhr
Kuppelsaal des bcc Berliner Congress Centrum
Anschließendes Symposium zum Hauptthema mit internationalen Referenten:
Typ 2 diabetes: Treat-To-target
Freitag, 7. November, 9.15 bis10.30 Uhr
Kuppelsaal des bcc Berliner Congress Centrum
Pressekonferenz der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG):
Freitag, 7. November 2008, 11.00 bis 12.00 Uhr
Raum B 03, bcc Berliner Congress Centrum
Pressekontakt zur Akkreditierung und Informationen:
Pressestelle DDG
Beate Schweizer
Pf 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931 295, Fax: 0711 8931 167
Schweizer@medizinkommunikation.org

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