Hochschule sorgt mit Schneckentechnik für sauberere Zähne

Wohin Zahnbürste und Zahnseide zur Zahnreinigung nicht kommen, dort soll vor allem in den Zahnzwischenräumen ein Zahnreinigungsgerät arbeiten, das bis 2014 an der Westfälischen Hochschule in Bocholt entwickelt wird. Es basiert auf dem Prinzip der Raspelzunge der Schnecke. Mit im Forschungsboot sind Unternehmen aus Bochum, Solingen und Witten. Foto: WH/BL, Abdruck honorarfrei<br>

Das Problem liegt zwischen den Zähnen: 70 Prozent der Zahnfüllungen wurden 2009 bei gesetzlich Versicherten nötig, weil zwischen den Zähnen Karies die Zähne angriff. Und alle Parodontose geht auch von hier aus.

Ursache sind Biofilme, die vor allem in den Zahnzwischenräumen weder von der Zahnbürste noch von Zahnseide ausreichend entfernt werden können. Das will die Westfälische Hochschule und hier speziell der Bionik-Forschungsbereich an der Hochschulabteilung Bocholt jetzt mit einer Kombination aus Bionik, Mikrotechnik und Nanotechnologie ändern.

Als erstes will Prof. Dr. Andrea Springer mit einem Team aus wissenschaftlichen Mitarbeitern, Studierenden und externen Unternehmenspartnern aus Bochum, Solingen und Witten eine Diagnose-Einheit entwickeln, mit der der Zahnarzt die Zahnzwischenräume seiner Patienten untersucht und feststellt, ob Zahn und Zahnfleisch gesund sind. Dabei kommt Mikrotechnik zum Zug, denn zwischen den Zähnen ist es so eng, dass nicht einmal die bisherige Röntgentechnik hier ausreichend Auskunft geben kann. Sensoren vermessen nicht nur mögliche Schäden, sondern geben auch ein genaues Bild der individuellen Geometrie zwischen den Zähnen, woraus der Zahnarzt auch ableitet, wie groß oder besser wie winzig die Reinigungseinheiten sein müssen.

Dann kommt die Bionik ins Spiel, denn zur Reinigung der Biofilme kopieren die Wissenschaftler technisch die Schneckenzunge: Mit feinsten Zähnchen auf der Zunge raspelt das Weichtier in der Natur Fressbares von Oberflächen ab. Nach diesem Vorbild soll eine Mikro-Reinigereinheit entstehen, die dahin kommt, wohin die Zahnbürste nicht kommt. Dabei sollen die Bakterienfilme schonend mechanisch abgetragen werden und so verhindern, dass die Säuren der Bakterien den Zahnschmelz angreifen. Das ist so gründlich, dass der Patient diese spezielle Reinigung sogar nur dreimal wöchentlich durchführen muss, um seine Zähne und sein Zahnfleisch dauerhaft zu schützen. Zum Zahnarzt muss er dafür nicht, sondern kann das bequem zu Hause selber machen.

Das Projekt, das bei der Fachhochschule unter der Überschrift „med.clean&control“ läuft, wird vom nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium im Rahmen des Programms „PerMed.NRW“ mit rund 320.000 Euro gefördert. „PerMed.NRW“ soll Ideen für die personalisierte Medizin zur Verwirklichung begleiten. Aus 145 Wettbewerbsideen wurden sieben für die finanzielle Förderung in Höhe von insgesamt über elf Millionen Euro ausgewählt, darunter auch der Wettbewerbsbeitrag von Prof. Dr. Andrea Springer aus der Abteilung Bocholt der Westfälischen Hochschule. „Die vorgeschlagenen Vorhaben sind innovativ und haben ein großes Potenzial, sowohl die personalisierte Medizin in Nordrhein-Westfalen inhaltlich voranzubringen wie auch einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung zu leisten“, so Ministerin Svenja Schulze bei der Vorstellung der sieben Gewinner. Das Projekt läuft über zwei Jahre bis Juni 2014 einschließlich.

Mit im Forschungsboot sitzen drei Unternehmen: Die Firma Ingpuls aus Bochum kümmert sich um Sensortechnologie, ein Solinger Unternehmen soll die nötigen Werkzeuge bauen, damit die winzigen Geräte in Spritzgießtechnik produziert werden können, ein Unternehmen aus Witten konzipiert und entwickelt die Vermarktung.

Ihre Medienansprechpartnerin für weitere Informationen:
Prof. Dr. Andrea Springer, Fachbereich Maschinenbau der Abteilung Bocholt der Westfälischen Hochschule, Telefon (02871) 2155-927 oder 2155-902 (Dekanatssekretariat), E-Mail andrea.springer@w-hs.de

Hinweis: Seit dem ersten März 2012 heißt die Fachhochschule Gelsenkirchen „Westfälische Hochschule“. Der neue regionale Name zeigt die Zusammengehörigkeit der Standorte Gelsenkirchen, Bocholt und Recklinghausen. Auch unter ihrem neuen Namen lebt die Fachhochschule ihre mittlerweile zwanzigjährige Tradition berufsnaher akademischer Ausbildung sowie anwendungsorientierter Forschung und Entwicklung.

Media Contact

Dr. Barbara Laaser idw

Weitere Informationen:

http://www.w-hs.de

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