Epidemien vor dem Ende? Das Potenzial der Impfung

© Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie / Volker Brinkmann

Alle zweieinhalb Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt jemand daran, insgesamt mehr als 13 Millionen Menschen im Jahr. SARS und Schweinegrippe haben zumindest ansatzweise gezeigt, wie schnell begrenzte Epidemien im Zeitalter der Globalisierung und weltweiten Mobilität zur weltumspannenden Pandemie werden könnten. Viren und Bakterien scheren sich nicht um politische Grenzen. Sind wir darauf vorbereitet?

Eine sehr wirksame – und letztendlich auch sehr kostengünstige ­– Waffe im Kampf gegen Infektionskrankheiten sind Impfungen. Dies gilt insbesondere auch für eine Krankheit, die in vor allem in Asien, Afrika und in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion viele Todesopfer fordert: die Tuberkulose. Besonders bedrohlich sind die zunehmend auftretenden Infektionen mit TB-Erregern, die gegen eines oder sogar mehrere der üblicherweise gegen die Krankheit eingesetzten Antibiotika resistent sind. Doch bisher ist keine wirksame Impfung gegen TB auf dem Markt. Was sind die besonderen Herausforderungen bei der Entwicklung eines Impfstoffs? Welche Bedingungen müssen geschaffen werden, um ihn weltweit verfügbar zu machen? Wie werden Impfstoffe gestestet und wie wird ihre Sicherheit garantiert?

Mit Jeanne Turczynski diskutieren Prof. Dr. Stefan H.E. Kaufmann, Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin und Dr. Michael Pfleiderer, Leiter des Fachgebiets Virale Impfstoffe am Paul-Ehrlich-Institut – Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel in Langen.

Eine Form der Weißen Blutkörperchen, die Fresszellen oder Makrophagen, bilden die erste Verteidigungslinie unsres Immunsystems. Hier ist eine solche Fresszelle (rot dargestellt) im Begriff, Tuberkulosebakterien (gelb) in sich einzuschließen und zu verdauen. Doch Mykobakterien sind hart im Nehmen.

Geschützt durch eine besonders widerstandsfähige Zellwand können sie in den Fresszellen jahrelang überleben und bei einer Schwächung des Immunsystems – sei es durch Krankheiten wie Aids oder auch durch das Altern – wieder freigesetzt werden. Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie ist es gelungen, Mykobakterien gentechnisch so zu verändern, dass sie sich nicht mehr in den Zellen des Immunsystems verstecken können.

Werden diese Impfbakterien von einem Makrophagen aufgenommen, lösen sie in der Fresszelle ein Selbstzerstörungsprogramm aus, den „programmierten Zelltod“. Dadurch werden die Impf-Antigene dem Immunsystem optimal präsentiert, was zu einer starken Immunantwort führt. Der neue Impfstoff befindet sich derzeit in der klinischen Prüfung – doch ob er wirklich hält, was er verspricht, wird man erst in ca. 10 Jahren sagen können.

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