Die Magnetresonanz-Tomographie ist auf dem Vormarsch

Technische Fortschritte bei Röntgen- und CT-Geräten, medizinische Leitlinien und eine strenge Indikationsstellung für Röntgenuntersuchungen tragen inzwischen dazu bei, dass die durchschnittliche Strahlenbelastung der Bevölkerung sinkt. Auch die Magnetresonanz-Tomographie, jenes bildgebende Verfahren, dass ohne ionisierende Strahlung auskommt, hat daran zunehmend Anteil. Dies spiegelt sich im Programm des Deutschen Röntgenkongresses in Wiesbaden.

Die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) ist ein dominierendes Thema des diesjährigen Röntgenkongresses: Fast die Hälfte der Vorträge beschäftigt sich mit den Möglichkeiten dieses bildgebenden Verfahrens. Nicht nur in der Forschung, sondern auch in der täglichen Diagnostik in Kliniken und Praxen befindet sich die MRT auf dem Vormarsch: US-amerikanische Analysen belegen, dass die Zahl der MRT-Untersuchungen jährlich um elf Prozent wächst.

In Deutschland gibt es knapp über tausend MRT-Geräte, etwas mehr als die Hälfte davon stehen in Praxen.
Die Vorteile der Methode liegen – neben der fehlenden Strahlenbelastung – beispielsweise vor allem in der präzisen und differenzierten Darstellung von Weichteilen, Organen und Gefäßen. „Damit verbunden“, so Kongresspräsident Professor Ingolf Peter Arlart vom Zentrum Radiologie des Stuttgarter Katharinenhospitals, „ist eine hohe diagnostische Treffsicherheit.“ Allerdings kennt Arlart auch die Nachteile des Verfahrens. Dazu gehören hohe Kosten, Mängel beim Patientenkomfort durch die Untersuchung in einer Röhre, die Klaustrophobie verursachen kann, ebenso die Tatsache, dass sich bestimmte Gewebe nicht gut darstellen lassen. Dies hat mit dem Prinzip der Methode zu tun: Bei der MRT werden die Signale der Kerne von Wasserstoffatomen im Gewebe genutzt, die mit Hilfe der magnetischen Felder und Hochfrequenz-Radiowellen unterschiedlich ausgerichtet werden. Aus den Resonanzschwingungen dieser Wasserstoffkerne (Protonen) errechnet der Computer ein dreidimensionales Bild. Entsprechend schwach fallen die Signale bei Geweben mit geringer Protonendichte aus. Auch für Patienten mit Implantaten oder Herzschrittmachern kommt die Untersuchung mit den starken Magnetspulen nicht infrage.

Inzwischen drängen schnelle und ultraschnelle MRT-Geräte auf den Markt, die im Sekundentakt bzw. im Abstand von 40 Millisekunden ein Bild aufnehmen können. Auch die Auflösung der Aufnahmen wird ständig feiner. Neue Kontrastmittel sorgen für bessere Untersuchungsmöglichkeiten, etwa der Leber. Ebenso gibt es inzwischen Großgeräte, die offen sind und darum minimal-invasive Eingriffe unter Sichtkontrolle gestatten. Allerdings geht dieser Vorteil im Augenblick noch zu Lasten der Bildqualität und setzt Spezial-Instrumente voraus. Auch Kleingeräte, um etwa Arme oder Beine untersuchen zu können, haben eine geringe Magnetfeldstärke und darum eine eingeschränkte Auflösung.

Dennoch ist Arlart davon überzeugt, dass sich der Siegeszug der MRT nicht aufhalten lässt: „Hochaufgelöste Bilder, schnellere Bildsequenzen, die Einblicke in Dynamik und Funktion von Organen liefern, und eine weitere Reduktion der medizinisch verursachten Strahlenbelastung sind stichhaltige Argumente für dieses Verfahren.“ Auch Körperregionen, wo bislang konventionelle Röntgen- oder CT-Untersuchungen dominieren, können zunehmend mit dem strahlenfreien Verfahren abgebildet werden: Brustkorb und Lunge, Herz und Gefäße oder der Magen-Darm-Trakt. Entsprechend prognostizieren Experten der Methode in den nächsten Jahren ein deutliches Wachstum bei der Diagnostik von Herz- und Gefäßerkrankungen und bei Störungen des Muskel- und Stützgewebesystems. Auch die Zahl der MR-überwachten minimal-invasiven Eingriffe dürfte konventionellen Strategien Terrain abgewinnen.

Sorge bereitet den Radiologen allerdings, dass auch andere ärztliche Fachdisziplinen zunehmend Anstrengungen unternehmen, diese von den Radiologen für den klinischen Einsatz entwickelten Diagnosemethode einzusetzen. Während der Radiologe als Spezialist für die bildgebende Diagnostik nur auf Zuweisung eines anderen Arztes tätig wird, bereiten Ärzteorganisationen den Weg vor, dass Kardiologen, Orthopäden, Gefäßchirurgen und Angiologen die Untersuchung nicht nur verordnen, sondern nach einer entsprechenden Ausbildung vor allem in der eigenen Praxis selbst auch durchführen können. „Durch diese Selbstzuweisung“, warnt Arlart, „könnte eine Fehlentwicklung eintreten, vergleichbar der Situation in der Ultraschall- und Röntgendiagnostik, die mit einem politisch nicht gewollten Kostenanstieg in der medizinischen Versorgung einhergeht.“

Rückfragen an:
Prof. Dr. med. Ingolf Peter Arlart, Kongresspräsident
Ärztlicher Direktor Zentrum Radiologie/
Radiologisches Institut
Katharinenhospital
Kriegsbergstraße 60
70174 Stuttgart
Tel.: 0711-2784400
Fax: 0711-2784409
E-Mail: [email protected]

Ansprechpartner für Medien

Dipl. Biol. Barbara Ritzert idw

Weitere Informationen:

http://www.drg.de/

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