Infektionszunahme auf Intensivstationen


Tödliche Pilze

Köln, den 4. Juli 1999 – Mit einem sogenannten „Multivarianzmodell“ ist es möglich, schon am Aufnahmetag anhand der individuellen Risikofaktoren des Patienten, die Wahrscheinlichkeit zu berechnen, ob der Patient während der Intensivtherapie zur Pilz tragenden Gruppe gehört, und ob er ein hohes Risiko trägt, an einer Hautpilzkrankheit zu sterben. Zu diesem Ergebnis kommt Dr. Stefan Willi Mester in einer Studie, die er am Zentrum für Innere Medizin der Universität zu Köln angefertigt hat.

Infektionskrankheiten, die durch Übertragung von Erregern im Krankenhausbereich hervorgerufen werden, kommen in den letzten zwanzig Jahren immer häufiger vor. Pilznachweise bei Intensivpatienten sind nicht nur ein Anzeichen der höheren Sterblichkeit, sondern sie können auch Ursache oder mindestens ein Teil der Ursache der Krankheit und des Todes sein. Deswegen ist es sehr wichtig, die krankhafte Bedeutung eines Pilzes und in diesem Zusammenhang eine Pilzinfektion rechtzeitig zu erkennen.

Hautpilze sind die am meisten vorhandenen Keime und haben eigentlich keine wichtige Bedeutung für eine Krankheit. Das bedeutet, daß eine Besiedlung mit Hautpilzen an verschiedenen Regionen des Körpers nicht unbedingt krankhaft sein muß. Erst dem Beweis einer Infektion mit Pilzen kommt eine therapeutische Bedeutung zu, was für einen Intensivpatienten eine klinische Verschlechterung bedeutet. Jedoch ist charakteristisch für die Hautpilzinfektion, daß sie sich von anderen Infektionen nicht unterscheiden. Doch kann ein Pilznachweis, auch wenn der Pilz nicht genau bestimmt werden kann, als ein Zeichen für die Erkrankungsschwere und indirekt auch für die Voraussage eines Patienten angesehen werden.

Die Untersuchung wurde auf der Intensivstation der Klinik für Innere Medizin der Universität zu Köln an 224 Patienten durchgeführt. Die Patienten wurden 17 Monate beobachtet. Bei mehr als einem Drittel der Patienten konnte ein Pilz nachgewiesen werden. Zwischen dem Intensivaufenthalt und der Infektionszunahme wurde eine Wechselbeziehung gefunden: Je länger der Patient therapiert wurde und verordnete Antibiotika bekam, desto intensiver war die Infektionszunahme. Auch die Sterblichkeit der Patienten mit einem Pilznachweis lag 10 Prozent höher als die Sterblichkeit der Patienten ohne Pilznachweis. Aus diesem Grunde ist eine möglichst frühe Entdeckung eines Pilzbefundes dringlich, und es sollte bei vorliegenden Risikofaktoren zu einer frühzeitigen Therapie oder Behandlung kommen.

Alleine hat ein Hautpilznachweis keine wesentliche Bedeutung. Daher empfiehlt Dr. Mester die Bewertung des Pilzbefalles nach einem festgelegten Schema vorzunehmen. Das Schema orientiert sich an den Nachweisorten wie Blutkultur, an der Anzahl der Nachweisorte und an der Keimzahl an den jeweiligen Nachweisorten (z.B. massenhaft, Nachweis, vereinzelt). Darüber hinaus werden für jeden Pilznachweis die klinischen Daten für den Nachweistag berücksichtigt. Anhand dieser Angaben kann die Zuteilung des Befundes statistisch bestimmt werden.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Salzberger unter der Telefonnummer 0221/478-3745, der Fax-Nummer 0221/478-3470 und unter der Email-Adresse Bernd.Salzberger@uni-koeln.de zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web (http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html).

Für die Übersendung eines Belegexemplars waren wir Ihnen dankbar.

Media Contact

Gabriele Rutzen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit

Dieser Fachbereich fasst die Vielzahl der medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin zusammen.

Unter anderem finden Sie hier Berichte aus den Teilbereichen: Anästhesiologie, Anatomie, Chirurgie, Humangenetik, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Pharmakologie, Physiologie, Urologie oder Zahnmedizin.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Die Glasknochenkrankheit besser verstehen – ganz ohne Tierversuche

Forschende der ETH Zürich haben ein zellbasiertes Knochenmodell entwickelt, mit dem sie der Ursache der Erbkrankheit auf den Grund gehen können. Wer an der Glasknochenkrankheit leidet, für den ist das…

Biobasierte Kunststoffe – neuartiges Folienmaterial aus dem Biokunststoff PLA

Flexible Einwegfolien wie Tragetaschen oder Müllsäcke werden hauptsächlich aus erdölbasiertem Polyethylen niedriger Dichte (LDPE) hergestellt. Sie besitzen jedoch einen großen CO2-Fußabdruck und tragen zur Umweltverschmutzung durch Kunststoffabfälle bei. Einem Team…

Isolierte Atome groß in Form

LIKAT-Chemiker demonstrieren heterogene Katalyse für die Synthese komplexer Moleküle. Ein am LIKAT in Rostock entwickelter Katalysator eröffnet neue Wege in der Synthese von Feinchemikalien etwa für die Pharmazie, die Agro-…

Partner & Förderer