Tumor-Zellen an der Wanderschaft gehindert


Wissenschaftler der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität und des start-up-Unternehmens MelTec GmbH haben in Laborversuchen einen Weg gefunden, die Ausbreitung von Krebszellen zu stoppen. Mit einer von ihnen entwickelten Robotertechnologie zur Kartierung zellulärer Proteine spürten sie Zielorte für selektiv wirkende Substanzen auf, die Tumorzellen an der Wanderung hindern.

„Das ist ein gelungener Auftakt unseres Biochance-Projektes“, sagte der Hochschuldozent und MelTec-Gründer Dr. Walter Schubert. Im Biochance-Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie konnten sich die Forscher von der Firma MelTec GmbH und vom Universitätsinstitut für Medizinische Neurobiologie erfolgreich gegen Mitbewerber aus renommierten Biotech-Regionen wie Heidelberg, München und Bonn durchsetzen. Das Biochance-Projekt hat einem Umfang von rund 4,6 Millionen Mark. Die Förderung innerhalb der nächsten zwei Jahre dient der Weiterentwicklung einer zukunftsweisenden Technologie zum Auffinden molekularer Zielstrukturen für künftige Medikamente.

Die als "Multiepitop-Ligand-Kartierungs-Verfahren" (MELK) bezeichnete Robotertechnologie wurde von Mitarbeitern der Otto-von-Guericke-Universität entwickelt. „Wir können damit viel schneller herausfinden, welche Proteinkombinationen bei verschiedenen Krankheitsverläufen entstehen oder verschwinden“, so der Wissenschaftler. Die Proteinmuster können wichtige Aufschlüsse darüber geben, wo der beste Angriffspunkt für ein gezielt wirkendes Medikament mit wenigen Nebenwirkungen zu suchen ist.

Durch die Identifizierung krankheitsspezifischer Proteinmuster mit Hilfe der MELK-Technologie sind gefährliche Schlüsselproteine besser validierbar. Für Pharmaunternehmen reduzieren sich die Risiken der Arzneimittelentwicklung, weil mit geringeren Ausfallraten bei der Substanzentwicklung zu rechnen ist. Ein weiterer Vorteil der Technologie liegt in der Geschwindigkeit der Zielortfindung für Medikamente durch High Throughput Screening.

Die jüngsten Forschungsergebnisse lieferten Hinweise auf Schlüsselproteine, die Tumorzellen zum Wandern veranlassen. Durch die selektive Blockierung dieser Schlüsselproteine gelang es, die Fähigkeit der Krebszellen zur Wanderung zu unterdrücken. Die Wissenschaftler hoffen, einen neuen Ansatzpunkt zur Behandlung von Tumoren gefunden zu haben. Ob die Entdeckung künftig einmal Patienten nutzen wird ist wegen der hohen Komplexität maligner Erkrankungen derzeit allerdings noch offen. Bis zu einem einsatzreifen Medikament ist der Weg noch lang.

Im Sommer 1999 gründete Dr. Schubert das start-up Unternehmen MelTec GmbH. Auf der Grundlage exzellenter Unternehmensbewertungen erhielt MelTec in diesem Jahr eine der höchsten internationalen Risikokapitalausstattungen im Biotech-Bereich. Die Zahl der MelTec-Mitarbeiter stieg innerhalb eines Jahres um über hundert Prozent.

Arbeitsschwerpunkte der MelTec-Mitarbeiter sind u.a. der Identifizierung von Schlüsselproteinen, die zu Tumoren, Arteriosklerose und zu Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose führen.

Ansprechpartner:
Dr. Walter Schubert und Dr. Christine Lemke
Tel: 0391 / 6117250
Fax: 0391 / 6117251
E-Mail: meltec@zenit-magdeburg.de

Media Contact

Kornelia Suske idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit

Dieser Fachbereich fasst die Vielzahl der medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin zusammen.

Unter anderem finden Sie hier Berichte aus den Teilbereichen: Anästhesiologie, Anatomie, Chirurgie, Humangenetik, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Pharmakologie, Physiologie, Urologie oder Zahnmedizin.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Die Zell-Eisenbahn – Computersimulationen erklären Zellbewegungen

Man blickt unter das Mikroskop: Eine Gruppe von Zellen bewegt sich langsam voran, hintereinander wie ein Zug über die Gleise. Dabei navigieren die Zellen durch komplexe Umgebungen. Wie sie das…

Wie Künstliche Intelligenz Maschinenstillstände verringert

Instandhaltung: Intelligente Algorithmen erkennen Fehler und Verschleißerscheinungen und die Smart Watch verrät dem Maschinenbediener, wie er die Störungen beheben kann: Ein Forschungsteam vom Fraunhofer IPA hat zusammen mit Partnern aus…

Neuartiges Krebs-Therapeutikum

… mit Komponenten aus der Grundlagenforschung am FMP geht in klinische Phase. Wegweisende Innovationen von Forschenden des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) lieferten die Basis für die Entwicklung eines Antikörper-Wirkstoff-Konjugats…

Partner & Förderer