Von der Gallenstein-Entfernung bis zur Stillung innerer Blutungen

Um krankhafte Veränderungen im Bauchraum und anderen Körperregionen aufzuspüren und zu behandeln, ist heute in vielen Fällen keine große Operation mehr erforderlich. Stattdessen setzen neben Internisten auch Chirurgen mittlerweile immer häufiger auf die Endoskopie. Durch natürliche Körperöffnungen oder durch einen winzigen Einschnitt werden bei diesem schonenden Diagnose- und Therapieverfahren schlauchartige oder starre optische Instrumente eingeführt, mit denen die Organe von innen her detailliert betrachtet und häufig gleichzeitig auch chirurgisch behandelt werden können. An der Klinik für Allgemeine Chirurgie des Universitätsklinikums Münster unter der Leitung von Prof. Dr. Norbert Senninger stellt die Endoskopie seit nunmehr genau 25 Jahren eine eigenständige Abteilung dar. Mittlerweile werden dort jährlich rund 4000 Untersuchungen durchgeführt. Mit einem Finanzvolumen von rund 750.000 Euro wurde dieser zukunftsweisende Funktionsbereich der Klinik jetzt grundlegend modernisiert und erweitert.

Neben einer Umgestaltung und Ausweitung der räumlichen Gegebenheiten wurden mehrere neue Geräte angeschafft, die neue Möglichkeiten im Bereich der endoskopischen Diagnostik und Therapie eröffnet haben. Dazu zählt unter anderem eine digitale Röntgenanlage neusten technischen Standards, die aufgrund der besseren Bildqualität bei gleichzeitiger Reduzierung der Strahlenbelastung um bis zu 70 Prozent auch früheste krankhafte Veränderungen erkennbar macht. Große Vorteile im Hinblick auf eine gezielte Therapieplanung bei Tumorerkrankungen versprechen sich die münsterschen Chirurgen insbesondere von einer modernen Endosonographie-Anlage: Durch einen Ultraschallkopf an der Spitze des Endoskops kann von innen her hinter die Organwand geschaut werden und damit das Tumorstadium genau eingegrenzt werden. Gleichzeitig besteht jetzt auch die Möglichkeit, unter Ultraschallsicht Gewebe zu entnehmen.

Darüber hinaus wurde der bisherige Endoskop-Desinfektor durch das neuste Modell mit erweiterten Funktionen ersetzt, was das Risiko für die Patienten, sich über Endoskope mit Keimen zu infizieren, nahezu vollständig eliminiert. Ferner wurde durch die Anschaffung neuer Endoskope eine Erweiterung der Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten im Bereich der
Atemwege und des oberen Magen-Darm-Traktes möglich. Nicht zuletzt verfügen jetzt alle Untersuchungsräume über eine digitale Daten- und Bilderfassung, womit eine sofortige zentrale Befundung und eine viel Zeit sparende digitale Kommunikation mit anderen Kliniken und Praxen möglich geworden ist.

Gegenüber den klassischen „großen“ Operationen liegen die Vorteile der so genannten minimal invasiven endoskopischen Eingriffe für die Patienten unter anderem in geringeren Schmerzen nach der Operation, einem kürzeren Krankenhausaufenthalt, einer schnelleren Rehabilitation und nicht zuletzt in einem besseren kosmetischen Ergebnis. Nach Worten des für den Bereich Endoskopie und Proktologie (Mastdarmerkrankungen) zuständigen Oberarztes Dr. Dirk Tübergen haben minimal-invasive Interventionen offene chirurgische Verfahren bereits an vielen Stellen abgelöst. So werden beispielsweise von Magengeschwüren herrührende Blutungen im Magen-Darm-Trakt heute in zirka 95 Prozent der Fälle endoskopisch gestillt. Auch Gallensteine werden inzwischen meistens innerhalb von Minuten auf diese Weise entfernt.

Als ein noch relativ neues und sehr vielversprechendes Anwendungsgebiet für eine endoskopische Intervention verweist Tübergen insbesondere auf die lokale Entfernung von Krebsgeschwülsten im Frühstadium. Es habe sich nämlich mittlerweile gezeigt, dass Tumoren einer bestimmten Eindringtiefe ohne Lymphknotenabsiedlung endoskopisch genauso effektiv wie bei einem offenen Verfahren abgetragen werden können, wobei zudem die Komplikationsrate deutlich geringer sei. Während dieses Verfahren in der Chirurgischen Universitätsklinik bei Enddarmtumoren bereits seit zehn Jahren erfolgreich durchgeführt wird, setzt es sich jetzt immer mehr auch bei bösartigen Geschwülsten im oberen Verdauungstrakt durch.

Die Endoskopie hat jedoch nicht nur in vielen Fällen die klassische Operation selbst ersetzt, sondern sie wird ebenfalls in den Phasen vor, während und nach einer Operation angewandt. So ist die endoskopisch durchgeführte präoperative Ultraschalluntersuchung ein wichtiger Gewinn für die Therapieplanung bei Krebserkrankungen. Durch eine gezielte Kombination von Chemo-, Strahlen- und operativer Therapie können so laut Tübergen früher nicht mehr therapierbare Tumorerkrankungen häufig noch operabel und damit potenziell heilbar gemacht werden. Während einer Operation kann eine endoskopische Untersuchung dem Operateur wichtige Hinweise auf krankhafte Veränderungen geben, die von außen nicht sicht- oder tastbar sind. In manchen Fällen, wie etwa bei großen Dickdarmpolypen, die endoskopisch allein nicht zu entfernen sind, erfolgt eine Kombination von Bauchspiegelung und Endoskopie. Nach einer Operation wird im Bedarfsfall wiederum eine Endoskopie durchgeführt beispielsweise, um bedrohliche Komplikationen nach Bauchoperationen möglichst früh zu erkennen und gegebenenfalls zu behandeln. Auf diese Weise kann vielen nach einer Operation ohnehin geschwächten Patienten eine erneute Operation erspart werden.

Anlässlich des 25. „Geburtstages“ der Endoskopieabteilung und der jetzt erfolgten Umgestaltung und Erweiterung lud die Klinik für Allgemeine Chirurgie des Universitätsklinikums Münster am 20. März 2002 Mitarbeiter des Klinikums sowie anderer Krankenhäuser und Praxen zu einer Informationsveranstaltung in den Hörsaal der Klinik ein. Nach einem theoretischen Überblick über die Entwicklung und den aktuellen Stand der Endoskopie hatten die Teilnehmer Gelegenheit, die neuen Möglichkeiten vor Ort in Augenschein zu nehmen.

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Jutta Reising idw

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